Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1885)
- Date
- 1885-05-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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690 mehrere auch tu diesen Blättern erschienen sind, in Gclehrtenkrcisen vorthcilhaft bekannt gemacht. Derselbe tritt seine Stelle demnächst schon an. Hamburg, 15. Mai. Gestatten Sic mir, geehrter Herr Redactenr, in Bezug auf den uns zu früh entrissenen Oberrabbiner Dr. Jsaakssohn noch einige Worte. Nicht bin ich im Stande, die ungeheure Trauer und Aufregung zu schildern, welche in Hamburg-Altona herrschte, als das Ableben dieses großen Mannes sich am Montag leider bestätigte; sah man doch Greise, Kinder nnd Frauen auf offener Straße in lautes Weinen ausbrechen; es gab wohl kein jüdisches Haus in unsrer Gemeinde, wo an diesem Tage nicht ungehcuchelte Trauer herrschte über den unersetzlichen Verlust, der uns betroffen. Selbst diejenigen Männer, welche zuerst mit dem Wirken des großen Mannes nicht ganz einverstanden waren; brachen in ein lautes Wehklagen über den Verlust aus; denn auch sie sahen später ein, daß das ganze Streben des seligen Oberrabbiners Dr. I. Jsaakssohn nur darauf gerichtet war, die Lehren des unverfälschten orthodoxen Judenthums den weitesten Kreisen bekannt zu machen. Sein Wirken in hiesiger Stadt wird für alle Zeiten als eine Glanzperiode der jüdischen Geschichte Hamburgs betrachtet werden. Wodurch der große Todte, sich aber auch in nichtjüdischen Kreisen hiesiger Stadt ein Denkmal für alle Zeiten gesetzt hat; das ist die beispiellose Wohlthätigkckt, welche derselbe hierausübte; indem er fast täglich die Häuser der Armen besuchte, um mit Rath und That selbst dem Geringsten zur Seite zu stehen. Die Leiche des theuren Dahingeschiedenen wurde nach seinem Geburtsorte Fi lehne überführt, da der Verewigte die Bestimmungen, die in Bezug auf den hiesigen Begräbnißplatz (in Ohlsdorf) gelten, nicht gebilligt hatte. Etwa vier Wochen vor seinem Tode hatte er sich mit den Vorstehern der isr. Gemeinde zu Altona, des Begräbnisses auf dem dortigen isr. Friedhofe wegen, in Verbindung gesetzt. Tie Verhandlungen waren jedoch nicht perfect geworden. Der Leichencondnct war ein außerordentlich imposanter. Dem allgemeinen Schmerze gaben die Herren Oberrabbiner Dr. Löb aus Altona und Rabbiner Dr. Horowitz ans Frankfurt a. M. (ein Schwager des Verewigten) durch ergreifende Trauer-Reden den geziemenden Ausdruck. rV'n'Wn O e st e r r. - U n g a r. Mona r ch i e. AV. K. Prag, 22. Mai. Am 18. dieses Monats wurde Landes-Advokat Jims Dr. Jakob Braun unter allgenieincr Theilnahme zu Grabe bestattet. Der Verstorbene, der ein Alter von 55 Jahren erreicht hatte, war nur 6 Tage krank gewesen und hatte sich am 15. dieses Monats einer Operation unterzogen, die ihn nicht mehr zu retten vermochte. Gr starb mit einer bcwundernswcrthen Ruhe und Gottgläubigkcit. Bevor er in's Hospital fuhr, um sich dort einer lebensgefährlichen Operation zu unterziehen, ordnete er noch einige wichtige Angelegenheiten, richtete noch im Jntercffe seiner Familie und seiner Klienten ein Gesuch an die Advokatenkammer, nach seinem Tode einen ihm verwandten Advokaten, mit der Fortführung seiner Kanzlei zu betrauen. — Dr. Braun war erst vor Kurzem zum Tempelvorsteher gewählt worden und hatte es in seiner Annahmserklärung ausgesprochen, in der Ausübung seines Amtes stets den conscrvativen Grundsätzen zu huldigen. Gr war der Gründer des Vereines zur Verbreitung der Wiffenschaft des Judenthums, und seit dessen Bestehen auch dessen Obmann, Direktor des Vereines zur Unterstützung unbemittelter Gewerbsleute, Obmannftellvertreter des Freitisch- Vereines. Sein Leichcnbcgängniß fand unter außerordentlicher Theilnahme statt. Im Sitzungssaale des Tempelvorstandcs, wohin die Leiche gebracht worden war, hielt der Sekretär des Tempels, Moritz Neustadt, eine kurze sehr gelungene Rede, während Tcmpclprediger Professor Kämpf dem Berewigten am Friedhöfe einen — der rfcan na* Ttöm wegen, kurzen — Nachruf widmete. An dem imposanten Lcichenznge bcthciligten sich Oberrabbiner Hirsch, die Gemeinde-Repräsentanten, die Vorstände aller humanitären nnd sonstigen Vereine, denen der Verewigte angehört hatte, der Landesansschnßbeisitzcr Baron Peche, Univcrsitätsprofessoren, Advokaten und sonstige Notabilitäten. Der berüchtigte Professor Rohling hat anläßlich der neuerlichen Beschämung, die er durch die Entlarvung seines Spießgesellen, des sogenannten Dr. Brimann, der sich auch als ein gemeiner Betrüger entpuppte, erlitten, in einem „Eingesendet" eingcstehcn müssen, daß ihm die Regierung seit der Consiscation seiner Braudschriften weitere Veröffentlichungen verboten habe. Oberrabbiner Hirsch hat in den letzten Tagen eine beispiellose Thätigkeit entwickelt. Am Sabbat vor rwüv hielt er in der Großen Hofsynagoge, am ersten Festtage in der Klanssynagoge eine Predigt, in seiner Wohnung unmittelbar daraus einen tatmudischen Vortrag über nret pa nns paa» Tn wnr6, endlich am zweiten Festtage m der PinkaS-