Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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281 Pcsth, 26. Febr. Die Verhandlung beginn! zur festgesetzten Slnnde. Den Borsitz führt Richter Tholt; als Votanten fnngircn die Richter Ernst Doth und Zsemlyc. Die Anklage wird durch den Vicc-Staatsanwalt Dr. Faustin Heil vertreten. Als Bcrthcidiger sind erschienen: für Julius Verhovap Edmund Hets, für Ludwig Vcrhovan Dr. Dcsidcr Ragy nnd für Willens Eduard .Környei. Auster etwa zwei Dutzend Ionrnaliften ist ein ausfallend spärliches Publikum anwesend. Der Vorsitzende theilt mit, dast der dritte Angeklagte Julius WilckenS zur Verhandlung nicht erschienen sei; er war früher bei seinem Vater in Graz, reifte von dort im Januar nach Wien, nnd seither ist sein Aufenthalt unbekannt. Sein Vertheidiger gibt der Neberzeugung Ausdruck, dast Wklckcus keine Kenntnis; von der heutigen Schlnstvcrhandlnng besitze. Der Staatsanwalt beantragt, die Schlnstvcrhandlnng trotz Abwesenheit des dritten Angeklagten durch,znsnhrcn. Die Vertheidiger der Bruder Vcrhovay haben gegen diesen Antrag nichts einzuwcnden, da ihre Elientcn seit 1 ''•* Jahren unter der Last dieser Anklage seufzen. Julius Vcrhovay selbst erklärt gleichfalls, er bitte den Gerichtshof, die Verhandlung dnrchznführcn, damit endlich die Gerechtigkeit ihren Vianf habe nnd er vom Alpdrücke dieser Anklage befreit werde, Rach kurzer Berathnng entscheidet der Gerichtshof, die Verhandlung abznhalten, da für das Gegcntheil kein Grund vorhanden sei. Es folgt nun die Verlesung der Anklageschrift. _ Pcsth, 26. Februar. (Abgeordnetenhaus.) Die Special-Debatte über die Oberhausreform-Vorlage wird bei 5, welcher von den vermöge ihrer Würde oder ihres Amtes berechtigten Mitgliedern handelt, fortgesetzt. Mocsary spricht sich gegen die Vertretung der Protestanten aus, da diese der Autonomie der protestantischen Kirche widerspricht. — Albert Kiss spricht sich gegen das israelitische Kirchenhaupt ans, wobei er nicht von antisemitischen Prinzipien, sondern lediglich von der Ansicht geleitet wird, dast es nicht Aufgabe der Negierung oder Legislative sei, ein israelitisches Kirchenhaupt zu creiren. — Komlosn tritt für die Belastung der Ditular-Bischöse ein, spricht sich jedoch gegen die Vertretung der Israeliten aus. — Ehorin bedauert, dast hier die Landcs-Angclegcnhcitcn vom -streng coitfcffioucffcn Gesichtspunkte behandelt werden. Gegen das Prinzip der Betretung der einzelnen Eonfessionen sei von keiner Seite eine Einwendung gemacht worden: die laste ihn hoffen, dast die fanatischen Aeusternngen der antisemitischen Wortführer in nicht ferner Zeit ganz aufhören werden. Ter Entwurf entspreche dem freiheitlichen Geiste der ungarischen Gesetzgebung. Die jüdische Religion gehöre wohl nicht zu den recipirten; dies finde jedoch nur darin seine Begründung, dast sich die Legislative im Jahre 1867 auf den Standpunkt der allgemeinen Religions-Freiheit stellte. Der eingebrachtc einschlägige Entwurf konnte wegen der Kürze der Feit nicht erledigt werden. Redner nimmt die jüdische Eonsession', gegen die antisemitischen Anklagen in Schutz, verweist ans den großen Fortschritt der 'Verschmelzung der Israeliten mit der ungarischen Ration und erklärt mit dem lebhaften Bestalle der Majorität, den Paragraphen anzunehmen. Pest st, 26. Fcbr. In der Spccialdcbatle über die Oberhaus-Reform betreffend die Vertretung der .Konfessionen erwiderte der Abgeordnete Ehorin als Jude wirkungsvoll auf die Angriffe des Antisemiten .Komlosns. Er schilderte die Lcistnngen der ungarischen Juden auf wissenschaftlichem und knlturellein Gebiet nnd nm die Magnarisirnng und forderte ihre Vertretung im Oberhanse als einen AnSflnst der vollkommenen bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung. Pcsth, 27. Febr. Der Paragraph, bctr. die Vertretung der .Konfessionen im Obcrhansc, wurde nach dreitägiger Debatte unter Ablehnung von zehn Amendements nach der Vorlage angenommen. Der antisemitische Antrag auf Ansschlus; des Vertreters des Indentlnuns wurde mit 214 gegen 4?) Stimmen in namentlicher Abstimmung abgelchnt. 105 Abgeordnete waren anwesend. Frankreich. Paris. Die Ausweisung der russischen Israeliten ans Berlin hat bewirkt, das; ein ganzer Strom derselben meist mit nur ganz geringen Mitteln sich nach Paris gewendet, hat und ist dadurch die an sich nicht unbedeutende russische Eolouic, aber auch das Elend derselben vergrößert worden. Das WohlthätigkeitScomitb wurde in starkem Maste in Anspruch genommen. Dasselbe hat unnmehr gemeinsam mit der Alliance 20000 Frs. votkrt, um alle diese Unglücklichen nach Rußland zurückbefördern zu können. Wenn die Einwanderung nachläßt, wird diese Summe genügen. Ganz gerechtfertigt finden wir den Vorwurf der „Arch. Isr." gegen die deutschen Gemeinden und insbesondere gegen die Berliner Gemeinde, dast man diese Ansgewiesenen, anstatt nach Paris zu dirigircn, nicht gleich nach.Rußland befördert hat.