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Der Israelit · 1885-06-08 · Heft 45 (8.6.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 45 (8.6.1885)
Date
1885-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. JSfo 48. Ein Gentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von I)r. Lehmann in Mainz. Montag, den 8. Juni 5648 (4885). Leitende Artikel. Z)ie Sprüche der Däter. XVI. Mainz, 4. Juni. Die dritte Mischnah des zweiten Kapitels unsrer Maßechtha schließt sich unmittelbar an die vorhergehende an und wird ebenso nur in Verbindung mit ihr verständlich, wie sie selbst auf das Vorhergehende ein Helles Licht wirft; sie lautet: Tnsfc n!?n d"»6 ,niEra p*ni nn )b poijf f» jnwn nj/Ka prroo j’toj .ipm nym „Seid vorsichtig den Großen (den Gewalthabern) gegenüber; denn sie ziehen den Menschen nur an sich heran, wenn sie seiner bedürfen; sie scheinen wie Freunde, so lange sie Nutzen ziehen, und stehen dem Menschen nicht bei zur Zeit seiner Noch." Wenn wir diesen Ausspruch Rabbon Gamliels in Verbindung mit dem Vorhergehenden betrachten, so werden wir sofort erkennen, daß das Ganze eine Ausführung des im ersten Kapitels unsrer Maßechtha angeführten Ausspruches Schcmaja's ist. Schemaja sagte: „Liebe die Arbeit, hasse die Herrschaft und geselle dich nicht zu den Großen." Liebe die Arbeit! Dem entsprechend lehrt Rabbon Gamliel: „Liebe die Arbeit selbst dann, wenn du dein Leben der Gotteslehre weihst; denn schön ist das Studium der Gotteslehre in Verbindung mit weltlicher Beschäftigung, da das Mühen um beide die Sünde vergessen macht, und jedes Studium der Lehre, mit dem Arbeit nicht verbunden, wird am Ende aufbören und Schuld zu Wege bringen. „Hasse die Herrschaft!" Aber es gibt Umstände, die es nothwendig machen, daß wir ein Herrscheramt übernehmen. Wir haben es schon bei der Erklärung des Ausspruches Schemaja's (Nr. 56 in 25. Jahrgange) hervorgehoben: „Nicht das Herrscheramt sollen wir hassen, sondern die Herrschaft!" Und diesen Gedanken führt Nabbon Gamliel näher aus: Und Alle, die sich bemühen um die Gemeinde, sollen sich bemühen um sie um Gottes willen, in reiner Absicht; dann wird Gott Gelingen verleihen und das Wirken der Vorsteher zu einem segensreichen gestalten. „Und geselle dich nicht zu den Großen!" So konnte Schemaja sprechen, der zu einer Zeit lebte, als der jüdische Staat noch bestand. Damals war Judäa von Parteihader zerrissen; zwei feindliche Brüder stritten um die Herrschaft und bekämpften sich bis auf den Tod. Wer sein Volk, wer die heilige Gotteslehre liebte, mußte sich von den Parteiführern fernhalten, um zu retten, was zu retten war. Anders Nabbon Gamliel III. Damals war der jüdische Staat bereits zerstört, und die Juden waren Unterthanen des großen, römischen Weltreiches. Die an der Spitze des Volkes standen, mußten mit den römischen Gewalthabern in Verbindung treten, um das Volk zu schützen, drohende Gefahren abzuwenden, die Steuerlast zu erleichtern. Sie warnt Nabbon Gamliel und spricht: Seid vorsichtig im Verkehre mit den Großen! Sie sind nur freundlich und zuvorkommend, so lange es der eigene Vortheil erheischt; sie scheinen wie Freunde, so lange sie Nutzen ziehen können, und stehen dem Menschell nicht bei zur Zeit seiner Noth. .In diesen Worten Nabbon Gamliels ist die ganze Perfidie der römischen Gewaltherrschaft, wie sie zahlreiche Schriftsteller jener Epoche uns schildern, gekennzeichnet. Sowohl Schemaja wie Rabbon Gamliel gebrauchen den Ausdruck nun, nicht ni^o. Dies letztere bezeichnet eine Negierung, die nach Gesetz und Recht regiert. Für eine solche

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