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Der Israelit · 1885-01-26 · Heft 7 (26.1.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 7 (26.1.1885)
Date
1885-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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115 höchst Dieselben haben sie weder an einen Undankbaren noch an einen Unwürdigen verschwendet!" „Sapperlot, wie gut er sich zu exprimiren weiß," hatte der Kaiser mit einem huldvollen Lächeln erwidert, dann nickte er mit dem Kopfe zum Zeichen, daß ich entlaffen sei. — Trunken vor Glück und doch zu Tode ermattet, schwankte ich die Treppe hinab. Vor dem Hausthore fand ich den Diener, dem ich mein Roß übergeben hatte, und, trotzdem cs schon nicht weit von Mitternacht war, waren noch mehrere Hoflakaien wach. Alle waren entsetzlich nengierieg und frugen mich, ob ich vom Kriegsschauplätze käme, ob eine Schlacht geschlagen worden wäre. Ich antwortete ihnen nur kurz. Wir hätten eine große Schlacht gewonnen und daß Graf Vandamme gefangen sei, was natürlich einen großen Jubel hervorrief, den sie, weil die Wohnung des Kaisers in der Nähe war, nicht so laut zu äußern wagten, als sie cs gern gethan hätten. Sie hätten gerne nähere Details erfahren, aber ich war zmn Umsinkeu müde, erklärte, daß mir Ruhe gebieterisch Roth thuc, ich diese um jeden Preis und auch Unterkunft für mein Pferd aussuchen müsse. Dieses ward mir nicht leicht, ich mußte lange im Gasthofe „zur Krone" klopfen, bevor mir aufgethan wurde, und als mir endlich geöffnet wurde, konnte ich nicht ein Stückchen Brod, einen Schluck Bier erlangen, und war nur froh, Unterkunft und Futter für mein Pferd, für mich selbst ein Plätzchen in einem dumpfen, nieder» Stübchen zu finden, wo ich mich niederlegen konnte. Meine körperliche Müdigkeit und meine maßlose, wenn auch freudige Aufregung standen im heißen Kampfe gegen einander, ich suchte den Schlaf, der mir unentbehrlich schien, aber dieser floh lange Zeit hartnäckig meine Wimper .... Ich war glücklich, überselig! Ich konnte das Anbrechen des Morgens nicht erwarten, mein Roß zu satteln, zu euch zu fliegen, euch zu sagen, daß der allmächtige, allbarmherzige Gott in wunderbarer Weise geholfen; — aber in den späten Nachtstunden war ich doch — ihr werdet das begreiflich finden — in tiefen Schlaf verfallen, und als ich Morgens die Augen öffnete und die goldene Sonne durch's kleine Fenster in mein dumpfes Schlafkämmerchen fiel, schlug's von der Thurmuhr sieben. Ich verrichtete inbrünstig mein Morgengebet und legte dabei die Tefillin an, die ich stets, auch während der Schlacht, in bcm Beutelchen, das Du Lea mir gestickt, bei mir getragen. Ich hatte mein Gebet kaum beendet, als ich einen kaiserlichen Leiblakai am Wirthshaushofe mit lauter Stimme nach mir fragen hörte. Dieser brachte mir den Befehl, bevor ich das Städtchen verlasse, bei dem Generaladjutanten, Baron Kntschera, zu erscheinen. Ich leistete diesem Befehle sofort Folge. Der kaiserliche Generaladjutant empfing mich sehr gnädig. Ich sprach ihm meinen unterthänigfteu Dank aus; denn er war cs ja gewesen, der den Kaiser darauf aufmerksam gemacht, daß der Fürst Schwarzenberg mich in seinem Berichte belobt, er war cs, welcher die Aufmerksamkeit des Kaisers auf unsere traurigen Verhältnisse gelenkt, ihm neuerdings unsere unglückliche Lage vor Augen geführt und in solcher Weise die Veranlassung gegeben, daß der Kaiser den finstern Bann, der über uns Allen lag, löste. Baron Kntschera hörte den ungestümmc» Ausbruch meiner leidenschaftlichen Dankbarkeit lächelnd au, dann sprach er: „Wachtmeister Auritz. Im allerhöchsten Aufträge übergebe ich Ihnen hiermit zehn Dukaten als Lohn für den Botenritt, und überdies noch drei Dukaten, welche Sie Ihrem Vater nebst dem Danke Seiner apostolischen Majestät als kaiserliches Geschenk für die gastliche Bewirthung überreichen sollen" — David legte ein Lederbeutelchen mit den Goldstücken auf den Tisch. „Ich werde noch im Laufe des heutigen Vormittags veranlassen, daß dein Ncginiente die allerhöchste Entschließung bekannt gegeben wird, daß Sie sofort mit dem vollen Jnvalideubezuge aus dem Heeresverbande zu entlassen sind. Wir Soldaten sind an ein rasches Vorgehen gewöhnt, und Sie werden in wenigen Tagen schon Ihrer Familie zurückgegebeu werden. Was aber die allerhöchste Verleihung einer jüdischen Familien- Numiuer an Ihren Vater betrifft, wodurch Sie in die Lage kommen werden, Ihre Verlobte als Hausfrau heimzuführen, werden Sie sich allerdings mit Geduld waffnen müssen. Seine Majestät der Kaiser, der sich in Folge des glänzenden Sieges in der besten Laune befindet, hatte die allerhöchste Gnade, mir das in lichtvollster Weise auseinanderzusetzen, und hatte lachend hinzngefügt, daß bei dem langen, vielfach gewundenen Wege, den diese Angelegenheit zu nehmen hat und bei der Langsamkeit und der Pedanterie der Eivilbehörden, selbst Allerhöchst Er beim besten Willen eine rasche Erledigung nicht erzwingen könne. Die allerhöchste Entschließung, daß Ihrem Vater eine Judenfamiliantenstelle auf den Privatherrschaftcn Seiner Majestät verliehen wurde, wird sowohl der Direktion derselben, als der böhmischen Hofkanztei angezeigt. Diese intimirt das dem böhmischen Landesgubernium, tvclches wieder dem Kreisamt den Auftrag ertheilt, dem Oberamte der Herrschaft, auf der sich Ihr Vater jetzt befindet, von dieser allerhöchsten Entschließung und auch davon, daß ihm die Freizügigkeit im ganzen Lande gestattet werde, in Kenutniß zu setzen. Dann

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