Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1885)
- Date
- 1885-05-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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7 641 aus welcher folgende Mittheilungen intercfiircit dürften: Wenn schon die Israeliten zur Römerzeit an den Rhein kamen und mit besonderer Vorliebe die großen linksrheinischen Städte zu ihren Niederlassungen wählten, so findet man doch schon im Mittelalter jüdische Kolonien auch auf dem rechten Ufer. In Dörfern, die heute fernab von allem Getriebe und Weltverkehr liegen, wo seit Mcnschengcdcnrcn kein Israelit wohnt, findet man Spuren einstiger blühender Gemeinden, wie z. B. im Dorfe Rath, wo heute noch eine Judengaffe vorhanden ist. In alten Zeiten floß dort ein Rheinarm vorüber, diese Wasserstraße wurde von den Bergische» zur Umgehung des drückenden Kölner Zolles benutzt und zog einen regen Verkehr dahin; desgleichen wohnten in Urbach Israeliten. Die Grafen von Berg beschützten sie, so um 1298, als der raubritterliche Edelmann Rindfleisch sie verfolgte. Das Jahr 1349 war auch für sie, wie auch für alle ihre Glaubensgenossen ein verhängnißvolles, viele wurden dem blinden Wahne als angebliche Urheber der Pest geopfert. Die am Bartholomäustage 1424 aus Köln ausgewiesenen Israeliten ließen sich zum Theil in Mülheim nieder, um 1450 hatte der Herzog von Berg einen jüdischen Leibarzt Namens Biwus, ein anderer israelitischer Medikus Salomon Moses wohnte 1656 zu Mülheim. Ter durch Unduldsamkeit und Steuerdruck bekannte Pfalzgraf Philipp Wilhelm trieb mit den Protestanten auch seine jüdischen Unierthanen am 28. Januar 1671 ans dem Lande. Bald kehrten sie jedoch wieder, ihre Synagoge lag hartamRheinufer, wo heute das Lokal „zur alten Bierkirche" steht, ihre Todtcn beerdigten sie zu Deutz bis 1774, wo ihnen die Familie Eahen hier ein Grundstück zum Friedhof schenkte. Der schreckliche Eisgang am 28. Februar 1784 zerstörte ihre Andachtsstätte, ihr Gesuch um Gestattung eines Neubaues wurde vom Kurfürsten abgeschlagen. Um nicht ganz dem Verfall entgegen zu gehen und ein Bindemittel für die Gemeinde zu besitzen, beschloß man am 3. Mai 1785 die Gründung des Jubilar-Vereins, dessen Wahlspruch Religion und Humanität ist. Erst drei Jahre später erhielten die Mülhcimer Israeliten unter großen Gcldopfern die Erlaubnis; zum Bau einer Synagoge. Unter den Thcilnchmcrn an der gestrigen Feier befanden sich noch Nachkommen der ehemaligen Gründer, deren Ortsanwesenheit sich fast 200 Jahre zurück Nachweisen läßt. Cmden, im Mai. Im Jahre 1879 sind dahier mehrere Personen zum Zwecke zusammengetreten, um zur Erinnerung an die Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten durch eigene Beiträge und Sammlungen bei Freunden als Jubiläumsstiftung ein Asyl für hülfsbedürftige, würdige, altersschwache Israeliten zu gründen, d. h. eine Anstalt, in welcher unbescholtene, hülfSbedürftige, arbeitsunfähige Israeliten beiderlei Geschlechts Wohnung und Verpflegung empfangen, in Armuthsfällen unentgeltlich, andernfalls gegen eine mäßige Vergütung. Wegen Unzulänglichkeit der Mittel beschränkte man sich vorläufig darauf, höchstens zehn Pfleglinge aufzunchmen. Durch CabinetSordre vom 11. Januar d. I. wurde dem Asiyl die Rechte einer juristischen Person verliehen. Meiningen, 7. Mai. Sehr selten liest man Berichte über die hiesige Gemeinde, und waS ich Ihnen von hier, resp. Walldorf, einem Dorfe mit circa 40 jüdischen Familien, welches zum hiesigen Rabbinate gehört, zu berichten habe, ist nicht sehr erfreulichen Natur. Vorige Woche wurde nämlich vom hiesigen Landesrabbinate der jüdische Metzger Moses Frühauf zu Walldorf, von Aschenhausen gebürtig, auf 3 Monate geassert, weil er wiederholt Schweine geschlachtet. Commentar überflüssig. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Miskolcz, Ende April. Herr Dr. Josef Rosenfeld, der vor Kurzem zum Rabbiner in Trietsch (Mähren) gewählt worden, hat auf die Stelle verzichtet, weil ihm nach einem Minksterial- Erlaß jüngeren Datums, wonach nur Inländer als Rabbiner in Ungarn angcstcllt werden dürfen, sein Hcimathsland für immer verschlossen geblieben wäre. Dieser Entschluß war um so eher zu billigen, weil Herr Dr. Rosenfeld ein sehr tüchtiger ungarischer Prediger ist und cs gerade an solchen, die das Wort Gottes in ungarischer Sprache zu verkünden im Stande sind, im orthodoxen Lager leider sehr fehlt. Auch zeigt derselbe den ernsten Willen und die Fähigkeiten, einen ernsten Kampf für unsere n"n gegen unsere Reformer zu führen. M. R. Hi ihrige Lösungen snnvken ein: Maier Stein in Groß - Wardein. MoseS Chaim in Samter. A. Davidsohn in Tapiau.