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Der Israelit · 1885-03-19 · Heft 22 (19.3.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 22 (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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371 Witten in Westfalen, l!. März. Ter Antisemitismus, der in hiesiger Stadt in hoher Blüthc stand und durch den Dr. med. König gepflegt wurde, hat einen argen Stoß erlitten: denn Herr Dr. König wurde heute wegen Beleidigung eines Israeliten zu 200 M. Geldstrafe verurtheilt. Er hatte in einem öffentlichen Vorträge im August verflossenen Jahres behauptet, der Kaufmann M. Lindenbaum hier stelle oft Maaren in böser Absicht den Lieferanten zur Verfügung, um niedrigere Preise zu erzielen. Es waren spcciell zwei Fälle genannt worden, die, wenn sie wahr, den Lindenbanm arg schädigen konnten. Durch die Gerichtsverhandlung wurde nun fcstgeftellt, daß an der ganzen Geschichte kaum ein wahres Wort, und der Führer der Antisemiten, der die Judenfrage nach seiner Angabe vom ethischen Standpunkte behandelt, faule Wirthshansgespräche zur Grundlage seiner Angriffe gemacht hatte, um den „Inden" eins zu versehen. Im übrigen hatte Hr. Dr. König Alles zusammengcsucht, 'um dem Lindenbaum etwas auhängen zu können aber das Alles konnte ihn nicht von der Vcrnrthcilung retten. Das Gericht legte ihm auch die Kosten der gesammtcn Verhandlung zur Last. Hannover. Durch die Berufung des.Herrn Dr. Prager zum Landrabbincr in Cassel werden in unserer Gemeinde die beiden von demselben verwalteten Stellen, die des Oberlehrers (Leiters) an der diesigen Gemeinde-Religionsschule, sowie die des Direktors der Bildungs-Anstalt für jüd. Lehrer vacant werden. Die Ausschreibung wird demnächst erfolgen, und eine möglichst baldige Besetzung erstrebt werden. Es soll, wie wir ans zuverlässiger Quelle hören, die Bereinigung beider Stellen wieder in Aussicht genommen sein, um das Einkommen zu erhöhen und dadurch bewährte und tüchtige Schulmänner zur Bewerbung zu veranlassen. Von Seiten des König!. Provinzial-Schnl-Eolleginms dürfte, sofern geeignete Bewerber austreten, die Zustimmung zu dieser Vereinigung zu erwarten sei». E n g l a n d. London. Herr Gcdaljah hat zur Erinnerung an den vor Kurzem verstorbenen, judenfrcundlichcn Fürsten Demidow San Donato eine Brochüre in englischer und französischer Sprache hcranSgegeben. Bekanntlich ist dieser Fürst in einer ausführlichen Schrift in Bezug auf „die russische Judenfrage" in entschiedener Weise für die Juden eingetreten und hat alle gegen dieselben erhobenen Anklagen der Judenfeinde aufs schlagendste widerlegt. Im Pariser „Figaro" wurde ein Schmäharlikel gegen den Verstorbenen veröffentlicht, auf welchen die Schriftsteller::! Frau I. Adam erwiderte und nachwies, daß der Fürst die letzten l 7 Jahre seines Lebens nur der Wohlthätigkeit gewidmet hat. Diesen Brief hat Herr G. zur ehrenden Erinnerung an den Fürsten in's Englische übertragen. In London hatte sich ein Eomitö gebildet, welche« beauftragt war, die Lage der sich daselbst anfhalteuden russischen Juden zu prüfen und Vorschläge zu machen, wie dieselbe zu bessern sei. Der Präsident des EomitLs, Baron Rathaniel v. .Rothschild, hat nunmehr seinen diesbezüglichen Bericht veröffentlicht, in welchem constatirt wird, daß die über die russischen Glaubensgenossen in London verbreitete schlechte Meinung bezüglich ihres religiösen und moralischen Lebens ganz und gar übertrieben ist, das; dieselben vielmehr ernster, religiöser Gesinnung, streng sittlich sind und namentlich daS lobeuswerrhe Bestreben haben, ihren Kindern eine gute Bildung zu geben. Diese Eigenschaften geben dem Eomitü Anlaß, für ihre weitere Hebung durch Unterricht und sonstige Mittel zu sorgen und die üblen Gewohnheiten, die sic ans ihrem Batcrlande mitgebracht, nach und nach zu beseitigen. London. Die portugiesische Gemeinde hat am letzten Sonntag den Beschluß gefaßt, die bisherigen Synagogen in Bcvis Marks und Heneage zu veräußern, rcsp. nicdcrzulcgen und zwei neue Gotteshäuser im West-End und East-End zu erbauen. London. Das vereinigte Damen-Visitations- Eontitü ließ im Laufe des Winters durch arme jüdische Mädchen und Frauen eine große Anzahl Kleidungsstücke anfertigcu. Durch diese Einrichtung hat dasselbe bezweckt, daß viele Arme, die foiift; weil arbeitslos, fortwährend mit Geld unterstützt werden mußten, ans diese Weise sich durch ihrer Hände Arbeit, wenn auch kümmerlich, aber redlich ernähren konnten. Die Kleidungsstücke sind seitens dcS Eomitös in der Jew'S Free-School ausgestellt und sollen daselbst zu annehmbaren Preisen verkauft werden. Rußland. Petersburg. Die Polizeibehörde hatte neuerdings zwei Juden, wovon einer Kaufmann erster Gilde und der andere Handwerker ist, ausgewiesen. Auf die Appellation an den Senat hat btcfcr die Ausweisungsbefehle inhibirt.

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