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Der Israelit · 1885-02-26 · Heft 16 (26.2.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 16 (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage tu Nr. 16 des Israrlil Leitender Artikel. (Mw faxt. (:1k P arafchath Tirt.) i?ou Pr. ij. Küngrr. Die Hapht^'rü zum kommenden Wochenabschnitt gibt uns eine der wichtigsten pädagogischen Lehren: c'7K 2'vprü ,21c nztü yibir n:n. „Siche, Gehorsam ist besser als Opfer, Anfinerke» besser als Fett der Widder." Gehorchen, das ist die erste Forderung, die an uns Menschen gestellt wird. Das ftiitb, das nicht gehorchen lernt, wird, wenn auch sonst auf seine Ausbildung und Erziehung die grösste Sorgfalt verwendet wird, niemals gut erzogen sein, wird niemals als ein Muster guter Erziehung betrachtet werden können. Ter Mann, der nicht an Gehorsam gewöhnt wurde, wird niemals Andern in richtiger Weise zu befehlen wisse», wird eigensinnig sein und seinen Willen und seine Laune um jeden Preis durchzusetzen suchen, den Willen Anderer nicht beachten und berücksichtigen. Der Staat, dessen oberster Beamte in sich die Verkörperung des absoluten Willens sieht, keinen höheren Willen anerkennt, wird nicht in gedeihlicher, friedlicher Weise sich entwickeln. Denn, wenn nicht Fürst und Volk den gleichen Gehorsam dem Staatsgesetze entgegenbriugcu, da können beide kein gemeinsames Intereile verfolgen, kein gcttleiusamcs Ziel und Streben haben. lind wie dies bei allen Verbindungen, seien cs staatliche, sociale oder familiäre, als erste Bedingung einer gesunden Entwickelung gilt, ebenso ist das bei unserer Verbindung mit Gott erstes und oberstes Erforderniß. So leicht es sich auch begreift, das; man in allen Lagen deS Lebens des Gehorsams nicht entrathen kann, daß, wo Niemand sich uutcrordnen. Jeder nur herrschen wollte, nur Zerfahrenheit, Nccht- und Gesetzlosigkeit herrschen würde; so schwer verstehen sich dennoch die Menschen dazu. Man fordert gewöhnlich den Gehorsam wohl von den übrigen Menschen, nicht aber von sich selbst. Natürlich ist cS dann aber auch, daß Andere gleichfalls so denken dürfen, wenn man das auch nicht zugestehen will. Würde man es zugestehe», so könnte es überhaupt nicht vorkominen, daß wir für uns solche Ansprüche erheben, und es stände um den Weltfrieden ganz anders und besser, als eS bis heute der Fall ist. Dieses Hanptübe! der Menschen, nicht gehorchen zu wollen, beruht auf einer ganz falschen Auffassung. Man denkt bei dem Worte Gehorsam gleich an das tiiiib, von dem man denselben verlangt, weil es noch unmündig, unerfahren und unverständig ist und meint, man stelle sich ein ArmuthSzeugniß aus, inan räume damit ein, daß man nicht selbstständig, nicht erfahren genug und nicht vernünftig sei, und will durch das gerade Gegentheil zeigen, daß inan ganz gut verstehe, auf eigenen Füßen zu stehen, daß man einen festen Willen habe, sein eigener Herr sei und keines Vormundes bedürfe. Gerade diese kindischtrotzige Auffassung ist in Wahrheit ein ArmuthSzeugniß und zeigt recht deutlich, daß man noch nicht Herr über sich fei, daß man noch nicht vernünftig, d. h. frei von thörichter Leidenschastlichkeit denkt und handelt. Diese verkehrte und kindische Auffassung ist merkwürdigerweise in unserer Zeit, die sich doch im Dienste der Vernunft so gerne hinstellt, vielfach verbreitet und herrschend. So gibt es bekanntlich eine politische Partei, die der menschlichen Gesellschaft und ihren herrschenden Gesetzen den Gehorsam aufkündigt. Die ziemlich verbreitete Partei, die zugleich ein göttliches Gesetz ablengnet, nur der Vernunft zu folgen vorgibt, träumt sich eine Zeit, wo es nur Herren und keine Diener gibt, wo Niemand zu befehlen hat, Niemand zu gehorchen braucht, wo ein Jeder sein eigener absoluter Herr ist, unabhängig von anderen Menschen leben kann. Und dieses kindische Phantasiegcbilde, das doch ans dem Boden der Wirklichkeit niemals möglich ist, findet doch begeisterten Glauben und begeisterte Anhänger im Zeitalter der Vernunft. Nnd wie auf social-politischem Gebiete, ebenso macht sich auf dem religiösen diese krankhafte Erscheinung bemerkbar. Wie jene Arbeiter sich durch ihre Abhängigkeit in ihrer Selbstwnrde und Freiheit beengt ltiib bedrückt fühlen nnd ein ganz natürliches, ja unbedingt gesellschaftlich nothwendiges Verhältnis; für vernunftwidrig erklären und deßhalb in kindischem Unverstände etlvas Unmögliches erstreben; ebenso sindet man das AbhängigkeilSver-

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