Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufschluss. Wir freuen uns sagen zu können, dass die Verhältnisse sich mehr und mehr konsolidiren. In diesem Jahre haben wir begonnen, Tagesschüler (Externe) an dem Ünterrichte tlieil- Uehmen zu lassen. Da der Lehrapparat für eii.e grössere Zahl von Kindern ausreicht, als uns unsere beschränkten Mittel in das Waisenhaus aufzunehmen erlauben, so haben wir geglaubt., eine Pflicht gegen unsere bedürftigen Brüder in Jerusalem zu erfüllen, wenn wir ihren Kindern, soweit es uns möglich, die Wolilthat eines geregelten Unterrichtes zu Theil werden lassen Selbstverständlich dürfen die Mittel des Vereins, dessen Zweck ja ausgesprochener Massen nur die Erziehung von Waisen ist, hierfür nicht in Anspruch genommen werden. Wir appelliren zur Aufbringung der Kosten, welche die Lehrmittel und das Mittagessen, welches nach den Verhältnissen Jerusalems gewährt werden muss, verursachen, an die Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen, insbesondere unserer Mitglieder. Die betreffenden Gaben, seien es einmalige oder jährliche, werden durch den Schriftführer des Verwaltungsraths Hrn. Alfred Geiger separat verwaltet. Von ungenannter Seite sind uns für ein Waisenkind vorläufig auf ein Jahr die Erziehungskosten mit 400 Pres, zur Verfügung gestellt worden. Wir konnten dadurch einen vierzehnten Knaben aufnehmen. Indem wir dem anonymen Wohlthäter unseren innigsten Dank sagen, geben wir uns der Hoffnung hin, dass dieses schöne Beispiel bei anderen Menschenfreunden Nachahmung finden werde. Der Raum unseres Hauses würde noch für manchen Knaben ausreichen. Die Zahl unserer Tagesschüler beträgt augenblicklich 16. Es ist selbstverständlich, dass bei der Auswahl derselben mit der all-rgrössten Vorsicht vorgegangen wird Diejenigen unserer Zöglinge, w lche reif dazu sind, ins praktische Leben überzutreten, werden zur Erlernung eines Handwerks angehalten. Die Auswahl des specielleu Berufes lichtet sich nach den Anlagen und Neigungen des Schülers. Bisher geschah der Handwerksunterricht nach altherkömmlicher Sitte in dtr Werkstätte durch den Meister. Seitdem aber an der unter der Leitung des Herrn Nissim Bechar stehenden Schule eine Abtheilung für die Ausbildung von Handwerkern errichtet ist, in welcher die technischen Fortschritte auf diesem Gebiete mehr Berücksichtigung finden konnten, haben wir beschlossen, dass diejenigen Zöglinge, die sich für eines der Handwerke vorbereiten, welche daselbst gelehrt werden, es in dieser Anstalt erlernen sollen. (Hier folgen die Namen der Waisenknaben, wieder Vorstandsu.Verwaltnngsraths-Mitglieder.) Bericht über (las Israelitische Waisenhaus zu Jerusalem für 1884, vom Dirigenten. Das israelitische Waisenhaus ist auch im verflossenen Jahre seinem hohen Ziele mit ernster geräuschloser Tliätigkeit nachgegangen. Es ist bekannt, dass wir einen doppelten Zweck verfolgen. Es liegt uns einmal ob. die uns anvertrauten Waisen gewissenhaft zu erziehen, ihnen durch Ernst und Liebe das väterliche Haus zu ersetzen, und zweitens im heiligen Lande vor den Augen aller Welt den praktischen Beweis zu liefern, dass ein wissenschaftliches Streben und I Liebe zur Arbeit sieb nicht nur mit einem streng religiösen Lebenswandel vertragen, sondern selbst im Stande sind, die Liebe zu unserer heiligen Religion zu stärken und neu zu entflammen. Denn wenn schon einer jüdischen Anstalt überall auf der Erde vor allen Dingen die Pflicht obliegt, in ihrer Lehre die Wahrheiten der Torah zu verkünden und in ihrem Leben die Fülle unserer Gesetze und Anordnungen in ihrer Schönheit und Heilsamkeit zur Erscheinung zu bringen, so werden an eine Anstalt in Jerusalen nach dieser Richtung hin mit Recht die höchsten Anforderungen gestellt. Unsere Anstalt hat in den ersten Jahren mit bitterem Misstrauen, selbst mit heftigen daraus hervorgegangenen Angriffen zu kämpfen gehabt. Wir haben darob unseren aschkenasischen Brüdern nicht gezürnt. In ihrem Vaterlande ihrer Religion halber verfolgt, waren sie in ihrer Noth von den höheren Ständen ihres Volkes verlassen und ohne Stütze geblieben. Für sie deckte sich Bildung mit Irreligiosität. Sollten sie es ruhig mitansehen, wie europäische „(Korruption“ auf den heiligen Boden verpflanzt würde? Wir aber, im Bewusstsein der Reinheit unserer Absichten, warteten geduldig; wussten wir doch, dass der