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Der Israelit · 1885-03-02 · Heft 17 (2.3.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 17 (2.3.1885)
Date
1885-03-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage jtt Ar. 17 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon-enzen. D e n t s ch l a n d. Berlin, Februar, (yin Velcidigungsprozeß bei'iiflnfmainiC' Jakob ^lothenberg gegen den verantwortliche» Redacteur der „Staatsbürgerzcitung", Dr. Bachlcr, wurde heute vor dem Schöffengericht beim hiesigen Amtsgericht 1, verhandelt. Am 21. September v. I. erschien in dem genannten Blatte ein Artikel, in welchem ansgeführt wurde, daß im Vorstände eines gemeinnützigen Instituts — die Sanitätswache in der Blumenstraße war damit gemeint — im Osten Berlins, wie gewöhnlich, diverse Juden säßen. Auch die Kaffe befände sich in den Händen eines Juden. Dieser Schatzmeister hätte mehrfach stille Pleite gemacht, und weil ihm das stets gelungen sei, habe er es gegenwärtig noch einmal probirt, seinen Gläubigern einen außergerichtlichen Accord anzubieten. Pflichtgemäß . habe er dem Vorstande Mittheilung von seinen dcrangirten Vermögeusvcrhältniffen gemacht und um Abnahme der 5taffe ersucht. Als nun der Gefammt- Vorstand darüber beschließen sollte, hätten sich die Glaubensgenossen des Schatzmeisters, insbesondere der Vorsitznde, .Herr Rotherberg, ganz gewaltig dafür ins Zeug gelegt, die Kaffe in den bisherigen Händen zu lassen. (5ui Mitglied des Vorstands hatte aber den Vorschlag gemacht, daß, wenn die Kasse in den bisherigen Händen bleiben solle, die anderen Inden sich bereit erklären sollten, für jeden durch den Konkurs hcrbeigcführten Ausfall an Vermögen persönlich zu haften. Jetzt aber hätte sich die ganze Frivolität der jüdischen Gesellschaft gezeigt. Das für die Armnth bestimmte Gcsellschaftsvermögen sollte zwar bei dem .Kridar sicher geborgen sein, aber ihr eigenes Vermögen hielten sie nicht für sicher genug, um für einen Genossen Bürgschaft zu leisten. Das sei dem Vorstände denn doch zu stark gewesen und mit Ausnahme der Juden hätten die Mitglieder ciumüthig für Neuwahl eines Schatzmeisters und Abnahme der Kasse gestimmt. Ferner wurde in jenem Artikel mitgetheilt, daß bei dem Lokal- Gomite des „Vereins gegen Verarmung und Bettelei" im Stralaner Stadtviertel ein Gesuch um ein Darlehen von 700 Mark von einem armen Inden, der damit ein Geschäft habe gründen wollen, cingcgangen sei. Da Snnuncn von solcher Höhe von dem Verein nur in den allerseltensien Fällen bewilligt würden, so hätte der Bittsteller drei (nnpfehlungsschreiben zum Vorschein gebracht, eines derselben wäre von dem Herrn Rothenberg und eines von dem Stadtverordneten-Vorsteher Tr. Straßmann. Der Referent des Komitees habe die Ablehnung des Gesuchs empfohlen, weil der Mann hochhcrrschaftlich eingerichtet sei, eine schwere goldene Uhr mit schwerer goldener Kette trage und daher in der Lage sein muffe, anderwärts Kredit zu erlangen. Dagegen hätten die Glaubensgenossen des Bittstellers ans die Empfehlungsbriefe gepocht, aber das Gesuch wäre mit einer Stimme Majorität abgelehnt worden. Vierzehn Tage später wäre der Bittsteller unter Hinterlassung bedeutender Schulden nach Amerika verduftet. Hinterher habe sich herausgestellt, daß Herr Rothenberg den Herrn Dr. Straßmann dnpirt und diesen so veranlaßt hatte, einen Unwürdigen zu empfehlen. Durch diese Auslassungen fühlte sich Herr Rothenberg beleidigt und strengte gegen den Redacteur Herrn Dr. Bachler die Klage au. Zunächst wurde der erste in dem erwähnten Artikel angezogene Fall zur Verhandlung gebracht, wobei die christlichen Mitglieder des Vorstandes der in Rede stehenden Sanitätswachc-Kommission als Zeugen vernommen wurden. Professor Seltniann, stellvertretender Vorsitzender der Kommission, bekundete, daß Anfangs September vorigen Jahres in der .Kommission über die Affaire des Kassirers Alexander debattirt worden sei, und dabei von allen Mitgliedern die Dbcilnahme dafür zu erkennen gegeben worden sei, daß der Manu, der mit einer solchen Anfopfernng für das gemeine Wohl gewirkt habe, in derartiges llnglück gerathen sei. Gs wäre vor-' geschlagen worden, keinen neuen Kassircr zu wähle», sondern Herrn Alexander zu bitten, die .Kassengeschäfte weiter zu führen, weil er dies vorzüglich verstehe. — Vorsitzender Amtsrichter Dr. Koffka: Ist der Vorschlag von den Juden ausgegangen? Zeuge: Ich glaube nicht. Der Unterschied der Konfession hat überhaupt in der Kommission niemals eine Rolle gespielt. — Vors.: Ist darüber abgestimmt worden? — Zeuge; Das kann ich nicht

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