Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 3«. Der Israelit. E i n KenLrak - Hrgan für das ortßobose Iudentkum. Herausgegeden von ör. Lehmarm in Mainz. Douuerstag, deu 7. Mai 5S45 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Jäter, ix. Mainz, 4. Mai. Wir haben im vorigen Kapite! gesehen, daß Maimonides und Andere den Ausspruch Rabbis: „Sei sorgfältig in Bezug auf ein leichtes Gebot wie in Bezug auf ein strenges, denn Du kennst nicht die Lohngabe für dieMizwoth," auf die Gebote im Gegensätze zu den Verboten beziehen. Eine geradezu entgegengesetzte Ansicht theilt uns Rabbi Samuel de Oseda mit. Die Gebote Gottes, sagt er, sind alte gleich, und wir haben nicht das Recht zwischen leichtert und schweren zu unterscheiden. Dagegen unterscheidet die Thora selbst zwischen den Verboten, indem sie auf die Uebertretung derselben verschiedenartige Strafen, leichte und schwere, setzt. Zu dieser Erklärung paßt der Ausdruck *vnr **r. ganz vorzüglich, da er in Bibel und Talmud gebraucht wird, wenn es sich darum handelt, vor der Uebertretung eines Verbotes zu warnen. (Vergleiche po mn;x an zahlreichen Stellen im Talmud; ferner Psalm 19 dtd "inw 112]; dj.) Auch das Wort ]ro ist dadurch erklärt. Wir haben in einem der vorhergehenden Kapitel erwähnt, daß Rabbi Samuel de Oseda an dem Worte jnc Anstand genommen. Rabbi hätte ja sagen können nass bv jnr rsw jw* das Wort ins scheint überflüssig zu sein. Mit der zuletzt gegebenen Erklärung ist auch dieses Wort gerechtfertigt. Wir wollen das in Folgendem näher erörtern. Alles, was die Thora uns gebietet und verbietet, läßt sich in zwei große Regeln zusammenfassen; mv jnc m „Weiche vom Bösen und thue Gutes." Es gibt Leute, die sich bestreben, das Böse zu meiden und das'Gute zu thun; es gibt Andere, die das Böse meiden, aber sich nicht anfraffen können, Gutes zu thun; eine dritte Klaffe von Mensche« thut Gutes und Böses, je nach Vortheil und Neigung, und noch Andere gibt es, die weder die Kraft haben, Gutes zu thun, noch stark genug sind, das Böse zu meiden. Alle diese vier Menschenklaffen ermahnt Rabbi. In dem ersten Theile seines Ausspruches empfiehlt er den rechten Weg, den der Mensch wählen soll, Böses zu meiden, was ihm Ruhm bringt bei Gott, und Gutes zu thun, was ihm Ruhm bringt von den Menschen; in dem zweiten Theile ermahnt er Diejenigen, welche sich nicht anfraffen können, Gutes zu thun, die aber das Böse meiden, daß sie sorgfältig sich hüten sollen vor der Uebertretung der leichten wie der schweren Verbote; die dritte Klaffe von Menschen, die Gutes und Böses thun, je nach Neigung und Vortheil, fordert Rabbi auf, zu rechnen und zu berechnen, wo der größere Vorthekl liegt; die vierte endlich, welche die Strafe nicht fürchten und Belohnung nicht erhoffen, fordert er auf, sich zu vergegenwärtigen, daß der allwiffende Gott sie beobachtet, und daß alle ihre Thaten unvergessen bleiben. Es heißt in der heiligen Schrift (Psalm 119, V. 9): ''2ii2 „Auch Diejenigen, die Unrecht nicht thun, wandeln in Seinen Wegen." Anlehneud hieran lehren die Weisen (Iernschalmi Kiddnschin E. l, Halachah 9) : .-1-.L2 rwijn 22v pnu rrvay -oy' xVi dix 2vr Auch Derjenige, welcher die Sunde meidet, erhält Lohn für die Unterlassung des Bösen. Es ergibt sich demnach, daß Jemand auch für Nichtsthun belohnt wird, und das ist nicht i2v, sondern ins 22V, ein Gnadengeschenk des allgütigen Gottes. — Alan könnte nun meinen, daß die Vermeidung schwerer Sünden wie Mord, Ehebruch, Götzendienst rc. mehr Lohn eintrage, als die Vermeidung leichterer Sünden, wie Lüge, Betrug, Geuuß verbotener Speisen;