Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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SXVI. Hahrgang. Beilage zu Ar. 43 des Israelit. Zeitungsuachzichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Mai. Dr. Jakob Ecker, Privatdoceut an der Akademie zu Münster, veröffentlicht in der „Germania" vom 23. Mai eine Erklärung, in welcher er rundweg behauptet, daß er das Pamphlet: „Die 100 Gesetze des Judenkatechismus" gar nicht geschrieben habe. „Wie wehe es mir auch that," so beginnt Herr Ecker seine famose Erklärung, „daß sogar katholische Blätter sich hergaben, um falsche Nachrichten jüdischer Zeitungen über mich weiter zu verbreiten, so habe ich selbst bis jetzt noch keine Feder ansetzeu wollen, um mich zu vertheidigen. Da die jüdischen Schimpfereien über mich nun aber so maßlos geworden, daß meine P rieste re h re in den Koth gezogen ist, so würde ich eine schwere Gewiffenspflicht vernachlässigen, wenn ich länger schweigen wollte." Darauf citirt er fast einen ganzen, gegen ihn gerichteten Leitartikel, der „Jüdischen Presse," der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, und schließt mit folgenden Worten: „Darauf erlaube ich mir zu erwidern: Leider muß ich Denjenigen, welche sich aus leicht begreiflichen Gründen alle Mühe geben, mich als antisemitischen Agitator hinzustellen, diesmal den ganzen Spaß verderben, indem ich nun endlich verrathe, daß ich „ein im Verlage des Reform-Vereines zu Steele" erschienenes Buch „die lOO Gesetze des Judenkatechismus" einfach — gar nicht geschrieben habe." Soweit die Erklärung des antisemitischen Privatdocenten. Dieser Erklärung fügt die „Germania" einige erläuternde Bemerkungen hinzu, die von der übrigen Hetzmente gierig anfgesogen werden. Die „Germania" schreibt u. A.: „Dr. Ecker war gerichtlicher Sachverständiger in einem gegen den „Wests. Merkur" wegen der Besprechung der Broschüre „Judcnspiegel" gerichteten Prozeß. In einer ähnlichen Anklage fungirte als Sachverständiger der bekannte Bonner Orientalist Dr. Gildemeister, ein Liberaler und Protestant; seine Ausführungen deckten sich sachlich mit denen Dr. Eckers. Das muß in jüdischen Kreisen großen Aerger hervorgerufen haben, denn es machte sich eine große Animosität gegen Dr. Ecker in der jüd. Presse geltend und man merkte deutlich das Bestrebe» heraus, den Herrn Dr. Ecker in seiner Stellung zu schädigen (!) Es wurde zu ganz elenden Verdächtigungen gegriffen, um das Ziel zu erreichen, lieber die wissenschaftliche Befähigung des Mannes sollte die öffentliche Meinung irre geführt werden; und um das Ziel sicherer zu erreichen, hat man bic Zuflucht zu einer elenden Fälschung genommen, denn nur so ist der vorliegende Fall zu erklären. Da erscheint plötzlich im Verlage des „Reform-Vereines" zn Steele ein Buch betitelt „die 100 Gesetze des Judcnkatcchismus" von Dr. Jakob Ecker. Da wird aller Schmutz, den die jüdische Presse aufzuwühlen im Stande ist, gegen die Person des Orientalisten Dr. Ecker geschleudert. Und was stellt sich heraus? Das Buch „die l 00 Gesetze des Judenkatechismus," welches den Zorn der jüd. Presse gegen' Dr. Jakob Ecker entfesselt hat, ist gar nict)t von Dr. Ecker in Münster verfaßt. Er kennt das Werk nicht einmal (!!) und es ist eine schamlose Fälschung, daß man ihm das Buch anhängt. Und nun fragen wir, wohin soll es im öffentlichen Leben kommen, wenn der Kampf der Geister mit solch rostigen Waffen geführt wird? Wohin sollen wir kommen, wenn einer, um seinen Gegner unschädlich zu machen, zu solchen, wie gesagt, schamlosen Fälschungen greift, wie hier eine vorliegt? Es ist unerhört! Wir möchten die im vorliegenden Falle competenten Behörden dringend bitten, hier einzuschreiten und ei» für altemal ein Exempel zu statuiren, damit nicht eine Verwilderung im öffentlichen Leben einreißt, wie sie die Behandlung Dr. Eckers, seitens seiner Gegner soeben gezeigt." Ja, „es ist unerhört!" Die jüdischen Blätter haben sich zusammengethan, sie haben den „Judcnspiegel," des Betrügers Justus, abgcschrkeben, sie haben eine Einleitung vorausgeschickt, in welcher das jüdische Volk ein „Insekt" genannt wird, das „das Mark der christlichen Staaten verzehrt," sie haben diese Schrift unter dem Namen des Dr. Jakob Ecker im Verlage des antisemitischen Reform-Vereins zu Steele erscheinen und in vielen Tausenden von Exemplaren verbreiten lassen, und diese „schamlose Fälschung" haben sie begangen, um den „gefürchteten" Dr. Ecker zu stürzen, um die öffentliche Meinung über die „wissenschaftliche Befähigung" des Mannes, irreznführen, der notorisch keine Zeile im Schulchau Aruch lesen