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Der Israelit · 1885-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1885) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1885)
Date
1885-05-18
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Jerusalem, aber solche, die diesen Namen nicht verdienen, und mit denen es sich gewöhnlie so verhält: Ein reicher Mann mit edlem Herzen bestimmt eine Summe für eine „Jeschibah “ d. h. zur Unterhaltung von Lehrern und Schülern, die sich mit dem Studium der heiligen Lehre beschäftigen. Er übergiebt die Summe einem Gelehrten, der täglich oder doch einige Mal in der Woche einigen alten Männern sogenannte „Schiurim“ vorträgt. Bei dem Ableben dieses Gelehrten übernimmt gewöhnlich sein Sohn seine Rechte und Pflichten, und so ist die „Jeschibah* fast ein der Familie gehöriges Institut. Die Männer, die sich betheiligen, erhalten ihren Lohn, aber zur Ausbildung wirklicher Gelehrten geschieht nichts. Es existiren allerdings auch zwei oder drei flO'lZF, in denen -Knaben und Jünglinge sich des Studiums der Torah befleissigen sollen, allein bis jetzt ist noch keine Grosse auf talmudischem Gebiete daraus hervorgegangen und die ganze Methode dieser Schulen ist auch nicht dazu angethan, tüchtige und gelehrte Männer auszustellen, die der Judenheit als Leuchten dienen könnten. — So sieht es in Jerusalem aus; Jünglinge, deren Herz nach den Quellen der Torah lechzt, dürfen sich nicht nach Jerusalem wenden, wie man sich ehedem nach Sura oder Pumbaditha gewendet hat. Israel kann seine Gelehrten und Rabbiner nicht mehr aus Jerusalem erhalten; von Jerusalem strahlt nicht das Licht der Lehre in dem Masse aus, wie es sich geziemte, und die heilige Stadt wird hierin von vielen fTC’ET in Polen und Russland übertroffan. Die Gründung einer N2'V' in Jerusalem käme aber nicht nur dieser Stadt, sondern ganz Israel zu Gute; denn Israel ist heute zersplittert wie noch nie, und bedarf eines geistigen Mittelpunktes mehr als je. Zu allen Zeiten besass unser Volk einen solchen Mittelpunkt, zuerst in Babylon, dann in Spanien, später in Frankreich, Deutschland und Polen, immer war es ein Land, nach welchem Israel ausschaute, und von welchem geistiges Leben durch die ganze Diaspora drang. Heute besitzen wir keinen solchen Mittelpunkt; giebt es aber eine Stadt, die sich mehr hierzu eignete als Jerusalem? Ein Mittelpunkt, eine in Jerusalem für das Gesetzesstudium, dies wäre ein Denkmal, würdig des edlen Moses Montefiore. Könnte eine hinreichende Summe ihm zu Ehren gesammelt und ein grosses Lehrhaus in Jerusalem erbaut werden, so würden würdige Gelehrte aus allen Ländern als Lenker und Lehrer dieser N2'V' in Jerusalem mit Lust und Liebe die Jünglinge an die Quellen der Torah fuhren können. Es könnten dann für ganz Israel würdige und gelehrte Rabbiner ans der heiligen Stadt hervorgehen, die ausser der Kenntniss und der Liebe des Gesetzes auch noch den Geist der Zusammengehörigkeit in den Gemeinden ihres Wirkens verbreiten würden. Auch die hebräische Sprache würde dann wieder eine lebendige, und jedenfalls eine sehr gepflegte werden. Ben Jehudah. Druck von David Loui» ftBolff in ikaodrbura.

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