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Der Israelit · 1885-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1885)
Date
1885-05-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVI. JahrMg. Imeite Beilage M Nr. 41 & 42 des Israelit Leitender Zttikel. Statistische Hteffere. Prag, 8. Mai. Aus den statistischen Tabellen der Wiener Enltusgemeinde wurde in der „Neuzeit" einige recht interessante Notizen veröffentlicht. Malt ist wohl heute der Statistik gegenüber noch immer aufs Rathen angewiesen, den von ihr gegebelien Zahlen muß erst der belebende Geist eingehaucht werden, und gar oft gehört nur eine geschickte Gruppirnng der Zahlen dazu, um aus denselben Alles beweisen zu können, was man beweisen will. Immerhin jedoch verdient eine statistisch übersichtliche Darstellung Dank, sie jist eine Zusammenfassung zusammengehöriger Thatsachen und bietet dem Denkenden einige Anhaltspunkte, um die Fluch der Erscheinungen sixiren und, soweit es eben geht, die zukünftigen Thatsachen ahnen zu können. Aus den veröffentlichten statistitchen Notizell erwähnen wir kurz, daß in den 6 Jahre 1882—84 in der Wiener Cultusgeuleinde 6284 Geburten zur Anzeige kamen, 3277 Knaben, 3007 Mädchen (ehelich geborene Knaben 2970, unehelich 307; ehelich geborene Mädchen 2761, unehelich 246) in jedem einzelnen der 3 Jahre wurden mehr Knaben als Mädchen geboren. Die Population zeigt im Jahre 83 eine Abnahme, im Jahre 84 wieder eine geringe Zunahme (2190, 2025, 2069). Der Grund hievon ist nicht ersichtlich, da die Anzahl der vorgenommenen Trauungen nicht angegeben wurden. So fanden auch merkwürdigerweise die Anzahl der Ehescheidungen und Todesfälle keine Berücksichtigung, trotz des hohen Interesses, welches diesen Punkten entgegengebracht wird. Wir vermissen auch die Angabe der Größe der Wiener jüdischen Bevölkerung, der Stärke derFlectution, so daß wir bei Zahlen, die sich auf die einzelnen Grönländer unserer Monarchie beziehen, nicht wissen können, ob diese angeblichen Nichtwiener trotz der Zuständigkeit nach andern Ländern nicht in Wien geboren wurden. Am störcndsten ist dieser Mangel bei den hochwichtigen Punkten IV und V, Uebertritte zum und Austritte aus dem Judenthume betreffend. Seit 1868 d. i. seit den 17 Jahre der Wirksamkeit unseres iuterconfessionellen Gesetzes kamen 1594 Austritte aus dem Judenthume vor und zwar im ersten Jahre 2, im folgenden schon 11 und diese Austritte mehren sich in solcher Zahl, daß im 17. Jahre schon 263 gezählt werden (2, 11, 29, 47, 55, 66, 51, 65, 68, 67, 96, 94, 122, 169, 181, 208. 263). Das ist wohl das traurigste Kapitel eines jüdischen Matrikenbuches, und der traurige Eindruck kann durch die stattgehabten Uebertritte zum Judenthum nicht aufgehoben werden. Den 1594 Austritten ans dem Judenthum stehen 1344 Uebertritte zum Judcuthum gegenüber. Nur eine oberflächliche Betrachtung findet eine Differenz von 250 zwischen den Aus- und Uebertritte». Das Verhältnis! ist leider ein viel ungünstigeres. Ein einfacher Ealcül belehrt uns darüber. Die österreichisch-ungarische Monarchie hat 37,870,000 Einwohner, darunter 1,650,000 jüdische 4,35"/„. Die Juden bilden also den ca. 23. Thcil der Gesammtbevölkerung, die Differenz zwischen Austritt aus und Ncbertritt zum Judcuthum beträgt daher nicht 250 sondern 23 mal so viel. Wollten wir diese Differenz mit Ziffern ausdrücken, müssen wir 5750 setzen. Dies wirft ein grelles Licht auf die Zustände und fordert zur Uebcrlegung auf, fordert auf den Gründen nachzuspüren, die solche Zustände verursachen. Bedenken wir ferner, daß Convertiten nur in äußerst seltenen Fällen für den neu angenommene» Glauben einen Nutzen bedeuten, daß es sich mit ihnen verhält, wie mit den Schutzzöllen, die dem eigenen Staat sehr geringen Nutzen, nur dem andern Schaden bringen, vergleichen wir dann das Verhältnis; und es zeigt sich der Schaden, den die jüdische Glanbensgenossenschaft Oesterreich-Ungarns während der Jahre 1868—84 erlitten hat, in noch größerem Maße; was bedeuten hingegen der andern Glaubensgenoffenschaft von über 37 Millionen ein Verlust von 1344 Personen. Zu denken gibt auch, daß unter den 1344 Proselyten, 801 weibliche Personen zu zählen sind (gegen 697 weibliche Personen, die vom Judenthume austraten.) Daraus ist ersichtlich, daß über die Hälfte der Proselytcn weibliche Personen mit dem Motive der beabsichtigten Eheschließung sind. Dasselbe zeigt sich in umgekehrter Weise, bezüglich der Männer nämlich, bei den Austritten aus dem Judenthum. Es treten die meisten Männer aus dem Jndenlhum, um Nichtjüdinnen zu hcirathcn. Es scheint ihueu ein gar merkwürdiger Ehrgeiz innezuwohnen, der

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