Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1885)
- Date
- 1885-04-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449536--22096-2511754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-567 ermordete Eybulla ihr alle Ziegrnfelle wegkLLstr. Gedrobt habe sie ihm nicht. Eine Anzahl Zeugen bestätigen dies, beknnden jedoch: Krau Josephsohn habe gesagt: Sie werde es dem Eybulla schon besorgen. Aehnlich habe sich auch Simon Josephsohn einmal geäußert. Letzterer giebt zu, eine ähnliche Redensart gethan zu haben. Er habe den Eybulla der kein Gewerbe Hane, wegen Gewerbe-Eontravention denunzircn wollen. — Fräulein Bertha Joscphsohn: sie habe sich einmal mit dem Schuhmacher Lange über den Mord unterhalten. Bei dieser Gelegenheit habe Lange zu ihr gesagt: der Jude mit den rothen Augen, der dort am Wasser wohnt, ist der Mörder. Wen Lange damit meinte, wisse sie nicht. — Schuhmacher Lange: Bertha Josephsohn klagte mir einmal, daß ihr Bruder Hermann schon seit so langer Zeit verhastet sei. Daraus antwortete ich: Hermann wird es wohl auch gewesen sein. — Präsident: Wie so kamen Sie zu dieser Aeußerung? Zeuge: Ein Junge hat einmal erzählt: Am 22. Januar 1884 früh sei er drei Juden begegnet, die den ermordeten Eybulla getragen haben. Er habe außerdem einmal gehört: Der Jude mit den rothen Augen, der am Wasser wohnt, habe eine Flasche; wenn man aus derselben nur zwei Schluck trinkt, dann muß man sterben. — Präs.: Derartige Räubergeschichten werden noch mehr Vorkommen. (Heiterkeit). — Der Zeuge bekundet im Weiteren auf Befragen des Präsidenten: Bertha Josephsohn habe zu ihm gesagt: Wenn Hermann den Mord begangen, dann hat er es jedenfalls nicht umsonst gethan. Bertha Josephsohn bestreitet entschieden, die letzterwähnte Aeußcrung gethan zu haben. — Bäckermeister Schablewski: Ich habe kurz nach dem Morde mit Hermann Josephfohn über den Mord gesprochen und dabei geäußert: Tu wirst wohl auch dabei gewesen sein. Hermann antwortete: Ich bin nicht dabei gewesen, ich weiß aber, wo der Mord passirt ist. — Präs.: Sagte er Ihnen nun. wo der Mord passirt ist? — Zeuge: Ja hinter Gappa soll er passirt sein. — Präs. Wußten Sie damals, daß sich der Verdacht der Thäterschaft auf Josephsohn lenkte? — Zeuge: — Präs.: Wie so kamen Cie dazu einen unbescholtenen Menschen ohne Weiteres und ohne jeden Anhaltspunkt eines solch' schweren Verbrechens zu beschuldigen? — Zeuge: Ich war mit Josephfohn befreundet. — Präs.: Schöne Freundschaft das. (Heiterkeit.) — Im Weiteren bekundet der Zeuge ans Befragen des Präsidenten: Josephfohn (Vater) nebst Frau seien einmal Abends spät bei dem Thiessen'schen Gasthos vorübergegangcn. Da habe die Frau gesagt: Wenn Hermann sich uur nicht „ausgeben" wollte. „Red' nicht," habe der Mann eingewendet, „er wird sich nicht ausgeben, sondern sehr bald frei kommen." — Josephsohn sen. nebst Frau bezeichnen diese Bekundung als unwahr. Dasselbe thut Herrnann Josephsohn bezüglich der vorherigen Bekundungen des Schablewski. — Frau Eomtnifsionär Hoffman»: Hermann Josephsohn habe einmal geäußert: den Onophrius Eybulla solle der Teufel holen. Im Weiteren habe Hermann Josephsohn ihr einmal unsittliche Anträge gemacht und durchbacken lassen, als sollte sie oder wollte er ihren Mann bei Seite schaffen. Sie habe ferner einmal gesehen, wie Hermann Josephsohn in sehr roher Weise ein Pferd geschlachtet und abgeledert habe, Hermann Josephsohn bestreitet diese Bekundungen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsuachrichte« und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 29. April 1885. Von dem ehrwürdigen Sir Moses Montefiore erhalten wir das nachstehende, in hebräischer Sprache abgcfaßte, von ihm eigenhändig Unterzeichnete Schreiben, das wir in deutscher Ueversetzung hier wiedergeben: Ramsgate, am 27. Tage der Qmerzäh- ' lung 5645. Möge der allgütigc Gott Seinen reichsten Segen senden den verehelichen Vorstehern der israelitischen Relig io ns gesell schaft und Seiner Ehrwürden, Herrn Rabbiner D r. L e h m a n n zu Mainz. Nachdem ich meine Augen und mein Herz zu unserem Vater im Himmel erhoben habe, Ihm für die übergroße Liebe zu danken, die Er mir von meiner Geburt an bis zur Vollendung meines hundertsten Lebensjahres erwiesen bat, sehnt sich meine Seele darnach, meinen lieben Freunden mich dankbar zu erweisen, die mich mit Zeichen ihrer Freundschaft überschüttet haben, um mich zn ehren vor den Aeltesten meines Volkes. Auch die von Ihnen, verehrte Freunde^ mir gütigst übersandte Beglückwünschungs-Adresse hat mich unendlich erfreut; ich kann, nicht Worte genug filldcn, meinen Dank auszusprechen. Ich kann nicht mehr ein- und ausgehen, um mit Ihnen thätig zu sein im Weinberge des Herrn Zebaoth; denn die Hände Moschch's sind schwer. —- Aber aus der Tiefe meines Herzens steigt mein Gebet empor znm ewigen Gott^ der da Zron erwählt hat, daß Er Ihr Leben verlängere, Sie und Ihre Familien erfreue mit der Fülle des Glücks und des Friedens, damit Sie fid) stets erquicken an unserer herrlichen Gotteslchre, damit Ihre und unsere Angen schauen, daß Gott sich wiederum erbarmt Seines Volkes! Im Lichte des Ewigen wollen wir allesammt wandeln, solange wir auf dieser Erde weilen, unsere heilige Gottcslehrc wollen wir wie unseren Augapfel behüten und alles thun, was sie vorschreibt, und die heilige Stadt Jerusalem wollen wir nimmer vergessen. Durch Gottes Hilfe werden wir Tüchtiges vollbringen. Aus Ihn allein vertrauen wir, und wir werden nicht fürchten, selbst wenn die Erde wankt. Wir wollen »ns kräftigen für unser Volk, und unsere Kinder lehren, daß sie wandeln in den Wegen des Ewigen. Dann wird Dank und Preis, Wonne und Freude unfern Mund erfüllen alle Tage unseres . Lebens, wie es von Gott ersieht Ihr treuer Freund Moses Monte fiore.