Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 20 (12.3.1885)
- Date
- 1885-03-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Beilage?tt Nr. 20 des Israelit. Jeitnngsnachrichten und (Torrespsudettzen. D c u t f ch l a » d. Mainz, l l. März. In der-verflossenen Nacht wurden die Bewohner unserer Stadt durch Fenerlärm allarrnirt, Trompeter bliesen das Feuersignal und die Sturmglocken sandten ihre aufregende Klänge durch die stille Nacht. Die aus ihren Betten aufgescheuchten Bewohner der Stadt eilten an die Fenster, und: „Wo brennt's denn 2" wurde hinnntergernfen. „In der Mazzekistc!" lautete die sonderbare Antwort. Biele Glaubensgenossen meinten, man wolle sie verhöhnen, und schlugen voll Zorn die Fenster zu. In der That existirt hier ein Haus, welches seit Jahrhunderten „die Mazzckistc" genannt wird. Da« Merkwürdigste dabei ist, daß dasselbe in einem Theile der Stadt liegt, in welchem bi« vor wenigen Jahren Juden nicht gewohnt haben. Es wäre interessant zu erforschen, wie so dein nunmehr niedergebrannten Hanse der sonderbare Name ist beigclegt worden. Bad-Nauheim, -1. März. In Nr. 1<; Ihres gesch. Blattes, bitte ich zu berichtigen, daß der Arzt nicht Dr. med. Theodor Lehrt, sondern Dl. Schott heißen soll. M. Grün b an m. Berlin, n. März. Gestern beging der Mitinhaber de« Handlungshanfes N. Israel, Herr Jacob Israel, sein fünfzigjährige« Kaufmannsjnbiläum. Tiefes seltene Ereignis;, tvelches in den weitesten Schichten der Bevölkerung Aufsehen erregte, gewinnt noch dadurch eine desto größere Bedeutung, daß das genannte Hau« bekanntlich zu den wenigen bedeutenden Firmen der Residenz gehört. welche am Sabbat und Festtagen ihr Geschäft geschlossen halten. Der Jubilar, ein Schwiegersohn de« Oberrabbiners Dr. Adler in London, hat diesen Festtag durch eine ganze Reihe wohlthätigcr Stiftungen eingeweiht. Bor einigen Wochen theiltcn wir bereits' mit, daß Herr Israel eine „Jakob- Minna-Jsrael-Stistung" von 21000 Mark bei der jüdischen Alterversorgungsanstalt begründet. Meiler hat derselbe zu der „Kaiser-Wilhelm-Angnsia-Stiftnng" aus Anlaß seines Jnbiläuuls 12000 Mark gespendet. Die „Jakob Auerbach'sche Waisen-Erziehungsanstalt" erhielt 2-woo Mark, die Synagoge an der Potsdamer Brücke, wo bekanntlich Herr Dr. SalomonEohn, Docent am Rabbiner-Seminar, als Rabbiner fungirt, 20,000 Mark. Sodann hat Herr Israel das Krankenhospital in Kolberg und noch andere Institute und Wohlthätigkeitsanstalten mit namhaften Legaten bedacht. Am gestrigen Tage slntheten von früh bis spät die Gratulanten in die fürstlich eingerichteten Privaträume des Jubilars, welche in einen Blumengarten verwandelt waren. Auch Oberrabbiner Stern war aus Hamburg herbcigeeilt, um seinem Schwager persönlich seinen Glückwunsch zu überbringen. Als Vertreter des mehrere Hundert Köpfe zählenden Personals überbrachten fünfzehn Herren eine kostbare, kunstvoll ausgeführte Adresse und ein lebensgroßes, von einem unserer ersten Künstler verfertigtes Oelgemälde, das den Jubilar in der stereotypen Stellung darstellt, welche er gewöhnlich am Gingange seines Geschäftes einnimmt. Ans Rah und Fern waren von Kunden und Fabrikanten Telegramme, Adressen und sinnreiche Geschenke eingelansen. Wir erwähnen u. a. eine massive, goldene Säule, die allein einen Werth von vielen Tausend Mark repräsentirt. Wie verlautet, dürfte dem Jubilar vom Kaiser der Charakter eines Eommerzienrathes verliehen werden. Die eigentliche Feier des Jubiläums findet erst am Sonntag den 22. statt. Gin Souper von 400 Gedecken wird den Jubilar mit seinem Personal und persönlichen Freunden im Kaiserhof vereinen. Darall schließen sich historische Aufzüge, Festspiele u. s. w., wozu Herr Israel 00,000 Mark bewilligt hat. Auch wir bringen dem Jubilar, welcher im viernndsechzigstcn Lebensjahre steht, zu seinem Ehrentage unseren herzlichsten Glückwunsch dar. Berlin, i>. März. Aus K i e w wird dem „B. B. E." über einen Vorgang berichtet, der dort viel besprochen wird und für die russischen Verhältnisse charakteristisch ist. Der Gouverneur General Drentelen hatte nämlich eine Verfügung erlasse», des Inhalts, daß in die Administration und Ärectioit der Kiewer Bodencreditbank - die für die Gonvernements Kiew, Bolhynien und Podolien von gleicher Wichtigkeit ist - nur orthodex griechische