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Der Israelit · 1885-05-11 · Heft 37 (11.5.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 37 (11.5.1885)
Date
1885-05-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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624 hiesigen Platz besuchen, nicht einmal, wenn dieselben Jahrzeit haben, trip sagen können, denn es ist vorgekommen, daß bei Ertönen der Orgel dieselben — wie es auch ganz in der Ordnung ist — die Synagoge verließen. Man hat wahrlich hier Gelegenheit genug, Eoncerte h. zu besuchen und ist cs nicht nöthig, das; man ein no^n rva derart profanirt. Wir wollen hoffen, daß durch diese unsere Mahnung Diejenigen, welche für unsere heilige Religion ein Opfer zu bringen gewillt sind, aus ihrer Lethargie erwachen und kleinliche Rücksichten bei Seite lassend, zusammen sichen und gemeinsame Schritte thun, um endlich einmal, die — ohne Genehmigung der Gemeinde — cingeführtcn Neuerungen wieder auszuheben. Frankreich. Paris. Monatsbericht (März) der „Alliance Jsr. Univ." (Rumänische Israeliten.) Das Central-Eomitö hat aus Bukarest folgende Mittheilungcn erhalten: Eine interessante Eonferenz. — Ein rumänischer Advokat, E. Mille, hat kürzlich in Bukarest einen Bortrag über die jüdische Frage in Rumänien gehalten; er hat bewiesen, daß die gesetzliche Verfolgung gegen die Israeliten nicht nur jeder Gerechtigkeit, sondern auch allen Interessen des Landes entgegen wäre. „Warum sollten wir die Juden. Haffen?" sagt cr, „sie wollen arbeiten, um ein Stück Brod zu verdienen, denn wenn sic nicht essen, hungern sie genau wie die Rumänen. Das Bürgerthum bcschuldet die Juden, an allen Nebeln schuld zu sein, weil cs selbst alles leiten möchte. Es hetzt die rumänischen Arbeiter gegen die jüdischen Tagelöhner, um sie beiderseitig zu schwächen und allesamntt ansznbeutcn. Uebrigens, was sollte den rumänischen Juden geschehen? Sollten wir sie wegjagen, sie anfhängen? Keins dieser Mittel läßt sich in Anwendung bringen, daher muß nach einem Lloäu8 vivendi gesucht werden. Die Ankläger der Juden behaupten, daß sie sich nicht mit den anderen Bewohnern des Landes vermischen. An wem liegt dies? Von frühester Kindheit an steht der Jude in Rumänien außerhalb des Gesetzes; in der Schule ist er der Prügelknabe seiner christlichen Kameraden; als Mann bleibt er weiter jeder Ungerechtigkeit, jedem Aergerniß ansgesetzt .... Wenn wir den Inden brüderlich die Hand reichen, wenn wir sie wie unseres Gleichen behandeln, wenn wir sie Theil nehmen lassen an unseren Rechten, an unseren Psiichten, werden sic anfhören das zu sein, was sie heute sind; sie werden uns nicht mehr als unsere Gegner betrachten und unsere treuen Verbündeten werden. — Eine Bnkarester Zeitung hat erzählt, daß eine jüdische Frau in der Straße todt hingefallen, und fügt hinzu, daß zu wünschen wäre, allen Juden in Rumänien ginge cs so. Eine andere Zeitung Drepturile omului (des Menschen Rechte), antwortet folgendermaßen: „Wenn Euer Patriotismus darin besteht, die Vernichtung eines Volkes herbeiznwüuschcn, warum protestirt Ihr gegen die Ungarn, welche den Rumänen nicht so viel Böses wünschen als Ihr den Juden? Ihr haltet Euch für sehr patriotisch, weil Ihr die Ausrottung der Inden herbeiwünscht; warum nennt Ihr also nicht den Ungarn patriotisch, der die Rumänen zu Magyaren machen möchte?" Naturalisationen. — Die Kammern fahren fort in systematischer Weise alle 'Naturalisalionsgesuche, welche ihnen von Juden eingercicht werden, abzuweisen, selbst wenn dieselben alle vom Gesetze geforderten Bedingungen erfüllen. Die Jndigenatseommission hatte kürzlich auf das Naturalisationsgcsuch eines gewissen Reinstcin zu antworten; sie erklärte dasselbe nicht annehmen zu können, well nicht erwiesen wäre, daß der Vater des Petenten in Rumänien geboren und niemals unter dem Protectorat einer frcmbcii Macht gestanden. Nun ist aber der Bruder dieses Reinstcin im Jahre 1883 naturalisirt worden; also gicbt der Senat zu, daß Rcinstein senior in Bezug auf den einen seiner Söhne als Eingeborener und in Bezug auf den andern als Fremder zu betrachten war. Kürzlich, sagt die Zeitung Hajoetz, sind dem Senat eine große Anzahl von Naturalisations-Gesuchen, welche von Personen der verschiedensten Nationalitäten herrühren, eingercicht worden: sie wurden sämmtlich angenommen, außer einem, dasjenige eines Israeliten, Tr. Leo Rosenthal. (Israeliten Marocco's.) Fez. — Nach der Aussage einiger Israeliten von Fez soll die Gemeinde dieser Stadt einer großen Gefahr entgangen sein. Eine Abtheilung maroccanischerTruppen, die ans dem Grund und Boden des alten jüdischen Friedhofes von Fez, in der Nähe des israelitischen Viertels oder mellab campircn, sollen, aufgebracht gegen ihre Anführer, die ihnen angeblich ihren Sold vorenthalten, eine Empörung angezettelt und gedroht haben, das mellab zu plündern. Seine Majestät, der Shörif soll Kunde von diesem Vorfall erhalten und die Rädelsführer habe festnehmen und bestrafen lassen. Das ruchlose Gesetz, welches die Inden zwingt, barfuß durch die Straßen von

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