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Der Israelit · 1885-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1885)
Date
1885-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. J\'g 30 L 40, Ein Zentral - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgcgeben von l>r. Lehmann in Mainz. Montag, den 18. Mai 8648 (1888). Wir geben heute eine Doppel-Nummer, da wegen des hl. Wochenfestes Donnerstag den 21. und Montag den 25. %lai kein Blatt erscheint. Tie nächste Nummer (wiederum eine Doppel-Nummer) erscheint Donnerstag den 28. Mai. Leitende Artikel. Die Sprüche der Mater. XIl. Mainz, 14. Mai. nyc-ur piai ,-jEC ntyc*? nta jn :prca ^ocz yvyo 721 „Erkenne, was über Dir ist: ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr, und alte Deine Thaten werden in ein Buch eingeschrieben!" Wir haben bereits wiederholt erwähnt, daß das Wörtchen „über dir" nnnöthig hinzugefügt scheint; Nabbi hätte eben so gut sagen können; ntyo*? no jn „erkenne, was droben ist." Nabbi Samuel de Oseda sagt in Bezug hieraus, das; gerade durch das erwähnte Wörtchen darauf aufmerksam gemacht werden soll, das;, wenn Gott auch im Himmel thront, Er immer bei uns gegenwärtig ist. Wenn du dich auch verbirgst im geheimste»- Gemache, wenn du dich auch begibst an einen Ort, wo tiefe, undurchdringliche Finstcrniß herrscht, wenn du hinabsteigst in der Erde Tiefen; so denke nicht: wer sieht mich, wer hört mich, wer merkt ans meine Thaten? -|CD no yi, wisse über dir, dir zu Haupte» / schaut ein sehendes Auge, das die tiefste Finsternis; durchdringt, vernimmt ein hörendes Ohr das leiseste Wort, und alle deine Thaten werden eingeschrieben und bleiben uuvergeffen. Eine andere, höchst geistreiche Erklärung des in Rede stehenden Wörtchens gibt Nabbi Herz Wesel in seinem Werke 1122? p. — Im 94. Psalm spricht der königliche Sänger von dem Wüthen und Triumphiren der Frevler, welche Wittwen und Fremdlinge erschlagen, die Waisen ermorden, und sprechen: Nicht wird es sehen Gott und nicht wird es merken der Gott Jakobs. — Sie redet der Sänger an und spricht zu ihnen: Werdet doch vernünftig, ihr Unwissenden im Volke, und ihr Thoren, wann werdet ihr begreifen? Ter da das Ohr eingesetzt, soll der nicht hören, der da das Auge gebildet, soll der nicht schauen? — Wir haben hier einen Schluß von der Fähigkeit des Menschen, des Geschöpfes, ans die Eigenschaften des Schöpfers. Da der Mensch sieht und hört, so ist es doch selbstverständlich, das; derjenige sieht und hört, der dem Menschen die Fähigkeit zu sehen und zu hören verliehen hat, und da der Mensch ein endliches, beschränktes Wesen ist, so muß das Schauen und Hören des unendlichen, allmächtigen Gottes ein unbeschränktes, ein unendliches sein. Der Sinn, der in Rede stehenden Worte ist demnach folgender: na jn „erkenne, was droben ist," -,r2v „von dir aus," das heißt, indem du von deinen Fähigkeiten, von den Fähigkeiten des Geschöpfes auf die des Schöpfers schließest, daß der Alles hört, der das Ohr eingesetzt, der da Altes schaut, der das Auge gebildet. Ein sehendes Auge, welches das ganze Weltall durchdriugt und dem nichts verborgen bleibt, wie es heißt: (Jirmija E. 23. V. 24). Wenn ein Mann sich verbirgt im Verborgenen, soll Ich ihn nicht schauen, spricht der Ewige, bin Ich es denn nicht, der Himmel und Erde erfüllt, spricht der Ewige? — Und ferner: (Mischle E. 15. V. 3). „Ueberallhin blicken die Augen Gottes, schauen die

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