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Der Israelit · 1885-03-05 · Heft 18 (5.3.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 18 (5.3.1885)
Date
1885-03-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage ju Ihr. 18 des Israelit. Leitender Artikel. Hillige leicht zu vermeidende Zlrlachen der Zudenstehen. Bon Mrs. Boule, einer englischen Christin. <Älach dem Iewish (N-ronicle.) III?) Bor einigen Jahren wurden zwei neue Institutc gegründet zur Ausbildung junger Damen als Krankenpflegerinnen für Arme, und diese Institute sollten die vollständigste Toleranz zum Prinzip haben. Beide wurden von ganz besonders intelligenten Pcrfoucu geleitet. In beiden wurden Mädchen aller Eonfessionen als Zöglinge aufgcuommen, aber beide machten es zur Bedingung, daß jede Bewerberin sich zu irgend einem Glauben bekennen müsse. Tie Vorsteherin des einen der Institute gab als Grund für diese Bedingung an, daß ein Weib, welches keinen Glauben an einen Schöpfer hat, kaum die Bekenntnisse der Sterbenden mit anhören darf und wenn sie es doch thnt, bald ihre Gesundheit einbüßt unter dem Drange der beständigen Gefühls- Aufregnng. Sie sagte ferner, es sei nicht ihre Pflicht als Vorsteherin, sich darum zu bekümmern, welchen Glauben die Zöglinge haben, aber es sei ihre Pflicht zu verhindern, daß solche, die keinen Glauben haben, nicht ein so schweres und schmerzliches Amt übernehme», wie das einer Krankenpflegerin. —. Der sehr berühmte Arzt und Gelehrte, der die andere Anstalt organisiren half, gab eine Erklärung, welche ebenso bemerkcnsrverth ist. Gr sagte: „Gin Mensch, der über seinen Glauben keine klare Rechenschaft abgeben kanli oder will, mag unter besonderu Umständen ein fein fühlender und tiefer Denker sein, aber die große Mehrzahl solcher Leute hat man km Gegentheil immer unwillig zu lernen und unbefriedigend gefundell, und ihre Gegenwart in einem solchen Institut trägt nicht zum harnlünischen Wirken desselben bei." Wenn solche Meinungen ansgesprochen werden im Mittelpunkte der Liberalität und des vorgeschrittenen Denkens, so erregen sie Nachdenken. Gewöhnlich glaubt man. *) Schluß aus )!r. 13. daß Intoleranz und Indifferentismus einander entgegenstehen; aber weise Männer lehren uns, daß sie nur zwei verschiedene Gesichtspunkte derselben Krankheit sind, wie die Hitze und Kälte des Fiebers. Die Achtung für die religiöse lleberzeugung Anderer gründet sich nicht auf Gleichgiltigkeit gegen die Wahrheit, sondern auf den Besitz einer eigenen lleberzeugung, welche stark genug und uns lieb genug ist, um uns dankbar dafür zu machen, daß Andere sie in uns achten, selbst wenn sie sie nicht theilen. Der Mangel an eigenem Enthusiasmus erzeugt nicht eine besondere Toleranz für den Enthusiasmus Anderer, sondern eine Verachtung für Alle, die es ernst meinen, die oft ausartet in den Unwillen des Schwächlings gegen Alles, was nicht frivol ist. — Jede Race hat ihre Aufgabe im Leben, hat Im Thekl der Wahrheit, der ihr anvertrant ist, in seiner Form als concrete Doctrine unbeschädigt zu bewahren. Jede Wahrheit, welche so von einer Genossenschaft als Dogma anfbewahrt wird, hat eine moralische Essenz, welche sich durch Berührung mit andern Genossenschaften miltheilt, und so nnmerklich die Geister Derer dnrchdringt, welche sie nicht in dieser conereten Form halten. Jede Religion (in so fern sie rein und wahr ist), ist die Disciplkn einer Race, und befähigt sie, diejenige Wahrheit klar zu erkennen, welche in ihre Obhut gegeben ist. Wahre Toleranz beruht daher auf der Kenntniß der großen Wissenschaft über die Verschiedenheit der Menschen, und die thörichtell Versuche, Andere ihrem Glaube» untren zu machen, sind die Folgen der Unkenntniß dieser Wissenschaft. Diejenigen, welche sie ftudirt haben, halten mit intensiver Festigkeit an ihrer eignen lleberzeugung, aber sie erlauben auch Anderen, mit eben solcher Festigkeit an der ihrigen zu halten, denn sie wünschen das gegenseitige Verständniß herbeiznführen, welches nöthig ist zum gegenseitigen Wohlwollen. — Gemischte Schulen können, bei weiser Leitung, das Mittel werden zur Erziehung in wahrer Toleranz und gegenseitiger Achtung; aber ob sie diesen Zweck erreichen, oder die Onelle allgemeiner Verderbtheit und Zersetzung des Glaubens werden sollen, hängt davon ab, ob der Unterricht, den sie ertheilen, auf die Anerkennung oder die Nichtbeachtung dieser Lehre der Verschiedenheit der Menschen gegründet

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