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Der Israelit · 1885-05-04 · Heft 35 (4.5.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 35 (4.5.1885)
Date
1885-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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583 aber sein Sohn theilte ihm mit, daß nur noch 150 Familien von Pseudomohamedanern jetzt dort leben. Die Anderen haben sich unter dem Vorgehen der Mekkafahrt allmählich nach Palästina begeben. Die dort Wohnenden haben sechs Thorarollen und ein Talmudexemplar. Die Schule ist in der Synagoge. Doch lernen die Kinder nur hebräisch, jüdische Geschichte und die Vorschriften der Schcchita. Alle sind sie Kaufleute, außer fünf, welche mohamedanische Geistliche sind (!!!). (Nng. Jsr.) Algerien. Couftantine. Jüngst rettete dahier ein junger Israelit, Namens Badjon Nakach, zwei Kinder aus den Fluthen. Merkwürdig und bezeichnend für die hiesigen Zustände ist es, daß die Lokalpresse über diese Heldenthat auch nicht mit einem Wörtchen berichtete, während sie sonst, wenn, über einen Inden etwas Nachthciliges mitzutheilen ist, spaltenlange Berichte veröffentlicht. Die in Algier erscheinende „Vigie" brachte dieselbe zur allgemeinen Kenntnis;. Unter den Personen, welche in Algerien Medaillen erster Klasse für ihre während der Choleraepidemie geleisteten aufopfernden Dienste empfangen haben, ist der Präsident des isr. Consistoriums in Oran, Herr S. Kanoni, zu nennen. Gerettet. Eine Erzählung von Friedrich Rott. Elftes Kapitel. Im Kopfe des kleinen Bürschchens schien eine Ahnung des wahren Sachverhaltes aufzudämmeru, mit einem Satze war er von dem Schooße seines Vaters. ,.Jch will nach Hause!" rief er weinerlich, „ich will nach Hause!" Herr von Königstcin zog ihn abermals in seine Arme. „Mein liebes, liebes Kind! — Du bist ja hier zu Hause. — Jene schöne, liebe Frau war Deine gute, liebe Mama und Du warst ihr liebes, kleines Kind. Herr und Frau Maibaum sind die guten Leute, die Dich gefunden haben, aber ich bin Dein Papa." „Nein, nein!" schluchzte der Kleine, der mit Händen und Füßen arbeitete, um sich den ihn umschlingenden Armen zu entziehen. „Das ist ja alles gar nicht wahr — Du machst nur Spaß — aber ich will nach Hanse zu meinem lieben Vater und zu meiner lieben Mutter!" „Ich mache nicht Spaß, mein liebes, liebes Kind — ich bin in Wirklichkeit Dein Vater und Tu bist mein liebes Söhnchen." „Nein! nein! nein!" rief der Kleine noch immer schluchzend, „das ist alles gar nicht wahr! ich will nach Hause! ich will nach Hause!" „Sei doch vernünftig, liebes Kind. Dn bist hier zu Hause, ich bin Dein Vater." „Du bist nicht mein Vater!" schrie der Kleine zornig, indem er sein thränenüberflnthetes Gesichtcheu ihm zuwandte, „Du kannst ja gar nicht mein Vater sein." „Warum glaubst Du, daß ich nicht Dein Vater sein könntet" „Du bist ja nicht einmal ein Jude, na da siehst Du doch, daß Du nicht mein Vater sein kannst." Und in der Ueberzengung, daß sich gegen dieses Argument keinerlei Einwendung erheben lasse, lachte er unter Thränen hell auf. Auch Herr von Konigstein lächelte; abermals zog er das Kind an sich, trocknete ihm die thränenfenchten Wangen und strich ihm die Locken aus der Stirn. „Hast Du mich denn gar nicht lieb, Viktor?" „O, ich habe Dich wohl lieb, aber Du mußt nur nicht immer sagen, daß Du mein Vater bist." „Aber ich bin es nun einmal. Wenn Dn es jedoch nicht gern hörst, so will ich es nicht mehr sagen und Du brauchst auch llicht Vater zu mir zu sagen. Du kannst mich Papa nennen." Der Kleine schüttelte heftig den Kopf. „Vater oder Papa, das ist einerlei. Du kannst auch mein Papa nicht sein." „Und warum denn nicht?" „Ich habe Dir's ja schon gesagt, tveil Du kein Jude bist." „Aber Du bist auch kein Jude." „Ich bin ja Jude!" schrie der Kleine, indem er sich in die Brust warf und zur Bekräftigung seiner Worte mit dem Fuße stampfte. Herr von Königstein schüttelte den Kops. „Du bist im Jrrthum, liebes Kind. Deine guten Pflegeeltern, Herr und Frau Makbaum, sind zwar Juden und haben geglaubt, daß Du auch ein Jude wärest. Aber nur diejenigen Kinder sind Juden, deren Eltern Juden sind. Weil ich aber keiner bin, bist Du auch keiner."

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