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Der Israelit · 1885-03-05 · Heft 18 (5.3.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 18 (5.3.1885)
Date
1885-03-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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304 verlangt wurde, galt diese also zunächst der ersten Frage. Mit „Ja" stimmten die ganze Rechte und der größte Theil der anwesenden Mitglieder der gemäßigten Opposition, deren Majorität sich übrigens absentirt hatte. Aber auch von der Rechten waren viele, namentlich aristokratische und geistliche Mitglieder abwesend. Von katholischen '(geistlichen der liberalen Partei stimmten Latinovics, Rostahazh und Szcchenyi für und nur Joseph Kissovich gegen die Vertretung der Juden im Oberhause. Von der äußersten Linken gaben nur sehr Wenige, wie Helfy, Iranist und Hoitsy, ihr Votum für die Vertretung ab. Um 2 Uhr verkündete der Präsident folgendes Resultat: Von 453 Abgeordneten stimmten mit „Ja" 2 l 4, mit „Rein" 43, abwesend waren 135. Der erste Theil des Punktes d) im § 5 ist also mit einer Majorität von 171 Stimmen angenommen. Hierauf wurde über die Frage der Grncnnnng des jüdischen Vertreters abgcftimmt, und eine große Majorität sprach sich für dieselbe aus. Pcsth, 2. Mürz. Ter Rcichstagsabgeordnete Julius Verhovah ist in erster Instanz wegen Veruntreuung zu 1 \,’o Jahr Gefängnis; und 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Rechte, dessen Bruder Ludwig wegen Veruntreuung zu zehn Monaten Gefängnis; vernrtheilt worden. Pesth, 2. Mürz. Tie Gebrüder Verhovah wurden auch noch zum Grsatze der veruntreuten Summe heute vernrtheilt. Italien. Man zählt in Europa, in der asiat. Türkei, Amerika und Ausstralicn, all 70 jüdische Zeitungen, davon kommen auf Oesterreich allein 20. Vor kurzem ist der Herausgeber der „Gdncatore Jsraelitica," Herr Oberrabbincr lg. R. Levi in Vercelli gestorben. Rom. Ter Abgeordnete. Professor Morpurgo ist jüngst gestorben. Derselbe nahm in der Kammer eine wichtige Stelle ein; außer dem Präsidenten haben noch mehrere Teputirten die Verdienste des Verstorbenen um das allgemeine Wohl in beredten Worten betont. Unser Glaubensgenosse, Uldcrico-Levh wurde neulich als Tepntirtcr gewühlt. Derselbe, ein vielsacher Millionär. weis; von seinem Rcichthnm den rechten Gebrauch zu machen. So hat er seiner Vaterstadt Reggio eine halbe Million Lire zur Ginführung einer Wasserleitung geschenkt. F r a n k r e i ch. Paris. Wie recht unser Pariser Gorrespvndent hatte, als er vor einigen Monaten manche der Pariser Mohclim in Bezug ans ihre religiöse Führung tadelte, ergibt sich aus einem Schreiben des Herrn N. Levy aus Paris an die „Arch. Isr.", in welchen! er an die consistoriclle Administration die Frage stellt, ob sie, indem sic einen jüdischen Arzt als Mohel cngagirte, diese heilige Vorschrift zu einer bloßen chirurgischen Operation herabznstcmpeln beabsichtige? Herr Lcvh war Zeuge, daß dieser Arzt am Samstag per Wagen anlangte, die Operation vollzog und gleich darauf ein für das Kind nöthige Mittel, mir welchem die übrigen Mohclim sich tags vorher versehen, ausgeschrieben hat. Selbst der Unpünktlichkeit wird dieser ärztliche Mohel beschuldigt; am 15. Februar haben zwei arme isr. Familien vergeblich den Herrn Tr. zur Operation erwartet, und waren gezwungen einen andern Mohel zu holen. Ta ist wahrlich eine Acndcrung sehr von Nöthen. Paris. Tie Akademie für die medizinischen Wissenschaften hat Herrn Tr. Straus; in Anerkennung seiner angestelltcn Untersuchungen während der Gholeracpidcmie in Toulon im Jahre' 1834 einen Preis von 2000 Fr. zuerkanut. R u ß l a u d. Wilna. Vor ungefähr zwanzig Jahren wurde ein polnischer christlicher Gutsbesitzer Vater eines Mädchens, welches aber nicht von seiner Frau herstammtc. Gr galt als der tugendhafteste Mann des Landes, und wenn die Gristcuz dieses Mädchens bekannt worden wäre, wäre cs um seinen guten Ruf geschehen gewesen. Gr beauftragte daher ohne jeden Gewissensscrupel seinen isr. Pächter, das Töchtcrcheu zu beseitigen. In seiner Existenz bedroht, übernahm dieser zum Scheine diesen blutigen Auftrag. Während er seinem Herrn gegenüber sich stellte, alS wenn er seinen Befehl vollzogen, verbarg er das Kind und gab cs später auf den Rath des Rabbiners vonKowno einer isr. Amme, welche dasselbe auf Kosten des Pächters erzog. Das Kind wuchs heran, wurde ein schönes Mädchen und der Pächter, welcher cs adoptkrte, nahm es zu sich. Um jedem Argwohn zu entgehen, gab er es für ein Waisenkind eines seiner Verwandten aus. Unser Pächter hatte einen Sohn, auf welchen die Schönheit des Mädchens einen großen Gindruck machte

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