Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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In der ernsten Sorge, die Lebensbedingungen der Wittwe eines armen Kuitusbeamten und ihrer sechs verwaisten, des Vaters und Emähers beraubten Kinder ausreichend zu sichern, wenden wir uns an den unversiegbaren Quell jüdischer Mildthätigkeit und Barmherzigkeit mit der dringenden Bitte um thatkräitige Unterstützung. Wir wissen es, dass in Israel noch niemals die Mildherzigkeit für Wittwen und Waisen vergebens angerufen worden ist. Um so zuversichtlicher geben wir uns der Hoffnung hin, dass unser Hilferuf die Herzen und Hände zahlreicher edler Menschenfreunde uns öffnen wird zu milden Gaben für die armen Hinterbliebenen eines Kultusbeamten. Namentlich ergeht dieser Huf auch an die jüdischen Gemeindebeamten, dass sie tliätig uns mithelfen zu diesem heiligen Werke und in ihren Gemeinden für die hinterbliebene Familie eines ihrer Amtsbrüder den Funken barmherziger und opferwilliger Liebe entzünden und zur hellen Flamme anfachen. Einmalige oder Jahresbeiträge nimmt der Rendant der Synagogen-Gemeinde in Greifenberg i. Pom., Herr Moritz Brilles, wie jeder der Unterzeichneten dankend entgegen. Ueber die eingegangenen Zuwendungen werden wir zur Zeit in öffentlichen Blättern quittiren. Greifenberg i. Pom., den 1. März 1885. am Purim 5645. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde in Greifenberg i. Pom. Albert Jonas. Morilz Brilles. Jul. Feldmann. Rabb. Dr. Goldschmidt-Colberg. H. Lehmann-Stettin. Rabb. Dr. Bloch-Posen. E. Feilchenfeld-Greifenberg i. Pom. Vormund der “Waisen. Rabb. Dr. Hahn-Stolp. Rabb. Dr. Hildesheimer-Berlin, C. Gipsstr. M. 6 Lewy-Berlin, W. Bezirksrabb. Dr. Adolf Salvendi-Dürkheim a. d. Haardt. Matthäikirehstr. 20. Rabb. Dr. Rahmer-Magdeburg. Kantor |. Sarasohn-Stettin. Rabb. Dr. Ungerleider-Berlin, G. Rabb. Dr. Vogelstein-Slettm. 0* Präsidenten** -- - Di© Golems&ti©» Palästma’s. Aus Gemeinem ist der Mensch gemacht Und die Gewohnheit nennt er seine Amme. Weh’ dem. der an dem würdig alten Hausrath Ihm rührt, das theure Erbstück seiner Almen. (Schiller’s Wallenstein.) Ja wahrlich, wie schwer hält es doch, dass eine neue Idee sich Bahu bricht; wie schwer, sich von alten liebgewordenen Vorstellungen loszureissen und dem Besseren zu huldigen, alte Gewohnheiten aufzugeben, wenn sie auch als nachtheilig erkannt sind. Die Colonisation Palästinas durch Juden ist für die Meisten eine neue, für Viele eine lächerliche Idee, fast so lächerlich in ihren Augen, wie der Plan des Columbus westwärts zu fahren, in den Augen seiner Zeitgenossen. Aber man muss sich mit der alten Erfahrung trösten, dass gerade die besten und heilsamsten Ideen, wenn sie zum ersten Male ausgesprochen werden, die meisten Gegner haben. Theils aus Beschränktheit, weil man die Vorzüglichkeit der neuen Idee nicht begreifen kann, theils aus Bequemlichkeit, weil es angenehmer ist, in den alten ausgefahrenen Geleisen weiter .zu treiben, theils aus Vorurtheil, alles Neue ungeprüft zu verwerfen, betrachten heute noch Tausende unserer Mit-