Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 30 des Israelit. Leitender Atikel. Literarischer Bericht. Marge »ländische Bilder in abendländischem Rahmen. Talmudischc Parabeln, Gleichnisse und Erzählungen ansgewählt nnd metrisch wicdergegeben von Rabb. Dr. Leopold Stein, Frankfurt a. M. 1885. Auffahrt. 8. Dieses posthume Werk zeichnet sich vor vielen Schriften, die zur Lebenszeit des Lerf. erschienen, durch eine edle Begeisterung für das alte talmudischc Schriftthum aus, die den Unbefangenen nicht ahnen läßt, das; eben derselbe Verf. einer der heftigsten Kämpen für die Reform nnd gegen alles das war, das im praktischen Leben an Talmud nnd Talmndismus erinnerte, Es ist eine ganze Reihe der schönsten talmudischen Parabeln und Erzählungen, welche der Vers, in echt poetischem Gewände dem Berständniß und Gemüth des deutschen Lesepnbiknms vermittelt. Mauchen tiefen Gedanken, den Talmud oder Midrasch in einem kurz gegebenen Maschal andcnten, weist der Verf. weiter zu spinnen nnd allseitig auszubeulen, so daß das unscheinbare Maschal erst dadurch vollständig in seiner Tiefe und seiner umfassenden Bedeutung erkannt wird; wie verweisen in dieser Beziehung besonders aus Nr. „Leuchte voran!" Als vorzüglich gelungen ist der Gedicht- Eyclns: „Rabbi Akiba" zu nennen, namentlich wegen der schönen Sentenzen, mit denen der Verf. das pocsicvolle Gemälde zu schmücken, verstanden hat. Ob einige der letzterer; Gedichte der Sammlung, die aus rein subjectiver Stimmung hervorgegangen sind und sich nicht an eine Sentenz oder Erzählung des Talmud oder Midrasch anlehuen, nicht besser hinweggeblieben wären, weil sie keineswegswegs dem Titel des Buchs entsprechen, wollen wir nicht unterlassen, dem Herausgeber zu bedenken zu geben, wenn sie auch in ihrem poetischen Wertste gegen die übrigen Gedichte der Sammlung nicht zurückstehen. Störend sind einige unangenehme Druckfehler S. 148 und 151. Für die Parabel von Sonne und Mond verweist der Herausgeber im Jnhaltsverzeichniß auf Ehulin «0, doch der Verf. hat dieselbe nicht in dem Sinne dieser Stelle, sondern im Sinne des Midr. Rabbo behandelt; wir hätten eine Bearbeitung der Talmudstelle vorgezogen. Wir halten das Buch für ein Familienbuch recht geeignet. Zeitimgsnachzichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 8. April. Die hier erscheinende „Badische Landeszeitnng" vom heutigen Datum enthält aus Oppenau einen mit — k gezeichneten scharfen Angriff gegen das Schächten, dessen Dreistigkeit nur von der Unwissenheit überholen wird, die aus allen Kanten und Fugen dieses wunderlichen Machwerks leuchtet. Um den Unsinn zu widerlegen, der ln dieser halben Spalte aufgestapelt ist, müstte man eine ganze Abhandlung schreiben, womit zudem nicht einmal viel erreicht loäre, denn die Herren Scribler liujus geneiis wollen eben nicht die Wahrheit kennen nnd anerkennen. Die trivialen Benörgelungen des Schächtcns, wie man sie in den Thierschub-Vereins-Schriften gewöhnlich findet, will ich unerwähnt lassen, nnd mich nur auf die Mittheilung einer Probe beschränken. Während die Gegner des Schächtcns gewöhnlich die schon in der Bibel erwähnte israelitische Schlachtmcthode, erst als rabbinisch oder talmndisch vorgeschrieben bezeichnen, geht der Oppenaner Korrespondent der Landeszeitung noch einen Schritt lveiter und schreibt: „Es ist durchaus keine mosaische Relkgionsvorschrift der Inden, dast die Schlachtthiere bei vollem Bewußtsein durch den Halsschnitt getödtet werden müssen; man zeige mir diejenige Stelle des Talmud, welche diesen Ritus unwiderleglich vorschreibt." Der gute Mann, der also nicht weist, dast der Talmud einen ganzen, 142 Folio-Seiten füllenden Traktat Ehnllin über das Schächten enthält, will diejenige Stelle gezeigt haben, welche diesen Ritus unwiderleglich vorschreibt! Wem sott man sie zeigen V Wer ist - k in Lppenan? Welcher Geck, Bock, Stock re. oder sonstige auf k endigende Name verbirgt sich hinter dieser Ehiffre? Sobald Herr —k seinen vollen Namen zeigt, soll ihm auch die verlangte Stelle und noch ein Dutzend mehr gezeigt werden. Einstweilen verweisen wir ihn auf die soeben erschienene Broschüre: „Thierschntz und Mensch entrüst" von Dr. Ehrmann. (Verlag von I. Kaussmann, Frankfurt a. M. Preis 1 Nt. 50 Pf.), wo er alle seine Bemängelungen ml absurdum geführt findet.