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Der Israelit · 1885-01-26 · Heft 7 (26.1.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 7 (26.1.1885)
Date
1885-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M 7. Ein Kenlrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthmn. Herausgegcben vdn ßr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2«. Januar 5645 (1885). Leitender Artikel. Aas Zudeilthilm in Gegenwart und Zukunst. (Von Eduard v. Hartmann.) I. Mainz, 22. Januar. Zu den zahlreichen Gegnern des jüdischen Stammes hat sich in neuester Zeit einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, Herr Eduard von Hartmann, gesellt. Unter dem in der Ueberschrist genannten Titel hat derselbe am Schluffe des verflossenen Jahres ein Buch herausgegcben, in dem sich schwere Anklagen gegen unser Volk befinden. Wir wollen ohne irgend welche Voreingenommenheit an diese herantreten, sie untersuchen und klarstellen; wir wollen, wenn wir etwas Begründetes dann finden, es in richtiger Selbsterkcnntniß gern beherzigen und zur Abstellung des etwaigen Nebels nach Kräften beitragen; selbst dann, wenn unserm Volke völlig unbegründete Vorwürfe gemacht werden, soll uns das nicht zur Animosität hinreißen, wir wollen vielmehr in ruhiger und objectiver Weise die Wahrheit ans Licht treten zu lassen uns bemühen. Zunächst wollen wir unsere geehrten Leser mit der Persönlichkeit des neuen Gegners bekannt machen. Eduard von Hartmann, Sohn des Generals Robert von H., wurde im Jahre 1842 zu Berlin geboren, trat 1858 in die Armee ein und wurde 1860 Offizier. Durch ein nervöses Knieleiden wurde er gezwungen, 1865 seinen Abschied zu nehmen; er widmete sich dann ausschließlich wistenschaftlichen Studien. 1869 erschien sein erstes philosophisches Werk, das ihn schnell berühmt machte: „Die Philosophie des Unbewußten;" von Hartmann ist Pessimist; man kann ihn in gewisser Beziehung als einen Anhänger der Schopenhaner'scheu Weltanschauung bezeichnen. Wir müssen vor allen Dingen constatiren, daß Herr von Hartmann nicht zu dem großen Troß der Antisemiten gehört, daß er sich vielmehr aufrichtig bemüht, billig und gerecht zu urtheilen; aber zwei Dinge sind es, die sein Urtheil trüben und es, gewiß gegen seinen Willen, zu einem ungerechten gestalten. Zunächst ist hervorzuheben, daß Herr von Hartmaun von der falschen Vorstellung befangen ist, daß alle oder auch die meisten Juden reich oder mindestens wohlhabend seien. Dies ist durchaus nicht der Fall. Die große Mehrzahl der Juden ist arm, sehr arm, und der Wohlhabenden und Neichen gibt es bei den Juden vcrhältnißmäßig viel weniger als bei den Richtjuden. Herr von H. sollte nur einmal in den kleinen Städten und Dörfern in Deutschland und namentlich in der Provinz Posen sich nmsehen, und er würde in Bezug auf den Reichthum der Juden im Allgemeinen anderer Ansicht werden; er sollte nur einmal nach Amsterdam, nach London, nach Hamburg, nach Prag reisen, und er würde erschrecken über das grenzenlose Elend und die traurige Armuth, in welcher ganze Schichten der jüdischen Bevölkerung schmachten. Und nun erst in den Provinzen des großen russischen Reiches, in welchen die Juden dichtgedrängt neben einander wohnen müssen, und sich durch die schwerste, körperliche Arbeit meistens nur kümmerlich ernähren können. Dort sieht man Juden an den Chausseen stehen und Steine klopfen um kärglichen Lohn, dort sieht man jüdische Dachdecker und Maurer, Zimmerlcute und Schlosser, Droschkenkutscher und Lastträger, Ackcrkncchte und Schuhputzer. Und trotzdem ist in

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