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Der Israelit · 1885-03-23 · Heft 23 (23.3.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 23 (23.3.1885)
Date
1885-03-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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391 gestiftet hat. Außerdem erscheinen als Stifter der Staat, die Kronländcr, Gemeinden, Geistliche, Advokaten, Aerzte, Guts- und Hausbesitzer, Beamte. Was den Zweck der Stipendien betrifft, so sind 201 Percent der gesammtcn Stiftungs-Kapitalien für Universitäten, 9.1 Percent, für Technik, 9.5 Percent für Mittel- und Hochschulen, 5.7 Percent für Mittelschulen, 7.8 Percent für Gymnasien, 1.4 Percent für Realschulen und 27.5 Percent für Studirende und Schüler ohne Unterschied der Anstalt gewidmet. Interessant ist die Beziehung der Stiftung zu der Frage nach der Heimathsberechtignug, Nationalität und Confession. Während der Gesammtbetrag der Sttstungen in Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien ausschließlich für solche Studirende bestimmt ist, die in diesen Ländern hcimathsbcrechtigt sind, sind von den in Wien errichteten Stipendien 95 Percent für Schüler aus allen Ländern des Reiches bestimmt. Rur bei 44 Stipendien bildet die Confession ein besonderes Erfordernis, und zwar sind 24 Stipendien für römisch-katholische Schüler, 4 für griechischkatholische, 1 für evangelische, 9 für christliche Schüler überhaupt und 6 für israelitische Schüler bestimmt. Rußland. Petersburg. Die hiesige „Deutsche Zcitnng" schreibt: Das jüdische Waisenhaus auf Wassili- Ostrowo, IO Linie Nr. 35, wurde begründet im Jahre 1872 durch die verstorbene Frau Baronesse Anna v. Günzburg. Die Uranfänge dieser segensreichen Stiftung sind aber bereits ins Jahr 1865 zu verlegen und zwar in Folge der Initiative alter ausgedienter Soldaten und der thätigen Unterstützung des Lehrers Herrn Bermann, der überhaupt der erste Pionier in dieser Gemeinde war von dessen eigentlicher pädagogischer Thätigkcit wir unten zu sprechen kommen. 1866 gab cs bereits 50 Waisen oder von ihren Eltern verlassene Kinder, für deren Kinder Unterbringung namentlich durch die hochherzige Unterstützung der Baron Güuzburg'schcn Familie, sowie durch anderweitige Collcctcn gesorgt wurde. Herr Bermann erwirkte cs durch die Liberalität des damals kommandireudcn Generals v. Höschelmanu, daß den jüdischen Waisenkindern eine leer stehende Kaserne an dcr Ssassojtow'schen Brücke unentgeltlich eingeräumt wurde. Dort errichtete auch Herr Bermann die erste Schule für die Waisen. Als endlich Militär wieder einrückte und die neu angewiesene Schützen-Kaserne doch etwas zu entfernt von dcr Bcrmann'schen Schule sich erwies, miethete der verstorbene Baron Günzburg in der nächsten Nähe derselben die nöthigen Lokalitäten und unterhielt das Ganze ans eigenen Mitteln, bis im Jahre l872 Herr Baron Horace von Günzburg das heute der Waiscnanstalt gehörige Grundstück erwarb. Die Anstalt zählt gegenwärtig 83 Kinder — 47 Mädchen und 36 Knaben, die sich einer vorzüglichen körperlichen und geistigen Pflege erfreuen. Tie Wohnungsränme, die Schlaf- und Arbeitsstätten, das Rekreationszimmcr, Badestube, Küche — Alles — ist splendid ausgcstattet. Nichts fehlt, um diese Anstalt zu einer der besten philanthropischen Stiftungen der Residenz zu machen. In dem schönen Schulzimmer für Mädchen fand ich einen Webstuhl, au dem 6 Mädchen eifrig an einem Teppich webten und auch sonst waren alle Mädchen mit nützliche» Handarbeiten beschäftigt, worunter einige mit Nähmaschincnarbcit. Alle haben ein ziemlich gutes Aussehen, sind einfach, aber reinlich gekleidet und tragen gar nicht das in solchen Anstalten gewöhnlich herrschende Wesen an sich, sondern sind im Gegcntheil recht munter und offen. Man sieht, die Kinder fühlen, daß sic hier eine Heimath gefunden und sind glücklich. Das ist jedenfalls dcr Einfluß des gegenwärtigen Hausvaters,. Herrn Isaak Kubisch, eines Mannes von sehr würdiger Vergangenheit, der ganz in seinem Beruf anfgeht und in der Kinderwelt ganz daheim ist. Eine bessere Acquisition hätte die Anstalt nicht machen können, nur scheint mir, daß ihm etwas zu viel zugemuthet wird. Das die Aufsicht führende Damencomitä kommt seinen Lcrpflichtnngeu in dcr schönsten Weise nach und es verdient das höchste Lob, wie einige dieser Wohlthäterinnen, die regelmäßig alle Woche diese Anstalt besuchen, sich ihrer herrlichen preiswerthcn Aufgabe unterziehen. Ich will keine Namen nennen, um nicht nach der einen oder andern Seite zu verletzen, aber eine Dame vor Allen hätte es schon verdient, daß ich sie hier öffentlich neune. Wollte Gott, daß dieses schöne Beispiel praktischer Thätigkcit auch in der Provinz Nacheiferung finde, wo cs gar so trübe aussieht und die Noth und das Elend so schrecklich sind. — Für die Waisenknaben ist erst in jüngster Zeit das große nebenan liegende und ursprünglich als Werkstätte zur Heranbildung jüdischer Handwerker bestimmte Haus erworben worden, dessen Einrichtung noch nicht ganz vollendet ist, und wozu Herr Baron v. Günzburg das größte Opfer brachte. Es werden daselbst auch praktische Werkstätten eingerichtet und im oberen Geschosse befindet sich eine Synagoge, die ein wahres Unicum einer gottgeweihten Stätte ist. In Allem ist das Walteil einer praktischen und umsichtigen Hand verspürbar. Ich kann nicht sagen, daß die Kinder, wie von gewisser Seite eingewandt wird, über die Verhältnisse

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