Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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191 cingetreten, die erst bei dem Punkte größere Dimensionen annahm, der von der Vertretung der Juden handelt. Pauk Szoumgh beantragt die von den Magnaten climinirtcBcftimmnng wieder zu restituireu. - Graf Ludwig Tisza thciltc bei diesem Anlässe mit, die Szegediner Indengemeiudc habe ihm zur Ucbcrrcichung im Abgeordnctcnhansc eine Petition übersendet, in welcher die Petenten selbst bekennen, dos; ihre Eonfcssion nicht in der Weise organisirt sei, welche die Verlretung derselben schon jetzt gestatte. - Minister-Präsident Tisza erklärt, falls der Antrag Szoniagh's angenommen würde, könne er keine Garantie dafür übernehmen, das; die Magnaten demselben znstimmcn würden, ly* wäre daher nicht zivcckniäßig, beschall' das Schicksal der Reform zu gefährden. Tie Negierung beharre aber unbedingt .auf ihrem prinzipiellen Standpunkte und werde unter allen Umständen dafür Sorge tragen, das; im Wege der Ernennung auch Juden Mitglieder des Oberhauses werden. — Ludwig Lang wäre, wenn bei irgend einem Punkte, so hier geneigt, die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses anfrechtzncrbalten. Da aber. keine Aussicht auf Annahme durch die Magnatentafcl vorhanden sei, andererseits aber das Prineip gewahrt bleibe, ohne daß das Schicksal des Gesetzen twurfcs gefährdet würde, beantragt er die Annahme der Modisication der Magnaten, jedoch möge die Eommission in ihrem Berichte das Bedauern darüber ausdrücken, das; dieser Punkt abgeäudert wurde, und cs möge ferner die eben vernommene Erklärung des Minister-Präsidenten gleichfalls in den Bericht aufgeuornmen werden. Ter Minister-Präsident präeisirt diesen Antrag dahin, cs tnöge im Berichte gesagt werden: Nachdem der Minister-Präsident die absolute Unmöglichkeit einer Durchführung des Prineips im Oberhansc betont und das Versprechen abgegeben habe, bei der Ernennung die Inden zu berücksichtigen, habe die Eonnnission den Vorschlag der Magnatentafcl angenommen. — Moriz Jokai verweist darauf, das; die Forcirnng gewisser Ideen oft der Sache selbst abträglich sei. Als im Jahre I.S2."> Pan! Nagy die Verbesserung der Lage der niederen Stände befürwortete, lautete die Antwort der Magnaten: Non stulticet. Vor fünfzig Jahren habe man in Gran einen Protestanten nicht einmal zum .Haidntcu ernannt und inKomorn nicht ins Easino ausgenommen. Man müsse das Priucip festhaltcu und die Ideen reifen lassen. Er acceptirt die Modisication der Magnaten und mit Vergnügen den Antrag Lang's - Stephan Dclcszky sprach für den Antrrag Szontagy: Joseph Fcrcncz (unitarischcr Bischof) erregte dnrch feine Rede besondere Aufmerksamkeit. Er erklärte sich in warmen Worten für die Vertretung der Inden und bemerkte, er würde gegen sein Gewissen sündigen, wenn er diesen Punkt ohneweitcres fallen ließe, und er wünsche darum sich so deutlich zu erklären, daß sein Votum unter keinen Umständen falsch ausgclcgt werde. Er aeeeptirc die Proposition des Oberhauses, aber lediglich darum, weil er hier höre, daß die Durchführung des Prineips der Gleichheit der Eonfcssionen zur Zeit nicht möglich sei und weil die Negierung demselben denn doch in anderer Weise Geltung verschaffen werde. - Schließlich wurde der Antrag des Ncferenten Lang in der Fassung des Minister-Präsidenten angenommen. Wie ans Deutsch-Lipcse, einem Marktflecken in der Nähe Nosenbergs (Liptocr Eomktat), geschrieben wird, soll es dort in den letzten Tagen Nnhestörungen gegeben haben, die gegen die Inden gerichtet waren. Als Veranlassung derselben wird folgender Vorfall angegeben: Am 20. März kam ein vierzehnjähriges Mädchen, Natncns Paula Zvara, ans dem benachbarten Dorfe Körmös in das Gewölbe der Witwe Rosalia Schönstein, um daselbst einige Kleinigkeiten zu kaufen. Wie nun das Mädchen erzählt, wäre es von der Tochter der Schönstein in die Wohnstube und von da in den Keller gelockt worden, wo sie zwei alte Inden mit Messern und allen Geräthschasten, die zum Schlachten von Kleinvieh dienen, ihrer warten sah. Vor Schrecken entfloh sic, nnd ihre Erzählungen, die sie auch vor dem Stuhlrichter nnd dem Staatsanwalte wiederholt haben soll, erbitterten das Volk so sehr gegen die Inden, daß es denselben die Fenster eknschlng. Erst den Gendarmen nnd den von Nosenberg requirirten .Honvcds gelang es, den Unruhen ein Ende zu machen. Es ist zu hoffen, daß die behördliche Untersuchung auch diesmal das Unsinnige der Anklage, die in der Osterzcit von gewissenlosen .Hetzern immer wieder aufs neue erhoben wird, erweisen werde. Der Eorrespondent des Pcster Lloyd ans Roscnberg berichtet über diese Affaire Folgendes: Die Paula Zvara scheint von antisemitischer Seite zur Erdichtung der schamlosen Anklage verleitet worden zu sein. Die Voruntersuchung des Teplacr Stnhlrichters, die genügendes Material zur Aufdeckung der Intrigne enthält, ist heute au die hiesige Staatsanwaltschaft geleistet worden, von deren engerischer Intervention auch die Ernirnug der Urheber erhofft wird. Antisemiten und Panslaven benützten die Fabel, um in Lipcse eine Indcnhetze zn insceniren. Das energische Einschreiten unserer Behörden, die allsogleich Honvcds und Gendarmen concentrirten, unterdrückte jedoch das Weiterverbreiten der Bewegung. Heute herrscht in Lipcse bereits vollkommene Ruhe. Das Militär wird ans Vorsicht bis nach den Osterfeiertagcn daselbst belassen. In allen übrigen Ortschaften des Eomitats ist von antisemitischen Unruhen oder irgend welcher Aufregung keine Spur und die Haltung der Bevölkerung eine mnsterhafte.