Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Von unseren Waisen sind es erst zwei, die die Klempnerei und Tischlerei erlernen; zu kommendem Pesach werden jedenfalls noch einige andere also untergebracht werden.*) Die Hausordnung ist wesentlich dieselbe geblieben, wie im Vorjahre. Die Kinder stehen Morgens um 5 Uhr auf, verrichten die Geschäfte des Ordnens und empfangen den Chaeliam, der um t> Uhr das Gebet abzuhalten erscheint. Um 7 Uhr wird gefrühstückt. Die Klasse fängt im Wintersemester um 7'/, Uhr an, um mit halbstündiger Pause bis 12 Uhr zu währen. Nach dem Mittagsmahle wird der Unterricht um 1 Uhr wieder aufgenommen und dauert mit halbstündiger Pause, die 'diesmal und zwar wieder unter Assistenz des Chachams zum Gebete verwendet wird, bis 4 '/2 Uhr, dann tummeln sich die Kinder im Freien, gemessen ihr Abendbrod und begeben sich um ü Uhr zur Arbeitsstunde in die erleuchtete Klasse. Um 7 Uhr wird das Schnhzeug für den kommenden Tag gereinigt und um S Uhr ist Alles in den Betten. Die Schlafzimmer sind erleuchtet; der zuverlässige Diener des Ganses schläft zur Beaufsichtigung bei den Kindern. Es ist Sitte, ausser den gebräuchlichen Spaziergängen am Sabbathe und an Feiertagen die Kinder an jedem Neumonde, wenn das Wetter es erlaubt, zu einem grösseren Ausfluge auszuführen, an dem sich ein oder mehrere Lehrer betheiligen. Letzthin wurde das eine Meile von der Stadt belegene Kolonia aufgesucht, wobei selbst die kleineren Kinder tapfer marschirten. Am Freitag Nachmittag, wo der Unterricht nur bis o Uhr dauert (in Jerusalem geht die Sonne am kürzesten Tage erst um 5 Uhr unter), erhalten diejenigen Kinder, welche sich die Woche hin¬ *) In Bezug aut* den Ilandwevk-suntervicht verweisen wir auf unseren vorstehenden Bericht, Der Vorstand. durch in der Schule am meisten ausgezeichnet haben, eine kleine Belohnung an Geld. So hat fast ein jedes Kind seine kleine Sparkasse von ein bis mehreren Franken, über die sorgsam Buch geführt wird. Die Kinder verwalten ihre Aemter, welche nach alter Sitte am Sabbath- Abend vertheilt werden, nach wie vor mit Eifer. Selbstverständlich führen die Lehrer daneben ein Klassenbuch, in welchem nach jeder Lection jedem Schüler die verdiente Censur gegeben wird. In unserer Schule wird selbstverständlich auf das Ucbraische das Hauptgewicht gelegt, dem in der II. Klasse täglich 2, in der I. ,‘i Stunden gewidmet sind. Dort wird hauptsächlich Torah gelernt, die wichtigsten „Dinimw! aus dem Schulchan Aruch vorgetragen und durch > Wiederholung eingeprägfc, sowie Raschi- und | jüdische Cursivschrift geübt. In der ersten Klasse | wird eine gründliche Kenntniss der Sprache und Eindringen in den Geist der heiligen Litteratnr erstrebt und darum neben Mischnahstiidiiim, Lectüre der Propheten und Grammatik fleissig Uebungen getrieben, iu denen die Schüler zu zeigen haben, in wie weit sie sieh zu Meistern des überlieferten Schatzes gemacht haben. Am Sabbath wird für alle Kinder jüdische Geschichte vorgetragen, im Sommer daneben Perek erklärt und im Winter hebräische Conversatiou getrieben, da die heilige Sprache als Verständigungsmittel zwischen den Angehörigen der ans so verschiedenartigen Bestandtheilen zusammengesetzten Bevölkerung eine wichtige Rolle spielt. Für unsere Lehrlinge ist eine Abeudklasse im Hebräischen eingerichtet, an der auch einige wissbegierige Collegen von ihnen aus der Stadt sich betheiligen, die bei uns das auf der Talmud-Torah- Schule versäumte Hebräischschreiben nachholen. (Schluss folgt*) $ * Druck von David Louia Wolff, Magdeburg.