Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40« Zettel in jüdischer Schrift zukommeu zu lassen, worin stand, sie bitte um Gotteswillen, man möchte Alles anwenden, sie aus der peinlichen und unerträglichen Situation zu befreien. (Hört! Hört!) Polizei und Justiz haben den (Eltern ihren Dienst versagt, und die Mutter in ihrer Bekümmernis; wendete sich au den, in dessen Macht ihre Tochter sich befindet. Der Staat war ohnmächtig, sie wendete sich an die Kirche, sie ging zu Pater Eberhard und bat ihn thränenden Auges, ihr zu sagen, was denn mit ihrer Tochter geschehen sei. „Woh'.an, das sollen Sie wissen, unter einer Bedingung, wenn Sie sich vorerst taufen lassen!" (Hört!) Tie Mutter hat der Versuchung widerstanden, sie konnte sich zu einer religiösen Heuchelei nicht hcrgebcn, und zur Strafe dafür wird ihr bis heute ihr Kind vorenthalten. Darf so etwas in Oesterreich Vorgehen? Ist diese eigenartigcDehandlung bei den Gerichten nicht cinHohn ans die Justiz? Stimmt das mit jenem Grundsätze überein, welcher so oft von der Regkernngsbank uns zugerufen wurde, mit den Principien des „gleichen Rechtes für Alle"? (Bravo! Bravo!) Justizminister Dr. Freiherr v. Prazak: Wenn die Herren, welche irgend eine Beschwerde haben, die Güte haben würden, mid) davon zu verständigen, auch. nur im Privatwege, so wäre ich gewiß geneigt, jene Auskünfte zu geben, die ich von den Gerichten verlangen kann. Der Herr Abg. Dr. Menger hat eine Reihe von Fällen angeführt, auf welche einzugchen und zu antworten ich durchaus nicht im Stande bin. Ich kann versichern, daß ich diese Fülle erheben lassen und das Geeignete veranlassen werde, wenn Grund zu Beschwerden Vorgelegen ist. Was den Fall betrifft, welchen der Abg. Dr. Bloch jetzt erwähnt hat, so hat er am 1:4. d. M. mir ein Promemoria überreicht, welches ungefähr dasjenige enthalten hat, was er jetzt ansführte — jedoch ohne jenen Beisatz, welchen er am Schluffe seiner Rede gemacht hat. Ich habe mir nur einfach diesämmtlichen Akten, welche auf diesen Fall Bezug haben, durch das Ober-Landesgericht Krakau kommen lassen; dieselben sind gestern eingelangt, und so weit es mir zu constatiren möglich war, kann ich zu den Ausführungen des Abg. Dr. Bloch nur sagen, daß allerdings das Bezirksgericht Niepolomice den Auftrag gehabt hat, die Vermißte, wenn sie sich findet und nicht triftige Gründe zur Veranlassung ihrer Entfernung angegeben werden, im Wege der dortigen Gemeinde au den Magistrat in Krakau abzuliefern. Hierauf hat das Bezirksgericht am 12. April ISS.'i geantwortet, daß die obige Amtshandlung nicht vorgenommen werdet! konnte, weil nach Gingabe der Klostervorsteherin in Stanieski Rachel Stieglitz daselbst nicht verblieb. Weitere Schritte wurden nicht unternommen. Es scheint daher, daß in der That von Seite des Vaters, welcher die Requisition zu machen berechtigt ist, wegen Zustandebringung der entwichenen Tochter seit jener Zeit nicht veranlaßt wurde. Ich werde aber trotzdem, nachdem ich aus den Akten die Auskunft über das, was jetzt insbesondere erwähnt wurde, nicht entnehmen kann, eine abermalige Vernehmung veranlassen und dasjenige, was ich in der Richtung erfahren werde, dem Hanse zur Kenntnis bringen. Es kann ja fein, daß feit jenem Augenblicke von Seite des Vaters kein weiterer Schritt bei den Gerichten eingcleitet wurde. Ich müßte mich sonst darüber sehr wundern, daß das Ober-Landesgericht Krakau mir unvollständige Akten geschickt hat. Ich werde übrigens, wie ich bereits bemerkte, den Fall weiter erheben und feststellcn lassen. (Bravo! rechts.) Aus Wien wird gemeldet, daß die Staatsanwaltschaft den Aufruf der antisemitischen Partei in Angelegenheit der Gemeinderathswahlen konfiszirte und gegen die Unterzeichner gerichtliche Schritte einleiten wird. Brunn, 16. März. Die heute stattgehabte Delegirten-Versauunlnng zur Verwaltung des jüdischen Landesmaffefonds beschloß einstimmig, daß Vorbereitungen zur Gründung eines jüdisch-theologischen Proseminars in Brünn einzuleiten seien, und bewilligte vorläufig einen Beitrag zur Eröffnung eines Vorbereitungscurses. Budapest, im März. Der Rcgimentsarzt Dr. Joses Resofßky wurde heute Nachmittags unter großem militärischen Pomp bestattet. Im Trauerhause, Waitzner-Bonlevard 50, waren unter Führung des Korps-Artillerie-Directors GM. Dumonlin zahlreiche Stabsoffiziere und Oberoffiziere und die Militär-Eleven erschienen, welche ihrem allgemein verehrten Kameraden beziehungsweise Ehef die letzte Ehre erwiesen. An der Bahre hielt Prediger Dr. Samuel Kohn eine gehaltvolle Trauerrede. P a l ä st i u a. Jerusalem, 1«. Adar. Wieder wurde die heilige Stadt mit dem Besuche eines sehr hohen Gastes beehrt. Dieser Tage traf der Erzherzog Franz Ferdinand, ein Neffe des österreichischen Kaisers dahier ein. Heute wurden ans Vorschlag und durch den hiesigen k. k. osterr. ungar. Eonsul, Herrn Ritter von Strauß mehrere hervorragende Mitglieder der osterr. ungarischen jüdischen Eolonie, worunter auch Herr Rabbi Samuel Salant, und die Vorsteher der Ntigarischetk israel. Gemeinde, die Herren Rabbi