Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1885)
- Date
- 1885-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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390 Studien" zu einem Pfarrer im Sächsischen dirigirt worden sei. Das war jedoch nicht der Fall. Inzwischen wurde bekannt, daß Dr. Briemann mit Dr. Justus identisch sei. Wir haben ihn bis heute nicht gefunden." Das ist nicht zu verwundern; denn Briemann verschwand bald von dem Schauplatze seiner protestantischen Thätigkeit und trat zum Katholicismus über. Er verfaßte unter dem Pseudonym Dr. Justus den berüchtigten „Judenspiegel", eine Zusammenstellung angeblich christenscindlicher Stellen im Talmud. Interessant für die „Brauchbarkeit" Briemann's ist folgende Thatsache; Eine preußische Zeitung war wegen des Abdruckes von Stellen ans dem „Jndenspiegel" von der Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung einer staatlich anerkannten Religions-Genossenschaft in Anklagczustand versetzt worden. Bei dem Processe, welcher dem Blatte gemacht wurde, fungirte der Professer der orientalischen Sprachen an der Universität Münster als Sachverständiger. Nachträglich verfaßte er eine „objective Beleuchtung" des „Jndenspiegels". An dieser „objectiven Beleuchtung" eines von ihm selbst verfaßten Werkes hat nun Briemann» selbst gearbeitet. Wir haben schon erzählt, daß er in Oesterreich zu einigen hohen kirch- Fnnctionäreu in intimere Beziehungen trat. Gr hatte sich hoher Protection zu erfreuen; so sollte in Innsbruck eine von ihm zu verfassende Uebersebnng des Talmud unter hoher Aegide erscheinen. Dazu kommt es nicht. Wohl hat er aber seine Anwesenheit in Innsbruck dazu benützt, sich dort zu verloben. Bon Wien aus richtete er jedoch an seine Jnsbrncker Braut ein Schreiben des Inhalts, daß er ihr die Freiheit gebe, da er sich die Sache inzwischen überlegt und eine Andere heiratheu wolle. Er hat auch einige andere schmutzige Schwindeleien verübt, über die sich vorläufig noch nicht berichten läßt. Es ist jedoch in Anbetracht seiner interessanten Vergangenheit nicht zu zweifeln, daß mau bald mehr von seinen Thaten hören wird. — Von anderer Seite wird uns geschrieben: Briemann entfaltete gleich nach seinem Uebertritt zur katholischen Kirche eine eifrige propagandistische Thätigkeit am Paderborner Bonifacins-Jnstitnte, einer jesuitischen Mission, die eine ihrer Hauptaufgaben kn der Verfassung und Verbreitung anti-protestantischer und anti-semitischer Schriften sieht. Bei seiner Verwendbarkeit fehlte es ihm nicht an hohen kirchlichen Gönnern, welchen er es auch wohl verdankt haben mag, daß ihm aus einem halbofsiciellcn Fonds für wissenschaftliche Zwecke zunächst der Betrag von 2000 fl. znfloß, wofür er sich erbot, sämmtliche Bücher des Talmud in der Zeit von drei Jahren zu übersetzen, ein Unternehmen, für welches, wie Fachgelehrte behaupten, kaum ein Menschenalter hinreichen würde. Briemann wollte aber die Schwierigkeiten dadurch spielend bewältigen, daß er eine große Anzahl von Stenographen zu seiner Hilfe herbeizog. Er fand wirklich Gläubige, welche dieses Mittel als genügend für die Bewältigung der von ihm übernommenen Riesenaufgabe hielten. Briemanu war übrigens herzlos genug, die armen Studenten, welche sich ihm als Stenographen gegen äußerst geringes Entgelt zur Verfügung stellten, um einen Theil ihres kleinen Honorars zu beschwindeln. Auch ein hervorragender Professor der Theologie an der hiesigen Universität wurde durch Briemann arg getäuscht. Der Doppel-Renegat wußte sich die Gunst des arglosen Gelehrten in so hohem Maße zu erwerben, daß ihn derselbe in sein Haus zog, ihn ausgiebig unterstützte und ihm sogar eine Wohnung unentgeltlich zur Verfügung stellte. Alle diese Wohlthaten lohnte Briemann dadurch, daß er werthvolle theologische Werke, die ihm der Gelehrte zu den umfassenden Studien für orientalische Arbeiten zur Verfügung stellte, um Schleuderpreise verkaufte. Wien. Groß ist die Zahl der Stiftungen, die in Oesterreich seit jenen Zeiten, da man an Hochschulen und Gymnasien die humanistischen Studien zu pflegen begann, sowohl von Gönnern der Wissenschaft wie von humanen Freunden der Jugend für Studirende errichtet worden sind. Doch läßt sich die Zahl dieser Stiftungen, zumal jener aus älteren Zeiten, nicht genau bestimmen, da hierüber keine Aufzeichnungen bestehen. Erst seit dem Jahre 1876, als das Unterrichtsministerium den Auftrag gab, jede Errichtung einer neuen Stndentenstiftung zur Kenntnis; der Ceutral-Behörde zu bringen, läßt sich eine Statistik wenigstens bezüglich dieser neuen Stiftungen führen. Seit dem bezeichneten Jahre wurden in Oesterreich 211 Studentenstiftungen errichtet, welche ein Gesammt-Kapital von 1,627,036 fl. besitzen; dieselben ergaben einen jährlichen Zinsenertrag von 76,860 fl., von welchem 450 Stipendien bestritten werden, so daß durchschnittlich ein Stipendium jährlich 170 fl. beträgt. Der größte Theil dieser Stiftungen wurde in Niederösterreich, respective in Wien errichtet, nämlich 34 Stiftungen mit einem Kapital von 577,530 fl. Was die Persönlichkeiten der Stifter anbelangt, so steht obenan der .Kaiser, welcher bekanntlich aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares und der Hochzeit des Kronprinzen 45 Stipendien zu 300 fl. in Gold für Hochschnler der österreichischen-ungarischen Monarchie ohne Unterschied der Nationalität und Eonfession