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Der Israelit · 1885-05-11 · Heft 37 (11.5.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 37 (11.5.1885)
Date
1885-05-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVt. Jahrgang. Beilage zu Nr. 37 des Israelit. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Würzdurg, 29. April. Wie an vielen andern Orten verlassen auch hier Knaben im Alter von 9 Jahren die Volksschulen und hiermit auch die Religionsschule, um in die Lateinschule oder in die Realschule überzutrcten. Hiermit ist aber der Uebelstand verbunden, daß diese Kinder wöchentlich nur wenige Stunden in den Religionsfächeru unterrichtet werden, indem an diesen Schulen — wie bekannt — nur eine geringe Anzahl von Stunden für den Religionsunterricht festgesetzt ist. Diesem Uebclstande abzuhelfen und so fiir einen genügenden Religionsunterricht zu sorgen, wurde hier von mehreren Herren ein Verein gegründet unter dem Namen „Talmnd- Thora-Verein". Dieser Verein, der bis dato schon 70 Mitglieder zählt und dem auch die größere Anzahl der hiesigen jüd. Lehrer angehört, hat den Zweck, durch einen gründlichen „Unterricht in den betreffenden Disciplinen die jüd. Wissenschaft in thunlichst ausgedehntem Maße bei der jüdischen Jugend zu verbreiten." In 2 hiesigen Lehrern hat der Verein tüchtige Kräfte zur Ertheilung dieses Unterrichts gewonnen. Zur Ueberwachung des Unterricht muß ftatutengenläß eine Fachkommission, bestehend aus 3 Mitgliedern, ernannt werden, die aber nur aus solchen Mitgliedern bestehen darf, welche entweder an hiesigen jüdischen Anstalten in jüdischen Religionsfächern Unterricht ertheilen oder die Qualificalion für solchen Unterricht Nachweisen können. Durch eine jeden Monat abzuhaltende Prüfung hat sich ferner die Verwaltung im Vereine mit der Fachkommission von dem Fortgänge der Schüler im Unterrichte zu überzeugen. Au dem Unterrichte können Knaben von 9 resp. 8 Jahren an theilnehmen, wofür Kinder von Mitgliedern 50 Pfg., solche von Nichtmitgliedern 1 M. 50 Pf. pro Monat zu zahlen haben. Bei Festsetzung des Preises ging man nämlich von dem sehr anzuerkennenden Gesichtspunkte aus, einem jeden Vater es zu ermöglichen, seine Kinder theilnehmen lassen zu können. Die übrigen Mittel zur Bestreitung der Vereinskosten werden theils durch monatliche Beiträge der Mitglieder, theils durch freiwillige Beiträge beschafft. Es haben sich auch wirklich bis jetzt schon 32 Kinder zum Unterrichte angemeldet, die in 2 Kursen, einem Ober- und einem Unterknrse unterrichtet werden. Der Unterricht hat bereits in diesem Monate begonnen. — Möge der Verein, durch welchen ein schon längst hier empfundenes Bedürfniß gehoben ist, recht erfreuliche Fortschritte machen und so wirklich gemäß der Aufgabe, die er sich gestellt, zur Verbreitung von p"mn beitragen. Mögen diese Zeilen aber auch dazu beitragen, daß auch an andern Orten Vereine mit dieser Tendenz ins Leben gerufen werden. S. B. Ursprüngen, 1. Mai. Heute wurde der nach kurzem Krankenlager dahier verschiedene Herr Dr. M. Drey zur letzten Ruhe nach Laudenbach verbracht. Der Verstorbene, der seit 54 Jahren hier mit den schönsten Erfolgen wirkte, stand bei allen, die ihn näher kannten, in größter Achtung. Eine große Menschenmenge begleitete die Leiche und als erst der herbeigeeilte Herr Rabbiner Bamberger aus Würzburg in ergreifenden Worten die Verdienste des Dahkngeschiedenen um die leidende Menschheit schilderte, blieb fast kein Auge thränenlecr. War doch der Verlebte ein äußerst pflichttreuer, gewissenhafter Arzt, ein treuer Rathgeber Allen, die ihn aufsuchten; ja sogar in der Beobachtung feiner religiösen Pflichten ließ er sich, nur in dringenden Fällen ausgenommen, nicht stören. Trotz seines sehr hohen Alters besuchte er noch bis zuletzt in seiner ausgedehnten Praxis regelmäßig seine Patienten. Auch für die Armen hatte er stets eine offene Hand, aber immer nur da, wo er überzeugt war, daß Almosengeben am Platze war. Möge er in jener Welt den Lohn seiner Thaten reichlich ernten. Baisingen (Württemberg). Am Sabbat den 16. ds. Alts, soll die jetzt 25jährige Amtirung unseres Herrn Lehrer Kahn hiersclbst, der übrigens bereits 42 Dicnstjahre zählt, festlich begangen werden. Bei der ungemeinen Beliebtheit, deren sich dieser wackere Mann hier und in weiteren Kreisen erfreut, dürfte die Betheiligung an der Feier eine recht rege und ehrenvolle werden, wie wir es dem verdienten Jubilare von Herzen gönnen. Aus dem Unterelfaß, 2. Mai. Zur Berichtigung des Artikels in Nr. 32 ihrer geschätzten Zeitung „Heiligsprechung des Pater Liebermann" betregend, sende ich Ihnen Nachstehendes zur gef. Aufnahme: Die Familie Liebermann ist eine ausgedehnte und geachtete im Elsaß. Der seinem Glauben un-

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