Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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728 Kober, W. Sternberg, A. Gradenwitz, D. Friedländer, D. Sander. Beschlossen wurde die Gründung einer Vereinsbibliolhck, und bitten wir Gönner solcher Vereine und Bestrebungen um Zuwendungen zu derselben in Büchern oder um Unterstützung sur Beschaffung von solchen. Beiträge nimmt Herr A. Kober, Reuschestraße 58/59 dankend entgegen. W. St. Königsberg. Nach dem Verwaltungsberichte des hiesigen israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung hatte derselbe im verflossenen Jahre an 556« Mark für Krankenpflege verausgabt. Die Zahl der Mitglieder des Vereins beläuft sich aus 338. — Außerdem besteht hier noch ein Wohlthätigkeitsverein für russische Kranke, die hier dieKliniken aufsuchen. Derselbe hat trotz der Ungunst der Zeit — da das russische Importgeschäft hier total darniederlicgt — dennoch mit schweren Opfern 7000 Mark für chirurgische Instrumente und Verpflegungskosten in den hiesigen Königlichen Kliniken bezahlt. Da in den russischen Bezirken, in denen die meisten Juden wohnen, keine chirurgische Klinik sich befindet, so wird der hiesige Ort von diesen schweren Kranken ausgesucht. Ter wohlthätige Krankenverein wird erhalten durch laufende Beiträge der Mitglieder und durch eine besondere Auflage, die beim Verkaufe von 1000 Mark Getreide 25 Pf. zur Vereinskasse bezahlt. Gegenwärtig befinden sich hier 27 schwere Kranke, die in den Kliniken zur ärztlichen Behandlung kommen. An dieser Stelle wollen wir den tiefgefühlten Tank aussprechen dem Medicinalrath Professor Dr. Schönborn, auch den andern Professoren, die in liebevoller Bereitwilligkeit ihre ärztliche Hilfe in sehr vielen Fällen unentgeltlich angedeihen lassen. Unsere Glaubensgenossen Prof. Dr. Jaffö und Schreiber gewähren jedem russischen armen Kranken jede ärztliche Hilfe und oft Medicamente unentgeltlich in uneigennütziger Weise. In jüngster Zeit wurden auch mehrere russische Kranke, da hierfür ihre Aufnahme wegen Ueberfüllung von andern schweren Kranken — nicht gesorgt werden konnte, nach Berlin ins jüdische Krankenhaus befördert. Für ihre Aufnahme daselbst hat Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer '"2 in uneigennütziger Weise gesorgt. — Das hiesige israelitische Waisenhaus tritt in das 25. Jahr seines Bestehens ein. In der Anstalt befinden sich 20 Knaben und 8 Mädchen. Rabbiner Dr. Grünfeld. Königsberg. Die höheren Lehranstalten haben bereits das Sommcrfemester begonnen. Das verflossene Semester hat in Bezug auf schriftliche Arbeiten jüdischer Abiturienten zum erftenmake Gelegenheit gegeben zu beobachten, in welchem Geiste die Direktoren höherer Lehranstalten die ministerielle Verfügung wegen des Schreibens am Sabbat augaßten. — In den hiesigen zwei Gymnasien, wo an einem einer meiner Schüler unter 9 jüdischen Abiturienten nicht schreiben wollte, wurden die schriftlichen Arbeiten am Montag begonnen und am Freitag beendet. In dem andern, wo die schriftlichen Arbeiten am Donnerstag begonnen hatten, wurde auf Ansuchen eines jüdischen Abiturienten, der am Sonnabend nicht schreiben wollte, die Arbeit von Sonnabend auf Montag für alle Schüler verlegt. Es hat also zu Unzuträglichkeitcn nicht geführt, und haben cs die Herren Direktoren in ihrer Macht, auf solche jüdische Schüler Rücksicht zu nehme»». Rabbiner Dr. Grünfcld. Colberg, 11. Mai. Die hiesige, weder große noch »vohlhabende jüdische Gemeinde hat, nachdein ihr auf der Münde gelegener Friedhof nunmehr gefüllt ist, mit schweren Opfern einen neuen Friedhof auf der Lauenb»»rger Vorstadt, dicht an der Landstraße, die nach Eöslin führt, auf einer ehemaligen Festungsschanze anglegt und dasebst auch eine Todtenkammer und eine Leichenhalle erbaut. Am Sonntag, den 10. d. M., fand unter Betheiligung fast der ga»»zen Gemeinde, in Anwesenheit des Herrn Bürgermeister Kümmert, Stadtrath Zunkcr, Stadtverordneten-Vorsteher Speck, zahlreicher Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten und vieler Freunde der Geineinde die feierliche Einweihung des neuen Friedhofes durch einen gottesdienstlichen Akt statt. Nach dem Einleitungsgebete und nachdem Psalrn 23 gesungen, trat der Rabbiner der Gemeinde, Herr Dr. Goldschmidt, vor die Kanzel und hielt eine ergreifende Ansprache. Metz. A»n 1. Tage des Schabuothfestes wurde unsere Synagoge von dem Statthalter von Elsaß- Lothringen, Frhr. v. Manteuffel, mit einem Besuch beehrt. Seitens des isr. Consistoriums und des Gemeindevorstandes »vurde dem Statthalter ein feierlicher Empfang bereitet. Gleichzeitig besuchte derselbe das in der Nähe gelegene Hospital für alte gebrechliche Israeliten und die isr. Communalschulen. Die isr. Gemeinde hat sich durch diesen Besuch sehr geehrt und gehoben gefühlt, well er den fichtlichen Beweis liefert, daß unser Statthalter keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Confesfionen kennt.