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Der Israelit · 1885-02-12 · Heft 12 (12.2.1885) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 12 (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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"wandern, sondern für d«r Augenblick der Ankunft am Ziele ihrer Wanderung Hilfe und Zurechtweisung finden sollen; und da das Comite all' den Tausenden, um nicht zu sagen Hunderttausenden, welche auswandern möchten, weil ein grenzenloses Elend sie dazu treibt, nicht Hilfe spenden kann, so hat es sich damit eine genau markirte Schranke für seine Hilfeleistungen ziehen wollen, indem es sagt: Wir unterstützen nnr Denjenigen, wer von Angehörigen, Verwandten und Bekannten znm Kommen aufgefordert worden ist und unzweifelhaft darthun kann, dass er sich in seiner Heimath nicht mehr zu helfen vermochte. Dass bei solchem Verfahren die Unterstützung die beste Anwendung findet, und keiner von den Verschickten wieder zurückkehrt, wie das früher besonders bei den südrussischen Auswanderern so häufig vorgekommen ist, bedarf keiner Versicherung. So hat denn auch im abgelaufenen Jahre, so viel uns bekannt geworden ist, kein Fall einer solchen Zurückkunft constatirt werden können. Das Hauptcontingent zu den für die Auswanderung unterstützten Personen stellten Frauen, die mit ihren Kindern zu ihren bereits in den Vorjahren ausgewanderten Männern, Eltern, die zu ihren Kindern, Kinder, die zu ihren Eltern, wieder Andere, die zu ihren Brüdern, ihren Schwestern oder sonstigen Blutsverwandten gerufen wurden. Dieser Umstand ist den von uns beförderten Auswanderern auch noch nach einer anderen Seite hin von Nutzen gewesen. Bekanntlich hat die amerikanische Regierung eine Zeit lang unbemittelte Einwanderer nicht landen lassen; dieses Missgeschick ist keinem der Unseren begegnet. Alle, die den blauen Auswanderungsschein auf weisen konnten, welcher von unserem Comitö ausgestellt, alle die Daten und Personalien: woher? wohin? zu wem? n. s. w. enthält, durften ungehindert Castle-Garden passiren. Die Mittel zur Unterstützung der Auswanderung hat unser Comite ganz ausschliesslich durch Herrn Justizrath M acower, Vorsitzender des „Deutschen Central - Comites für die russischjüdischen Flüchtlinge“ bezogen. Anfangs October 1883 wurden uns die zweiten 5000 Mark zu Auswanderungszwecken bewilligt. Bei der Rechnungslegung des Cassirers, Herrn Bloch, am 1. Januar 1884 belief sich der Cassenbestand nur noch auf 367,84 Mark. Hierzu sind uns im Laufe des Jahres in zwölf verschiedenen Sendungen weitere 13100 Mark zugegangen, und zwar haben wir mit Schreiben vom 3. December er. die letzten zu Auswanderungszwecken bewilligten 100 Mark erhalten, mit dem Bemerken: „Das Comite hat noch einiges Geld für Auswanderungszwecke zur Verfügung und wird seinen Beschluss über weitere Bewilligungen Ihnen mittheilen.“ Auch noch einer anderen, durch eine recht schwere Calamität veranlassten Art von Auswanderung muss hier gedacht werden. Im ersten Viertel dieses Jahres kam an den Vorsitzenden des Comitäs die traurige Botschaft, dass eine grosse Anzahl Familien von unseren russischen Glaubensgenossen , welche sich diesseits der Grenze auf. preussischem Gebiete ansässig gemacht, Ausweisungsbefehle erhalten hätten. Mit diesen stand es sehr schlimm; meist sehr arm, durften sie ausserdem weder nach Russland zurückkommen, noch auf preussischem Gebiete länger verbleiben. Mittelst Antwortschreiben vom 14. März theilte auf ein diesbetreflendes Gesuch das deutsche Central-Comite in Barl in dem Berichterstatter mit, dass zur Unterstützung der Auswanderer dieser Art 3000 Mark verwilligfc worden seien. Bis zu dieser Stunde sind von diesem Gelds 31 Familien mit 2891,15 Mark unterstützt worden, welche allesammt nach Amerika oder England sich hingewandt haben. Was nun unser schon über 14 Jahre bestehendes Krankenhaus betrifft, so ist darüber nur zu sagen, dass dasselbe ganz wie in der bisherigen Weise benutzt,, gepflegt und unterhalten worden ist. Es bezieht die Mittel zu seiner Unterhaltung aus den Einsen eines kleinen Fonds von 16000 Mark, ferner aus freiwilligen Gaben. Auch das deutsche Central-Comite in Berlin hat in diesem Jahre 500 Mark, welche in vierteljährlichen Säten von je 100 Mark ausgezahlt werden, zu Subsistenzmitteln des Krankenhauses ver willigt; endlich ist es schon seit Jahren den russischen Kaufleuten, welche ihre Waare hiarW zum Verkauf bringen, zur Pflicht gemacht, von einem jeden mit unserem Orte abge-

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