Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1885) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1885)
Date
1885-05-18
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449541--22217-2511880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erster Jahres-Bericht des Vereins „Freunde der Taubstummen” 'TT,,)» für (las Veraval tun gsjalir 1884. P. P. Furstemvalde, im Februar 1885. Der Verein „ Freunde der Taubstummen“ („Jedide Ilmim“) liat mm mehr das erste Jabr seines Bestehens hinter sieh, und hoffnungsfreudig über das allgemeine Interesse, das ‘sich durch die Mitgliedschaft von nahezu 600 Menschenfreunden bekundet, tritt er in das zweite ein. Einige Monate nach Constituirung unseres Vereins waren wir bereits in der Lage, 2 Freistellen in dem hier seit dem 15. Juli 1873 bestehenden jüdischen Taubstummen - Institute zu begründen und ausserdem für ein elternloses Kind einen Verpflegungs- und Erziehungszuschuss zu gewähren. So erfreulich auch die erzielten Fortschritte sind, so bleibt uns noch viel zu tliun übrig. Zur Verwirklichung unserer Bestrebungen bedarf es der kräftigen, fortdauernden Mithilfe edeldenkender Menschen. Noch immer sehen wir eine grosse Anzahl taubstummer Kinder ohne Unterricht heranwachsen, so väterlich auch die Regierungen für diese Bedauernswerten zu sorgen bestrebt sind. Wir haben nach den neueren statistischen Berichten in Deutschland überhaupt 30000 Taubstumme, von denen etwa 7800 im schulpflichtigen (zwischen dem 7. und 15. Lebensjahre) stehen. Es werden aber in den 95 Taubstummen-Anstalten nur 5629 ausgebildet, demnach bleiben noch über 2000 ohne jeglichen Unterricht. Wenn auch ein Vergleich vorstehender Zahlen mit der Statistik aus dem Jahre 1871 eine bedeutende Verbesserung der Taubstummenerziehung erweist, so ist dennoch das dringende Bedürfniss nach Vermehrung der Anstalten vorhanden. Von unseren christlichen Mitbürgern wird diesem Bedürfnisse durch Errichtung neuer Taubstummen - Anstalten immer mehr und mehr Rechnung getragen. Für jüdische Taubstummen aber ist bisher in Deutschland noch viel zu wenig geschehen. Auch wir Juden, die wir ja stets bereit sind, Bildung und Erziehung zu fördern, Unglücklichen zu helfen, wollen uns auch unserer hilfsbedürftigen Taubstummen an nehmen. Leider ist dieses Gebrechen an Gehör und Sprache unter uns Juden unverhältnissmässig stark verbreitet. Es leben in Deutschland etwa 790 jüdische Taubstumme, von den MO im schulpflichtigen Alter stehen. Ein grosser Theil dieser Bedauernswerthen bleibt ohne Unterricht und zweckentsprechende Erziehung, weil es theils die pecuniären und localen Verhältnisse vieler jüdischen Eltern nicht gestatten, ihre leidenden Kinder erziehen und unterrichten zu lassen, theils aber auch, weil Viele Bedenken tragen, sie den christlichen Anstalten zu übergeben, wo möglicherweise die Kinder in Widerspruch mit ihrer häuslichen Umgebung gesetzt und Eltern und Angehörigen entfremdet werden könnten. Von den uns angemeldeten 22 armen Kindern mussten leider 19 zurück ge wiesen werden, weil unsere Mittel nicht ausreichen dem Bedürfnisse Abhilfe zu schaffen. Darum, edle Menschenfreunde, helfen Sie weiter bauen an dem Werke wahrer Nächstenliebe, es gilt hier, sinnige, aufmerksam beobachtende, für jede erwiesene Wokithat ausserordentlich dankbare Geschöpfe zu brauchbaren Gliedern der Gesellschaft heranzubilden, sie auszurüsten mit einer möglichst verständlichen Lautsprache, mit Kenntnissen und Fertigkeiten, so dass sie befähigt werden, sich einst selbstständig ihr Brod zu verdienen. So lassen Sie uns denn vereint für das Wohl dieser unglücklichen Menschenklasse rüstig arbeiten und erfüllen die Worte der Schrift: „Thue auf deinen Mund für die Stummen und für die Sache Aller, die verlassen sind.“ (Spr. Sal. 31,8.) Das walte Gott. Der Vorstand des Vereins Freunde der Taubstummen (Jedide Ilmim). 6. Köhler, Fürstenwalde. J. Koch, Berlin. J. Läufer, Frankfurt a. O. Rechtsanwalt Dr. Mann, Stettin. J. Meserltzer, Fürstenwalde. M. Reich (Dirigent der Anstalt), Fürstenwalde. 6 Salomon, Berlin. A. Stein, Fürstenwalde. W. Wolfsohn, Fürstenwalde,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.