Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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668 tc» Judenverfolgung) wurde die Synagoge renovirt, meistens auf Kosten de« Vorsteher« David«, Sohn de« Ivsna Joseph Oppenheim. Er war c» auch, der da« prächtige Almemor errichten lieh. — In der heiligen Lade befindet sich eine ans Hirschfellen geschriebene Thorarolle, deren Schreiber der berühmte Rabbi M e i r von R o t h e nb n r g gewesen sein soll. — Die ewige Lampe vor dem Aron Hakkadosch trögt die Inschrist Tier» :rrN *?w* „die ewige Lampe der beiden Gäste." Es wird berichtet, das; einst ein todte« Kind aufgefunden, und die Juden beschuldigt wurden, dasselbe getödtet zu haben. Tie ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, sollten dem Tode verfallen, wenn der Mörder de« Kinde« nicht namhaft gemacht würde. Da« konnte aber nicht geschehen; denn dieIuden waren unschuldig an dem Tode de« .Kinde«. Schon loderte der Scheiterhaufen, auf welchem Tausende Unschuldiger verbrannt werden sollten. Da kamen zwei fremde, schöne Jünglinge de« Wege», und als sie erfuhren, mit was e« sich handelte, gaben sie, rasch entschlossen, sich selbst als die Mörder an, um die Tausende ihrer Glaubensgenossen zu retten. Sie wurden verbrannt, und die dankbare Gemeinde widmete ihrem Andenken die ewige Lampe. Nie hat man ihre Namen, nie ihren Stand, nie ihre Heimath erfahren. Die Sage erzählt, das; an« dem Scheiterhaufen zwei Tauben gen Himmel geflogen seien, das; e« Gugel gewesen, die Gott zur Rettung der bedrängten Unschuld geschickt und die in Gestalt von Tauben zum allgütigen Vater im Himmel znrückgckehrt seien. Neben der Synagoge befindet sich link« vom Beschauer ein enge« Gäuchen. Hier hat die Synagogenmauer eine merkwürdige, unerklärliche Vertiefung. Die Sage weis; deii Grund dafür anzngeben. Al« einst die Mutter de« berühmten Rabbi Iehndah Hachaßid durch diese« Gäßchen ging, zur 'seit als sie ihren später durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneten Sohn im Mntterschovße trug, fuhr ein roher Mensch durch dasselbe und wollte die Iran überfahren. Die Geängsrigte drückte sich an die Mauer, und siehe, die Steine hatten mehr Erbarmen al« der grausame Mensch. Die Maner trat zurück, der Wagen fuhr vorüber und die Mutter und ihr nngeborener Sohn waren gerettet. Seitdem sei die Mauer in dem Zustande verblieben, den sie im Augenblicke der Gefahr angenommen. Sehr merkwürdig ist auch der alte israelitische Friedhof zu Worms. Der älteste der noch erhaltenen Leichensteine stammt aus dem Jahre 4660 (900); cd ist wohl der älteste Leichenstein, der eine Jahreszahl trägt. (Der von uns im Jahre 1858 ht Mainz aufgefundene Leichen stein des Mainzer Rabbinen Rabanna Meschnllam ben Rabanna Rabbi Kalonimos aus Lucka, der ebenfalls ans dem zehnten Jahrhundert stammt, tragt keine Jahreszahl.) Gleich am Eingänge des Friedhofes befindet sich das Grabmal des berühmten, von uns bereits oben erwähnten Rabbi M e i r von R o t h e n b u r g. Diesen größten Gelehrten seiner Zeit hatte Graf Reinhard von Garz im Jahre 1286 gefangen nehmen lassen, um dadurch von den Inden Geld zu erpressen. Er lieferte ihn dann dem deutschen Kaiser, Rudolph von Habsburg, au«, der den Gefangenen in einem festen Thurm verwahren ließ. Die beiden großen Schüler desRabbenuMeir,Rabbenu A fch e r ben Iechiel und Rabbenu M ord echai ben Hillel, reisten in der Welt umher, um das hohe Lösegeld aufzubringen. Aber der edle Rabbi Meir erlaubte nicht, das; man ihn auslöse, aus daß sich solche Gewaltthaten nicht wiederholen möchten. Sieben lange Jahre schmachtete er im Gefängnisse; da starb er. Aber auch nach se'.iem Tode weigerte man der Leiche da« Begräbnis, bis es vierzehn Jahre nachher einem frommen Inden, Namens A le x and er Süßkind Wimpfen von Frankfurt a. M. unter Aufopferung seines ganzen Vermögens gelang, die Leiche des großen Mannes mach Worms zum Begräbnisse zu bringen. Ihm soll in der Vornacht des Versöhnungstages Rabbenu Meir erschienen sein und ihn gefragt haben, ob er als Belohnung Neichthum und langes Leben oder die ewige Seligkeit wolle; im letzteren Falle jedoch müsse er bald sterben; Alexander wählte die ewige Seligkeit. Er starb an dem darauffolgenden Tage während des Neilah-Gebetes nnd wurde an der Sekte des von ihm bestatteten großen Mannes beigesetzt. — Auch der berühmte Rabbiner von Mainz, Rabbi Jakob M ö l n, bekannt unter dem Namen M a h a ri l, liegt hier begraben. Als im Jahre 1420 die Juden ans Mainz vertrieben wurden, siedelte er nach Worms über, woselbst er noch sieben Jahre lebte. Um dieses Grab liegen im Halbkreise eine Reihe berühmter Rabbinen: Rabbi S i m s o n V a ch a r a ch, Verfasser des 'M ll-n, Rabhi Iair Ehaj im Vacha rach, Verfasser des tn* n*n, Rabbi E l i a L o a n z, bekannt unter dem Namen Rabbi Elia Baal Schein, ein Enkel des berühmten Rabbi Ioselmann von Rosheim, des kaiserlichen Befehlshabers der gcsammtcn deutschen Indenschaft, und viele Andere. — Es befinden sich auf diesem Friedhofe auch die Leichenstcine vieler Märtyrer, die für die Heiligung de« göttlichen Namens ihr Leben hingegeben. Wehmnthsvoller noch als diese Erinnerungen ans alter Zeit stimmen den Besucher die tieftrau-