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Der Israelit · 1885-01-22 · Heft 6 (22.1.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 6 (22.1.1885)
Date
1885-01-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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90 schätzen, welche diese gefälschte Liturgie bei einer Bevölkerung zu üben im Stande ist, die nicht genug gebildet ist, den Betrug zu durchschauen. Aus dem Gesagten ergibt sich, das; wir. es hier mit einem Missiousmanuöver im großen Stile zu thun haben, aber mit einem gefährlicheren als den bisher übliche». Die Judenmission verschlingt alljährlich eine ansehnliche Summe, ohne daß nennenswerthe Erfolge erzielt würden. Einige verkommene Individuen, an denen das Judenthum nichts verliert und das Christenthum nichts gewinnt, sind die Ausbeute, welche die Mission alljährlich cinheimst, ein Resultat, das durchaus nicht in Einklang steht mit den aufgewendeten Mitteln und Mühen. Hier aber wird ein Maffenfang unter der falschen Vorspiegelung, daß das Judenthum gar nicht aufgegebcn werden solle, weßhalb auch nicht das Anfgeben spezifisch jüdischer Pflichten verlangt wird, versucht. Einer unwissenden Menge gegenüber ist hier die Gefahr viel größer, und darum sind alle diejenigen verpflichtet, denen irgend ein Einfluß auf die Juden Südrnßlands zusteht, hier ein wachsames Auge zu haben und als Warner zur rechten Zeit aufzutreten. Die christlichen Missionäre sind hier schon mitten in der Arbeit. Am 26. März v. I. hat der als eifrige Missionär bekannte Pastor Faltin in Kischinew eine Conferenz abgehaltcn, in welcher die Vertreter der „Christenthumsbewegung national-jüdischen Charakters" ihre Erklärung abgegeben, daß sic sich das Recht Vorbehalten, nach Eintritt in das Christenthum alles dasjenige ans dem Judenthum beizubehalten, was „nicht mit dem Wesen des Christenthums in Widerspruch steht;" diese Conferenz unter der Leitung eines eifrigen Missionärs abgehaltcn, beweist vollständig unsere Annahme, daß, so irrelevant die erwähnte Erklärung ja auch ist, hier die Mission ihr Spiel treibt und zwar ein solches, das unfern ganzen Ernst, demselben erfolgreich zu begegnen, herausfordert. Zeitungsnachrichterr und Correspondenzert. Schweiz. Basel, 16. Januar. Die auch in weitern Kreisen bekannte, allgemein geachtete Familie Dreyfus ist leider in letzter Zeit von schweren Heimsuchungen betroffen worden. — Vor 3 Wochen verschied Herr L. Dreyfus-Hirsch im Alter von 66 Jahren und vor einer Woche wurde Herr Dreyfus-Rosenblatt im besten Mannesalter von 38 Jahren ihr durch den Tod entrissen. Beide Männer gehörten zu den besten Mitgliedern unserer Gemeinde und genossen, sowohl als Staatsbürger, wie auch als Menschen überhaupt eines ausgezeichneten Rufes. Herr Leopold Dreyfus-Hirsch, ältester Sohn des Herrn Js. Dreyfus selig und Mitinhaber der Firma Isaak Dreyfus Söhne in Basel, wurde als außerordentlich begabtes Kind von seinen Eltern für das Rabbinat bestimmt. — Rach sorgfältiger Erziehung und Vorbereitung besuchte er das französische Rabbiner-Seminar tit Metz, woselbst u. A. auch der jetzige Groß-Rabbiner vonFrankreich, Herr Isidor, zu seinen Stndien-Collegen gehörte. — ~ Nachdem jedoch durch andauernde Kränklichkeit der f Vater nicht im Stande war, das Geschäft zu führen, 1 entschloß sich der Jüngling seine Studien aufzugeben, | um seinem Vater Hilfe und Stütze zu sein. — 1842 l verehelichte sich Herr L. Dreyfus mit Frl. Sophie j Agathe Hirsch, Tochter des einst so berühmten Nabj biners Pinchas Hirsch, und führte eine überaus i glückliche mit 12 Kindern gesegnete Ehe. — 1845 \ übernahmen nach Hinschcidcn ihres Vaters die 3 Brüder, Leopold, Samuel und Jaqucs Dreyfus vereint die Leitung und Fortsetzung des väterlichen Geschäfts. — Es bewährte sich die richtige Voraussicht und das zutreffende Urthcil des Herrn L. Dreyfus selig im Geschäftsleben derart, daß er selbst in. den schwierigsten und verwickeltesten Geschäfts-! Verhältnissen um seinen einsichtsvollen Rath befragt | wurde, den er auch Jedermann mit Freundlichkeit! und bereitwilligst ertheilte. Die hiesige Jsraelitengemeinde beehrte ihn mit dem Amte eines Gemeinde- | Präsidenten, dem er während 17 Jahren zu allge- - meiner Zufriedenheit Vorstand. So führte er ein.! glückliches und geehrtes, bescheidenes und doch so segensreiches Leben, bis die Zeit der Prüfung ihm! nahte. Vor 2 Jahren riß der unerbittliche Tod die treue Lebensgefährtin ihm von der Seite und bald darauf hatte er das Unglück seinen jüngsten, hoffnungsvollen Sohn im Alter von 19 Jahren zu verlieren. Seit dieser Zeit blieb er den Freuden ' des Erdenlebens verschlossen, sehnte er sich nach der ewigen Heimath, nach Wiedervereinigung mit den Lieben, die ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Bald sollte sein Sehnen gestillt werden; am 7. Tebcth schied er, in Folge eines Gehirnschlages, sanft und ruhig aus diesem Leben. Das Leichenbcgänggängniß, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Löwenstein ans G a i l i n g e n eine ergreifende Trauerrede in hiesiger Synagoge hielt, war ein beredtes Zeugnis; der allgemeinen Beliebtheit und der Achtung, die der Verewigte bei Inden und Christen genoß. —

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