Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1885)
- Date
- 1885-02-12
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449516--21667-2511253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 79 — allen Rechtsvortheilen aasgestattete Corporation übernehmen solle. Bald nachdem, als gegen End® des verflossenen Jahres der Herr Regierungs- und Schulrath Siegert aus Königsberg die Schule inspicirt hatte, war Berichterstatter als Vorsteher der Schule bei der städtischen Schuldeputation vorstellig geworden, bei der kgl. Regierung die Erlaubniss zur Fortführung der Schule zu bewirken. Da nun diese Erlaubniss längere Zeit auf sich warten liess, wandte sich der Be» zeichnete unter dem 25. Juli direct an den Herrn Regierungspräsidenten. Bereits unter dem 29. Juli erfolgte die Rückantwort, dass mir, als dem Schulvorsteher, unter dem 28. Juli „die Erlaubniss zur Einrichtung einer israelitischen Armenschule von der königl. Regierung ertheilt sei“. Dieses Hinderniss war somit beseitigt, weit schwieriger ist es jedoch, dem deutschen Central-Comite gerecht zu werden. Diejenige Corporation, welche allen Anforderungen entspricht, ist einzig und allein die Synagogengemoinde, doch diese verhielt sich zunächst ablehnend und hat sich erst nach langen Verhandlungen zur Uebernahme und Verwaltung des Kapitals bereit finden lassen. Der Vorstand der Synagogengemeinde hat hierauf um die diesbetreffeude Erlaubniss bei der kgl. Regierung nachgesucht. Da hierzu jedoch auch die landesherrliche Genehmigung gehört, so hat die kgl. Regierung ihrerseits das Gesuch des Vorstandes an das kgl. Ministerium gelangen lassen. Am 29. August hatten wir die Freude und Genugthuung, dass der Herr Regierungspräsident 8 tu dt die Schule besuchte und bei dieser Gelegenheit dem Schulvorstande mittheilte, dass er bei dem kgl. Ministerium den Antrag gestellt, dem Vorstande der Synagogengemeinde die nachgesuchte Genehmigung zur Uebernahme des Schulfonds zu ertheilen. Diese Genehmigung ist jedoch bie zur Stunde noch nicht erfolgt. Das Internun der Schule ist eine Sache für sich und gehört nicht au diese Stelle. Erwähnen wollen wir nur noch, das erst vor wenigen Tagen in der Schule gefeierte Chanukah- (Weibe-) Fest, welches in diesem Jahre noch weit schöner und feierlicher begangen werden konnte, als in den Vorjahren, da die Kinder mittlerweile nicht nur an Wissen und Können zugenommen, sondern auch durch den Unterricht ihres Gesangslehrers, Herrn Howe, sich tüchtige Fertigkeit in zwei- und dreistimmigem Gesang augeeignet hatten und durch entsprechende Katechisationen, Declamationen und Gesänge die zahlreich versammelten Festtheilnehiner erfreuen konnten. Was schliesslich die Unterstütznngsthätigkeit in den verschiedensten Nothständen betrifft, 80 entzieht sich dieselbe zunächst der öffentlichen Berichterstattung; nur eines eclatanten Falles soll hier Erwähnung geschehen. Die benachbarten Städte: Retawen, Sa lauten und Plungiau sind von ihrem Grundherrn, Fürsten 0., schwer bedrängt. Derselbe macht ihnen jeden Grundbesitz und jede Hausgerechtsame streitig, hat auch schon Viele von Haus und Hof vertrieben, Viehweiden und Marktplätze, selbst Lehr- und Bethäuser an sich genommen und zu unwürdigem Gebrauche umgewandelt. Diese drei Ortschaften liegen in fortwährendem Processe mit ihrem Grundherrn, sind aber bereits so geschwächt und herabgekommen, dass sie die Processkosten unter sieh nicht mehr aufbringen konnten. In ihrer Bodräugniss wandten sie sich an uns und wir haben sie nach Kräften unterstützt. Das deutsche Central-Comite in Berlin, sowie das Comitd zur Unterstützung der bedrängten russischen Israeliten zu Frankfurt a. M. haben nicht unbeträchtliche Summen hierzu beigesteuert, auch sind nicht unwesentliche auf dem Wege Rechtens erstrittene Erfolge mittelst dieser Unterstützungen erzielt worden. Die vorstehenden Ausführungen haben nur in grossen Umrissen das Jahresgeschäft des Comites zeichnen wollen. Alles Einzelne hier aufzuführen ist weder möglich noch nöthig. Schliesslich wird nur noch bemerkt, dass laut Beschluss vom 16. Mai 1883 die Vierteljahrea- Sitzungen regelmässig stattgefunden haben und jedesmal Einnahme und Ausgabe einer jeden der drei Cassen sammt ihren Belegen sorgfältig geprüft und der vierteljährige Abschluss einer jeden Gasse mit den Decharge-Vermerkeu des Comites versehen worden sind. Ausser diesen regelmässigen haben noch eine Anzahl ausserordentlicher Sitzungen, je nach Erforderniss stattgefunden. Unser Bericht schliesst mit dem Wunsche, dass es unserem Comitö niemals an den Mitteln und an dem guten Willen zu helfen, fehlen möge, Gelegenheit zu helfen wird wohl stets mehr als wünschenswerth vorhanden sein. Die Arbeit vollenden können wir nicht, uns ihr ganz enti