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Der Israelit · 1885-03-12 · Heft 20 (12.3.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 20 (12.3.1885)
Date
1885-03-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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aufgeschlagen war. Zelte waren errichtet, aus denen grimmige Gesichter hervorlugten. In der Mitte des Platzes brannte ein mächtiges Feuer, auf welchem ein großer Kenels stand. Mehrere -Frauenzimmer hantierten an demselben herum, (fine der Frauen lief Fever entgegen. „Da bist Dn endlich, mein Geliebter/ sprach sie. „Das lassen ist fertig, und wir haben mit der Mahlzeit nur ans Dich gewartet." Jetzt erst bemerkte sie den Fremden und schaute ihn verwundert an. „Es ist ein Freund," sagte Fever, „der einige Tage bei uns verweilen will und den ich Deiner Fürsorge empfehle, Marie. Er ist ein Jude und darf miierc Speisen nicht genießen, .vast Dn vielleicht etwas neues, ungebrauchtes Kochgeschirrs" ..„Ich habe eine Pfanne, die Jockel gestern aus der Stadt mitgebracht har, ganz frisch vom Krämer und noch ungebraucht: ebenso einen irdenen Topf."" „So gib Beides unserem Freunde Moses da: er kann sich in der Pfanne Eier oder Pfannkuchen backen und in dem Tops Kartoffeln sieden. So braucht er doch nicht von Wasser und Brod allein zu leben. — Und Ihr, Moses, dürft dieses Lager nicht verlassen. Sowie Ihr einen Versuch macht, Euch ohne meine speciclle Erlaubnis; zu entfernen, werdet Ihr niedergeschoilen, merkt's Euch!" Unterdes; waren die Spießgenossen Fever's von allen Seiten herbcigekommen. Es waren wohl dreißig Mann. Sie betrachteten neugierig den Fremden. „Es ist ein Freund," sprach Fever zu ihnen, „und unser Gast. Leid freundlich mit ihm und lhut ihm kein Leid. Neckt und höhnt ihn auch nicht, wenn er seine religiösen Eeremonien beobachtet. Wenn er aber den Versuch machen sollte, ohne meine Erlaubnis; entweichen zu wollen, so schießt ihn nieder!" Tie Frauen richteten das Mahl für die ganze. Bande her. Ein langer, schmaler Tisch wurde herbeigeholt, Bänke wurden hingeftellt. Es gab weder ein Tischtuch, noch Teller, noch Servietten, noch Gabeln, nur große Schüsseln und hölzerne Lössel; ein Messer zog jeder Räuber ans der Tasche und legte es vor sich nieder. Mit den hölzernen Löffeln, welche die Stiele an der Seite hatten, langten die Räuber in die dampfenden Schüsseln. Als die Suppe verzehrt war, wurden gebratene Rehziemer aufgelrageu. Der Wald lieferte Wild genug. Ein Jeder schnitt sich herunter, was ihm beliebte. Auch die Frauen und einige minder, die der Bande zugchörten. erhielten ihren Aniheil. Dann wurde Bier und Branntewein anfgcUscht, und lustige Gesänge wurden angcstimmr. Wenn das Dichterwort: „*iOo Tu finden hörst, da laß Dich ruhig nieder, „ i'ofc Menschen haben keine l'ieber!" wahr ist, so muß wohl die Fetzer'sche Räuberbande ans lauter guten Menschen zusammengesetzt gewesen sein. Während die Räuber lustig tafelten, hatte Moses das Abendgebet verrichtet; dann trat Marie zu ihm, übergab ihm die neue Pfanne und den neuen Topf: auch Eier, Butter, Salz, Brod und einen Krug Bier. Er bereitete sich sein Nachtmahl und verzehrte es mit großem Appetit. Nachher trat Fever zn ihm und führte ihn in ein leeres Zelt. „So," sagte er, „das ist Eure Wohnung, so lange Ihr bei uns bleibt. Macht's Euch bequem, .vier ans der Streu schläft es sich sehr gut in der heißen Sommernacht. Mit der wollenen Atult hier könnt Ihr Euch zudccken. Schlaft wohl! Ich habe es nicht so gut. Ich muß noch heute Nacht auf die Arbeit gehen und zwar in Eurem Interesse." „„Ich bitte Euch nochmals,"" flehte Moses, „„thnt meinem Pflegevater nichts zn Leide!"" „Habt keine . Angst, Johann Fever hält stets, was er versprochen." Mit diesen Worten entfernte er sich. Mosctz sprach mit großer Innbrunst das Nachtgebet. Er sollte schlafen mitten unter Räubern und Mördern! „In Deine Hand befehlt ich meinen Geist, mag ich schlafen oder wachen!"" betete er in heißer Andacht. Aber der Schlaf floh seine Angen. Die Ereignisse des Tages, das ungewohnte Lager, und namentlich der Gedanke, was wohl Fetzer mit seinem Pflegevater vorznnehmen gedenke, verscheuchten den Schlummer. Endlich schlief er ein, aber ein furchtbarer Traum quälte ihn. Er fühlte sich von Räubern gepackt und sah den Lauf einer Pistole auf sich gerichtet. Wild sprang er ans, hob den Vorhang seines Zeltes empor und trat ins Freie. Tiefer Frieden lag über dem Platze; nichts rührte und regte sich; kein Laut unterbrach die Stille der milden Sommernacht. Am Himmel funkelten die Sterne, und im Westen entschwand eben der nntergehende Mond. „Ucberall bist Dn bei mir, mein Gott!" sprach Moses vor sich hin, trat wieder in das Zelt zurück, warf sich auf das Strohlager und schlief bis znm anbrechcnden Morgen. Johann Fetzer war während der Nacht nach H. gewandert und hatte vom Schlosse an der Hansthnre Scholcms einen Wachsabdrnck genommen. Im Lager der Räuber befand sich eine vollständig eingerichtete Schlosserwerkstätle. und in dieser fabri-

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