Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1885)
- Date
- 1885-01-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Feuilleton. Der Gönner. Historische Erzählung von S. K o h n. (Verfasser von „Gabriel.") (Fortsetzung.) „Was für ein .Kopf David ist!" sprach Eva mit leuchtenden Augen, aber ans Furcht vor der Zurechtweisung ihres Gatten nur flüsternd, zu Leas Ohr geneigt, — „sich einen so langen, schönen Brief auswendig zu merken, ich möchte schwören darauf, das; er nicht ein einziges Wort ausgelassen hat .... er hat schon als dreijähriges Kind ein merkwürdiges Gedächtnis; gehabt; wenn man ihm eine Geschichte nur einmal erzählt hat, hat er sie gleich nachcrzählen können." Blochner aber frug eifrig. „Also, was geschah weiter? .... Was sagte der.Kaiser, so erzähl doch mein Sohn, las; Dich nicht durch das thörichte Geflüster der kindischen Weibsleute unterbrechen." „Ich habe cs schon gesagt, der.Kaiser befand sich in großer, freudiger Aufregung, er schritt lebhaft im Zimmer auf und ab und vermochte sich gar nicht von dem glückbringenden Schreiben zu trennen, von Zeit zu Zeit warf er wieder einen Blick in dasselbe und überlas einzelne Stellen halblaut, seinen einander rasch verdrängenden Gedanken in kurzen, abgerissenen Sätzen Ausdruck verleihend." „Ich kanns gar not sagen, wie mich dieser große Sieg freut ... . Ah! der Schwarzenberg ist halt doch ein Mordkerl .... schon Napoleon hat sein Genie erkannt .... Kutschcra! . . . . heut is schon zu spät; aber morgen müssen wir an den Fürsten ein sehr schönes Handbillct richten, .... notireu's Jhna .Kutschern! und . . . . wenn's der Schwarzenberg haben will, ernennen wir den Grafen Eolloredo zum Feldzengmekstcr .... mich gefreut's! Die Colloredos sind ein altes Geschlecht, das zu allen Zeiten treu zu meinem Hanse gehalten hat." „Ich war während der ganzen Zeit, obwohl ich zu Tode ermattet war, und jeden Augenblick umzusinken befürchtete, doch in strammer, reglemcutsniäßiger Haltung unbeweglich, ohne mit der Wimper zu zucken, den Blick unausgesetzt auf den.Kaiser gerichtet, da gestanden, und konnte den Moment, wo er mich entließ, nicht erwarten. Es schien mir fast, daß der Monarch in seiner Aufregung ganz an meine Anwesenheit vergäße. Plötzlich fiel sein Blick auf mich." „Ah! die goldene Tapferkeitsmedaille! wo hat Er die erlangt?" „Bei Aspern! Euer Majestät. . . ." „Der Mann hat sich auch in dem heutigen Treffen ausgezeichnet," bemerkte der Gcneraladjutant halblaut, „der Fürst erwähnt seiner ausdrücklich in seiner Depesche," dann fügte er leise noch einige französische Worte hinzu. „Freilich," erwiderte der.Kaiser, und fast schien cö, als ob ein leiser Zug von Verlegenheit über seine Züge flog, „ich hab's Jhna Rath gar nöt gebraucht, ich Hab' schon selber drauf gedacht .... aber ich was; Halter nöt, was ich mit dem Mann da anfangen soll .... Wachtmeister ist er schon, die goldene Tapferkeitsmedaille hat er auch schon .... wenn er bei der Infanterie oder Artillerie dienen thät, ich möcht ihn gleich auf der Stelle zum Offizier, zum Unterlicutenant avanciren lassen, aber bei der.Kavallerie, bei Erzherzog Johann Dragoner; da dient die höchste Blüthe des österreichischen Adels .... die Kavallerie möchten kurios Augen machen, wenn man einen Bürgerlichen oder einen Bauernsohn in d e m Regiment zum Offizier machte . . . . dazu fehlt sogar mir selbst die Courage . . . . s'is wirklich ärgerlich! .... Wie heißt Er?" frug mich der Monarch nun plötzlich. „David Auritz, Euer Majestät!" Zu meiner namenlosen Verwunderung schien mein Name dem Monarchen nicht fremd, er blickte wie betroffen auf. Im erstell Augenblicke glaubte ich an einen Gedächtnißirrthnm, aber der Kaiser wandte sich an seinen Adjutanten und sprach: „Sie .... Baron Kutscher«, der Name klingt mir bekannt, .... als wenn ich ihn irgendwo in den letzten Tagen gehört hätte. Wiffen's Ihnen nöt, wo er uns vorgekommen?" Ter kaiserliche Gcneraladjntant dachte einen Augenblick nach. „Heureka!" rief er endlich. „Dieser tapfere Wachtmeister ist ein Sohn des armen Inden Beit Blochner in Schöuhof, dessen Gastfreundschaft Eure Majestät vorgestern allergnädigst anzunehmen geruhten, an dessen Tische Euer Majestät ein Stückchen Fleisch und ein Stückchen Weißbrod, Barches nannten es die Leute, zu sich zu nehmen geruhten, und dem allerhöchst dieselben allergnädigst," — Kutschers war in heftiges Lachen ausgebrochen, — mit der Zeche durchznbrennen geruhten"'). 1) Der kaiserliche Generaladjutanl. Generalfeldzeugmeister, Baron Kutscher«, durfte sich schon seinem Gebieter grgenüber,