Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1885)
- Date
- 1885-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. J\e 31. Der Israelit. Ein Zentral - Hrgan für das orthodoxe Iudenthmn. .Herausgcgebru von Di*. Lehman» in Mainz. Montag, den 20. April 5045 (1885). Leitender Artikel. Die Sprüche der Puter IV. Mainz, 16. April. Um in die Tiefe der hier ausgesprochenen Gedanken des grobe» Lehrers Israels einzudringen, müssen wir zu den vielen fragen, die wir im vorigen Kapitel aufgeworfen haben, noch eine neue hinzufügen. Rabbi empfiehlt uns die Wahl eines Weges und scheint die Erlaubniß zu dieser Wahl sofort wieder znrückznnehmen, indem er sagte: Achte ein leichtes Gebot nicht geringer als ein strenges. — Wenn man zwischen den Gottesgebotcn nicht unterscheiden soll, wo bleibt da die Wahl? Die Beantwortung dieser Frage fuhrt uns dazu, den Sinn des in Rede stehenden Ausspruches richtig zu erfassen, indem wir zwischen rwpn und rosa unterscheiden. Bei den Mizwoth, bei den Gottesgeboten ist dem frommen Israeliten eine Auswahl nicht gestattet; er muß mit gleicher Sorgfalt die ihm leicht und die ihm schwerwiegend erscheinenden zu beobachten und zu erfüllen suchen. Anders aber verhält es sich mit einer großen Kategorie von Vorschriften unserer heiligen Religion, deren Beobachtung nur im Allgemeinen empfohlen wird, die aber nicht als spezielle Gebote gegeben worden sind. Das ist das große Feld von zncn nt'c:. Die Uebung von Wohlthaten ist eine der Säulen, auf denen die sittliche Welt beruht. Wir sollen dem Ewigen, unserem Gotte, nachwandeln und uns Seine erhabenen Eigenschaften zum Muster nehmen. Wie Er barmherzig ist, so sollen auch wir barmherzig sein. Wie Er die Nackten bekleidet (Adam und Ehawa), die Kranken besucht (Abraham), die Todten begräbt (Moscheh), so sollen auch wir thun und so ähnlich in Bezug auf die große Zahl der Wohlthaten, die der Mensch seinem Mitmenschen zu erweisen vermag. Hierbei ist eine Auswahl gestattet; nicht Jeder vermag Jedes zu thun; denn die Menschen sind in Anlagen und Neigungen, im Können und Vollbringen vielfach von einander verschieden. Der Eine ist dazu angelegt, großes. Wissen zu erwerben; er besitzt zugleich, die Fähigkeit zu lehren, so daß er ein Lehrer seines Volkes werden kann. Ein Anderer ist im Besitze eines großen Vermögens, das ihn befähigt, ein Wohlthäter den Armen zu sein*, ein Dritter hat die Gabe der eindringlichen und überzeugenden Rede, so daß er geeignet ist, die Sünder zu ermahnen und auf den rechten Weg zurückzuführen; ein Vierter besitzt Muth und Kraft, um für sein Volk zu streiten, sich der Verfolgten anzunehme», den Unterdrückten zu helfen, die Schwachen zu beschützen. Hier nun die richtige Wahl zu treffen zum eigenen .Heile und znm Nutzen und Frommen der Mitmenschen, empfiehlt uns Rabbi. Wollte Jemand, der durch seine großen Geistesgaben berufen ist, ein Lehrer seines Volkes zu sein, sich ausschließlich mit Licbesthatcn befassen, die ebensogut durch andere, Minderbegabte Menschen vollbracht werden können — er würde dadurch ein Unrecht begehen an sich und seinen Mitmenschen; wollte Jemand sich zur Aufgabe machen, seine Mitmenschen zu ermahnen, und er ist der Sprache nicht mächtig, er versteht es nicht, seine Gedanken in eindringliche und überzeugende Worte zu kleiden, so würde er sich allerlei Unannehmlichkeiten aussetzen und seinen Mitmenschen nicht nützen. Dehhalb fragt Rabbi: 21. V? mitr in inrx. Welches ist der rechte Weg, den der Mensch sich erwählen sott? Daß es sich hier um das llebeu von Wohlthaten handelt, erhellt aus dem Worte, Tn, wie unsere Weisen es in -nn nx snb nyr.rn (2. B. M., E. ix, V. 20) angedeutet finden nx enon *t -,nn. „Und Du sollst ihnen kund