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Der Israelit · 1885-02-05 · Heft 10 (5.2.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 10 (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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163 das heißt Obcramtmann, Arnsberg, erhalten zu haben, an den ihn der General, der mit Arnsberg auch schon früher in direktem, geheimen Briefwechsel gestanden, gewiesen. Gibt cs hier in der That einen solchen Beamten dieses Namens, Herr Pfarrer? dann müßten einerseits diese Papiere sofort in die Hände des Höchstkommandircnden gelangen, aber gleichzeitig oder besser noch vorher, die Verhaftung des gefährlichen Mannes bewerkstelligt werden, bevor sich dieser derselben etwa durch Flucht entzieht. Also hochwürdiger Herr," wiederholte er dringend, „gibt es hier eitlen Beamten dieses Namens?" „Ihr kenllt euch denken, von welchem entsetzlichen Schrecken ich plötzlich erfaßt wurde! Bis zu dem Momente hatte ich geglaubt, auch Obcramtmaun Arnsberg habe sich von bcm klugen, polnischen Grafen täuschen lassen; aber jetzt konnte ich nicht eine Sekunde länger daran zweifeln, daß der Oberamtmann — Gott verzeihe mir das harte Wort — ein Schurke, ein Berräther war, der sein Vaterland dem Feinde preisgab, seine Mitbrüder, seine Stammesgenoffen für gleißend Gold an das Schlachtmesser liefern wollte, und — dieser Schauspieler hatte noch den größten Patriotismus, einen schrankenlosen Franzoscnhaß gehcuchclch hatte davon gesprochen, einen Landsturm zu orgallisiren, und während er so mit falscher Zunge sprach, hatte er gehofft, daß die Feinde siegreich in unser Vaterland eindringcn, daß man seinen schwarzen Verrath belohnen, daß er unter den Franzosen eine hohe Stelle einnehmen würde; — aber trotz alledem hätte ich doch Alles, was ich besitze, darum gegeben, daß diese Fracke nicht an mich gerichtet worden wäre, daß ich fic nicht zu beantworten gehabt hätte. Es that mir doch weh, einen Mann, der zwar nie meine Sympathien gewonnen, aber mit dem ich verkehrte und verkehren mußte, der in meinem Kreise eine hervorragende Stelle eingenommen, der zu segensreicher Wirksamkeit berufen war und bei seinen großen Geistesgaben auch segensreich hätte wirken können, sich nun plötzlich als herzloser Bösewicht entpuppte, und nun einer finsteren Zukunft entgegenging; — aber was half es, ich mußte doch die Wahrheit sagen, über die ja auch jedes Kind im Dorfe hätte Auskunft geben können." „Wurde der elende Schurke, der ja auch mich und mein armes schuldloses Weib erbarmungslos verderben trollte, ergriffen?" unterbrach Blochner den Pfarrer gespannt. „Was liegt Dir daran, Veit?" fiel ihm Eva rasch ins Wort, „Du bist doch kein rachgieriger Mensch? Du wünschest ja auch Deinem Feinde nichts Böses! Erinnerst Du Dich nicht, was Deine alte Großmutter zu sagen pflegte: Wenn Gott mich fragen würde, wie soll ich Dich an Deinen Feinden rächen? macht' ich sagen: Lieber Gott, nur dadurch, daß sie Freuden au mir scheu und ich ihnen ihre Bosheit durch Wohlthaten vergelten kann! .... Das Eine ist gewiß, auch Deine letzte Befürchtung, Arnsberg könne seine Diener senden, mich wcgzntrciben, wird Gott sei Dank nicht eintresfen." „Ich kann Ihnen nicht sagen, was weiter mit Arnsberg vorgegaugcn," sprach der Pfarrer, „denn in dem Augenblicke' traf der Knecht aus der Waldmühlc ein, und berichtete: sein Herr läge in den letzten Zügen und sehne sich nach mir; er wäre in höchster Eile hicrhcrgcfahren, und bat mich inständigst mich zu sputen; es wäre gar zu schrecklich, meinte er, wenn ich zu spät in der Waldmühle anlangen würde. Der Bote fand mich in der fürchterlichsten Aufregung, am ganzen Leibe zitternd, .ich fühlte mich zu Tode ermattet, aber ich war mein volles Leben lang bestrebt gewesen, nach Maßgabe meiner schwachen Kräfte meine Pflicht zu erfüllen, sollte ich am Spätabeude desselben meinem Amte untreu werden? Es wäre mir als ein gewissenloser Frevel erschienen, wenn ich dem gerechten Wunsche des Sterbenden nicht lvillfahrt hätte. Bott ekgcnthnmlicher, unangenehmer Spannung fuhr ich ab, und konnte es kaum erwarten, wieder hcimznkehren, obwohl ich in dieser Angelegenheit kaum etlvas Erfreuliches werde hören können. Als ich nun iit euer liebes Dörfchen einfuhr, fühlte ich mich, wie Sie, Frau Eva, auch sofort an meinem bleichen Gesichte erkannten, körperlich heftig ergriffen, wie früher nie, so daß ich einen Ohnmachtsanfall erwartete, befürchtete von einer plötzlich über mich hcrcinbrechcndcn Krankheit befallen zu werden, ich war daher herzlich froh, lieber Blochner, als Sie in gewohnter, freundlicher Weise mich einluden, bei Ihnen einzutreten. Die längere Rast im kühlen Zimmer, und das Glas frisches Wasser haben mich Gott sei Dank erquickt und gestärkt, so daß ich hoffe, ineine Befürchtungen wegen meines Gcsnndheitzustandes wärm grundlose gewesen, und ich meine Heimfahrt ohne allzngroße Beschwerde werde fortsetzen können .... ich bin auf den Ausgang der unglückseligen Affaire sehr gespannt." „Sie werden diese» noch immer zur Zeit erfahren, Hochwürden," meinte Blochner, „belieben Sie noch ein klein wenig bei uns hier auszuruhcn .... vielleicht ein Stündchen im Lehnsessel zu schlafen." „Ich muß cs gestehen," sprach David, „auch ich bin sehr begierig zu erfahren, wie es diesem

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