Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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_XXVI. vtaingang. Zweite örilnge zu Ar. 80 des Zsrnelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Frankfurt er R ebb inen. Ein Beitrag zur Geschichte der israelitischen (Gemeinde in Frankiiirt ß. M. — IV. — Rabbinatsverwcscr lUßififlii 3. Maas; nnd R. Pinchas Hor o w i x 17 on — I sür>. Bon T r. M. H o r o w i tz, Rabbiner. (Beilage zum Bericht der israelitischen Religionsschule) Frankfurt a. M. — Eommissionsverlag der Jage r'schcu Buchhaud-!nng iss». Xc* vorliegende -t. Heft diesem höchst interessanten Werkes schließt sich den drei voransgegangencn, sowohl was die Fülle des Inhalts als auch was die geistreiche Entwickelung desselben betrifft, würdig an. Tic beiden aus dem Titelblanc genannten Männer bilden nur den Mittelpunkt, nm welchen der Verfasser außerordentlich viel lehrreichen Stoff ans den verschiedensten Gebieten und aus dem Lebcusfrcifc der verschiedensten Männer in anziehender Weise zu gruppircn verstanden hat. Ta lesen wir z. B. eine überaus gelungene Schilderung des Talmndunrerrichts der „Ieschiba" und daran sich knüpfend eines talmudisches Vortrags mit der sich an denselben schließenden Tiscussiou. Als besonders' ffffelnd möchten wir die Darstellung R. Ziathan Adler» und seines Verhältnisses zu den leitenden Greifen der Gemeinde bezeichnen. Ganz besonderes Interesse wird derjenige Theil der Schrift erwecken, der sich ans die Stellungnahme des Rabbi Pinchas Horowitz zu Moses Mendelssohn nnd seinen Bestrebungen bezieht. Man war bisher gewöhnt, R. Pinchas Horowitz zu denjenigen zn zählen, welche Mendelssohn den Gebrauch der reinen deutschen Sprache in seiner Bibelübersetzung zum Vorwurf machten. Ter Verfasser weift nun ans einer Rede des R. Pinchas Horowitz selbst nach, das; dieGcgncr- ''chast desselben gegen Mendelssohn sich durchaus ans sachliche Gründe stützte, keineswegs aber aus die Sprache, nnd daß er nicht, wie man geglaubt, bar, gegen die Ueberseynug einen Bann verhängt har. — Neben dem anschaulichen Bilde der ersten, bescheidenen Emancipationsbeftrebuugen der Juden und der mannigfachen Wirren, in die sie durch die Revolmionskricgc verwickelt wurden, erscheint uns namentlich gelungen, die Charakteristik der literarischen XhätigkeiL des R. Pinchas Horowitz. Seine Hauptwerke, nstei und rupe, in welchen der halachische Stoff in ganz neuer und überraschender Weise behandelt wird, wie seine Gutachtensammlung nyaa Drix und fein Pcntateucheommcntar, rr trx, werden in kurzen und äußerst treffenden Zügen geschildert, und der Leser gewinnt einen klaren Einblick in das Wesen dieses eigenartigen und an einen sehr wichtigen Wendepunkt der jüdischen Geschichte gestellten Mannes. - Der Anhang enthält wieder, wie in den früheren Heften, wichtige Auszüge aus dein Mcmarbuchc der Frankfurter Gemeinde, sowie die Grabschriftcn der berühmtesten Männer aus dieser Epoche. Zeiturrgsnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Aus der Provinz Posen. Am ao. September v. I. ließ der Minister des Innern an sämmtlichc Regierungspräsidenten in Preußen die Weisung ergehen, daraus zu achten, daß ausländische Inden fernerhin nicht mehr als Eultnsbcamte angestellt werden sollen. Es sollte dies nur dann gestattet werden, wenn zwingende Gründe vorliegen nnd in solchem Falle zu entscheide», behalte sich der Minister vor. Diese Verfügung soll, wie cs in dem Ministerialcrlaß heißt, eine Beschwerde der inländischen Knltusbcamtcn, daß sie von Ausländern verdrängt werden, veranlaßt haben. Besonders häufig käme die Anstellung ausländischer Juden in den Negiernngsbezirkcn Posen nnd Schlesien vor. Für den, der die Verhältnisse kennt, mußte cs freilich von vornherein klar sein, daß die Beschwerde der inländischen Knltusbeainten durchaus nicht gerechtfertigt ist, denn es ist an inländischen Rabbmcr», Eantoren, Schächtern und Religionslehrern großer Mangel. Der Grund hiefür liegt einfach darin, daß das Thoraftndium unter den Inden in Deutschland eine Zeit lang nur sehr wenig gepflegt wurde, was leider noch immer nicht in genügender Weise geschieht.