Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. , Beilage ju Nr. 24 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. März. Justus alias Brimann verhaftet! Wie jubelte alle Welt auf, als uns der elektrische Draht die frohe Kunde brachte, daß „Rabbiner" Brimann, der elende Verleumder Justus und zugleich der gemeine Betrüger Dr. Augustus Brimauus in Graz verhaftet worden sei. Bedeutet doch diese Verhaftung den Bankerott des literarischen Theils der antisemitischen Bewegung, waren doch aus der Feder von Justus sämmtliche Hetzschriften der lebten Jahre geflossen, stand doch dieser Tartüffe im festen Solde des Jesuitcnpaters Rohlin g. Das „Neue Wiener Tageblatt" und nach ihm, viele andere Zeitungen bringen spaltenlange Berichte über das romantische Vorleben des Hochstablers. In denselben wird gesagt, daß er das Berliner Rabbiner-Seminar besucht habe; natürlich ist das nicht der Fall gewesen, da das Seminar bekanntlich nur junge Zöglinge anfnimmt, welche das Abiturientenexamen bestanden haben. In Bezug ans sein Verhältnis; zu Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer verweisen wir auf den einzig richtigen Bericht, welchen der „Israeli" bei der Besprechung der Meisterfchrift des Herrn Dr. Hoffmann brachte. Auf Seite 106 dieser Schrift sagt der Verfasser: „Justus ist somit ein ehrloser Fälscher und Verleumder. Dabei bleibt es." Diese Behauptung hat sich nunmehr als buchstäblich wahr erwiesen. Das Köstlichste bei der ganzen Geschichte ist es nun, daß augenblicklich in Münster eine Hetzschrift „Katechismus des Judenthums" von Dr. Eck e r erscheint, die ein w ö r t l i ch e r A b d r u ck d e s „Judenspiegel" von Justus ist. Den elenden Verleumder hat nunmehr die Nemesis ereilt. Das Hetztrifolium Rohling-Justus-Ecker ist nm einen würdigen Genossen ärmer, die Geschichte der antisemitischen Bewegung im neunzehnten Jahrhundert um einen sehr werthvollen Beitrag reicher geworden. Wronke snpn t.d^ '3 dv. Endlich, nach beinahe zweijähriger Vacanz, ist der hiesige Rabbinerfitz wieder besetzt; und zwar wurde für denselben Herr Ein. Lichteuftein, bisher Rabbiner in Kobplin, von hiesiger Gemeinde gewählt und hat derselbe auch bereits am 8. d. M. seinen Posten hier angetreten und -öjjn p"tr2 seine Antrittsrede gehalten, wobei er nns die schönsten Beweise seines umfangreichen Wissens auf dem Gebiete der n-m D'arno und seiner vorzüglichen oratorischen Gewandtheit lieferte. Herr Em. lichteuftein gehört der strengorthodoxen Richtung an — v"p2 hnji rm nw — und ist auch als gewiegter Talmudist nicht unbekannt, so daß die hiesige Gemeinde zu ihrer Acquisition sich bestens gratuliren kann. nbv Oesterr. - Ungar. Mouarchie. Wien, 19. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachte Abg. Dr. Bloch deii Fall zur Sprache, daß vor drei Jahren dem Tapezierer Stieglitz in .Krakau feine fünfzehnjährige Tochter aus dem Hause verschwunden ist. Die Polizei hat sich keine Mühe gegeben, dem räthselhaften Verschwinden auf die Spur zu kommen. Als die Mutter in Erfahrung brachte, daß das Kind in einem Kloster bei Wieliczka sei, reiste sie dahin und bat, man möchte ihr wenigstens gestatten, allein mit ihrer Tochter eine Unterredung zu haben. Die Oberin hat dieses Begehren abgeschlagen; sie erfuhr aber, daßPater Eberhard in K rakau das Mädchen dorthin entsendet habe. Als Pater Eberhard nun erfahren hatte, daß die Eltern dem Kinde auf die Spur seien und sich um dessen Rettung bemühen — ich sage „Rettung", denn Sie werden, welcher Eonsession immer, zugeben müsse», daß die Eltern, wenn sie ein Kind erzogen haben, es sich nicht ohne Kampf entreißen lassen — so brachte er es anderswohin, von wo aus bisher zu den Eltern keine Spur gedrungen ist. Rachel Stieglitz wird aber bis heute ihren Eltern vorenthaltcn, sie wird von Ort zu Ort geschleppt, bis sie so präparirt ist, daß sie nicht mehr wird zurückkehren wollen. Und dem entsprechen auch die eigenartigen Maßnahmen der Polizei und der Justiz. Im Dccember des Jahres 1888 hatte Pater Eberhard Rachel Stieglitz wieder einmal nach Krakau kommen lasset!, und zwar — wie dies immer geschah — nicht in ein Kloster, sondern in ein Privathaus. Nun gelang es beut Mädchen durch Bestechung eines Wärters, den Eltern einen