Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 27-28 (9.4.1885)
- Date
- 1885-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. _M Ä7 & S8. Der Israelit/ Ein ßentrak - Hrgan für das ortfiodore ZndenLknm. Heransgcgcben von RI,'. Lehnrann in Mainz. Donnerstag, den ». April 5645 (1885). Leitende Artikel. Me Sprüche der Jäter*) i. Mainz, 29. März. In den zweiten Theil der Sprüche der Väter führt uns Rabbi ein, das ist, Rabbi Jehuda, der Heilige, der Fürst, der Sohn des Fürsten Rabbon Schimeon ben Gamliel II. Wegen der groben Bedeutung, die er erlangte, wurde er als „Rabbi", als der Lehrer des gesamniten Israels bezeichnet. Schon in seiner frühesten Kindheit bewährte sich an ihm die besondere Fürsorge der göttlichen Vorsehung. Er wurde an demselben Tage geboren, an welche«! Rabbi Akiba, der größte Lehrer Israels unter den Großen der damaligen Zeit, den Märtyrertod starb, damit sich erfülle der Ausspruch der heiligen Schrift: „Und es geht unter die Sonne und die Sonne strahlt wieder;" als die Sonne Rabbi Akibas vom Horizonte verschwand, da ward schon der Knabe geboren, der einst als Mann gleich der Sonne leuchten sollte. (Kidduschin 72 d). — Nachdem sein Vater an ihm die Beschneidung vollzogen hatte, — es war die Zeit der Hadrianischen Verfolgung, und die Ausübung der Gottesgebote war strengstens untersagt — wurde er bei der römischen Behörde denuncirt und mußte zu seiner Rechtfertigung nach Rom reisen. Bei dieser Reise wurden die ersten Fäden gesponnen, aus denen sich später das innige Freundschaftsbündniß zwischen dem römischen Kaiser Antonin, dem Beherrscher des größten Theiles der alten Welt, und dem jüdischen Fürsten bildete. Als Jüngling schon gelvann sich Jehuda in so hohem Grade die Anerkennung seiner große» Lehrer, daß sein bescheidener Vater ihn als bjnw p n» einen Löwen, den Sohn eines Fuchses, dezeichnete. (Baba Mezka «4 b). Der wißbegierige Jüngling wanderte von einem Lehrhause zunl andern, um die Lehrmethoden der verschiedenen Meister kennen zu lernen. Seine Hanptlehrer waren Rabbi Schimeon ben Jochai und Rabbi Elasar be» Schanma. Ein dunkler Ausspruch Rabbis, den wir zu erklären versuchen wollen, berechtigt auch zu der Annahme, daß er den llnterricht Rabbi Meirs oder doch der Schüler desselben genossen habe. Der erwähnte Ansspruch lautet: .mins» *wd amm tr-ano wrim \sn ’3i tbk' „Rabbi sagte: Daß ich scharfsinniger als meine Genossen, kömmt daher, daß ich Rabbi Meir von hinten gesehen habe; hätte ich ihn von vorne gesehen, so würde ich noch scharfsinniger geworden sein, wie es heißt: (Jesaias E. 30, V. 20). Und es solle» Deine Angen sehen Deine Lehrer. (Erubin 13 b). Raschi erklärt diesen dunklen Ausspruch dahin, daß Rabbi (als noch ganz junger Schüler) seinen Platz im Lehrhause Rabbi Meirs hinter dessen Rucken, da vorn kein Platz frei war, angewiesen bekommen habe. Toßaphoth (Menachot 104 a, Schlagwort Nr-nc) geben eine andere Erklärung. Im Talmud Jeruschalmi, Traktat Bezah E. 5, Halacha 2 wird nämlich erzählt, daß, als Rabbi Schimeon, der Sohn Rabbis, sein Hochzeilsfest feierte, die Hochzeitsgäste am Sabbat während der Hochzeitswoche zum Zeichen derFreude mit den Händen geklatscht, und zwar, weil es Sabbat war, die Stücken der Hände aneinander geschlagen. Da sei Rabbi Meir vornbergegangen und habe hineingerufen: Ist das erlaubt amSabbat V Als Rabbi das hörte, rief er erzürnt: Wer ist das, der es wagt, uns im eigenen Hause znrechtzuweisen? Rabbi Me'ir lief schnell davon, und als Rabbi ihm nacheilte, sah er den Stücken Rabbi Meirs. Darauf beziehe sich der obenerwähnte Ausspruch Rabbis. Beide Erklärungen sind schwer verständlich. Es möge uns daher vergönnt sein, eine andere Deutung zu versuchen. Als Mosch eh (II. B. M., C. 33, V. 18) zu Gott betete: Zeige mir doch Deine Herrlichkeit! da sprach der allmächtige Gott: Ich will vorüberziehen lassen alle Meine Güte an Deinem Angesichte; und Ich werde riifcff mit Namen „Haschern", vor Dir, und Ich werde begnadigen, den Ich begnadigen werde, nnd Ich *) II. rheil.