Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1885)
- Date
- 1885-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 37. (£ i n Kentrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Heransgcgeben von I>r. Lehman» in Wlainfc Montag, den 11. Mai 5645 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Väter, x. Mainz, 7. Mai. Wir haben im vorigen Kapitel auseinandergesetzt, wie Rabbi Samuel de Oseda den Ausdruck T'-w pE*erfIärt und die Gründe dargelegt, die dagegen erhoben werden. Wir wollen jetzt eine andere Erklärung unseren Lesern vorlegen. Die Frage ist die: Weßhalb fügt Rabbi das Wort hinzich es würde doch genügen, wenn er sagen würde: nmn prc* zni' hpn Um diese Frage zu beantworten, wollen wir zunächst den dritten Theil der in Rede stehenden Mischuah einer näheren Betrachtung unterziehen. -.7L"r mrit* m»o iccr, sütig mccn *u:r „Und berechne den Schaden einer Mizway gegen ihren Lohn und den Lohn einer Uebertretung gegen ihren Schaden." Wir haben bereits oben bemerkt, daß das Verständniß dieses Theiles unserer Mischnah auf große Schwierigkeiten stößt. Es scheint diese Sentenz mit der vorhergehenden gerazu im Widerspruche zu stehen. Unmittelbar vorher sagt Rabbi, daß man den Lohn der Mizwoth nicht kennt, und jetzt fordert er uns aus, den Lohn zu berechnen und gegen den Schaden abzuwägen. — Ferner haben wir bereits geltend gemacht, daß der Ausspruch Rabbi's mit dem des Antigonos, der uns auffordert, nicht wie Diener zu sein, die dem Herrn dienen, in der Absicht Lohn zu empfangen, im Widerspruche zu stehen scheint. Wer den Lohn berechnet und ihn gegen den Schaden abwägt, der läßt sich durch die Rücksicht auf den zu empfangenden Lohn leiten, eine Versahrungsweise, die Antigonos verbietet und die Rabbi anscheinend empfiehlt. Die zuletzt erwähnte Frage ist eine sehr schwerwiegende. Die meisten Erklärer suchen sie derart zu beantworten, daß das Verbot des Antigonos nur dahin gehe, daß man den Gottesdienst nicht von dem zu erwartenden Lohne abhängig mache; der Mensch soll nicht sagen, er wolle Gott dienen, wenn Gott ihn dafür belohnt; er wolle aber von der Frömmigkeit ablassen, wenn der Lohn ausbleibt. Demnach sei es gestattet, Lohn zu erwarten, den Lohn zu berechnen, nur dürfe man sein Thun und Lassen nicht davon abhängig machen. — Diese Erklärung hebt den Widerspruch nicht auf; eine Berechnung, eine Abwägung hat nur dann Sinn, wenn sie das Thun und Lassen beeinflussen soll, sonst wäre sie überflüssig. Dazu kömmt noch, daß der Ausspruch des Antigonos dahin zu erklären ist, daß wir das Gute und Rechte um seiner selbst willen lieben und üben, das Böse und Schlechte aber um seiner selbst willen meiden sollen, und damit hört jede Berechnung des Lohnes oder des Schadens auf. Eine kleine Bemerkung wird uns dazu führen, daß wir in die Tiefe des weisen Ausspruches unseres großen Lehrers einzudringen vermögen. Diese Bemerkung ist die, daß Rabbi consequenter Weise statt -!.^2 hätte sagen sollen mrtr;nc gerade wie oben rmxe prr ]nn. Dies führt uns dahin, zwischen irr und irir pv zu unterscheiden. Die gewöhnliche Erklärung des in Rede stehenden Ausspruches ist die, daß man den Schaden, den Verlust an Zeit, Geld und Mühe, den die Vollziehung eines Gottesgebotes mit sich bringt, mit dem großen Lohne vergleiche, den Gott dafür in dieser und in der zukünftigen Welt ertheilt, und daß man ebenso das Vergnügen oder den Gewinn berechne, welche eine Uebertretung bietet, und sie