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Der Israelit · 1885-01-19 · Heft 5 (19.1.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 5 (19.1.1885)
Date
1885-01-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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84 migkeit voranleuchtete, auch das ganze damalige Geschlecht zu Grabe getragen wurde, ebenso ist mit Rabbi Abraham Placzek ein Stück jüdischer Vergangenheit, ein ganzes Geschlecht, das wahre und innige Verehrung für unsere heilige Lehre im Busen trug, ein Zeitalter, dem das Feuer der Begeisterung für die Worte unserer Weisen im Herzen loderte, aus der Mitte der mährischen Landcsjndenschaft geschwunden. Fünf Worte waren es, die das Lcbensprogramm des Verewigten ausmachten, die den Inhalt seines siebenundachtzigjährigen Lebens bildeten: trp'?! rrcrjfli Tor*? tcT?. Lernen und Lehren, Beobachten und Ansführen und Erhalten. Er wollte das alte Judenthum erhalten und wie oft man in ihn gedrungen, seine Zustimmung zu Neuerungen zu geben, die einen Hohn auf die alte, geheiligte, jüdische Sitte bilden, die die Stätten der Andacht und der Erhebung zu Stätten der Schaulust und der Befriedigung des Ohrenkitzels entweihen, der Verewigte hat nie in dieser Richtung Eoncessioncn gemacht, er bl'cb stets fest und treu bei seiner Ueberzcugung, denn seine Richtschnur war das jüdische Gesetz und die jüdische Sitte. Nachdem der Redner sodann ein Nnanycty welches an den Wochenabschnitt anknüpfte, wie dies von jeher hier üblich war, vorgetragcn hatte, begann die eigentliche Predigt, ein Meisterstück oratorischer Leistung. Bezugnehmend ans das erste Auftreten Moses in nnscrenl Wochcnabschnitte erörterte der Redner in einer geistvollen Parallele zwischen Moses und Josna die Eigenschaften eines Volkführers und Lehrers, die darin bestehen, das; er nicht dem Zuge seiner ihm angeborenen Natur, seinem Temperamente gehorchen, sondern mit Selbstbeherrschung und Mäßigung einerseits, mit Festigkeit und unerschütterlicher Konsequenz andererseits seines Amtes walten soll. In diesem Sinne hat auch der selige Landesrabbiner Rabbi Abraham Placek seine Aufgabe erfaßt: er hat cs verstanden den Djm ^pQ und den DV?nn ypn, mit denen der Prophet Secharja den Volkshirten ausgerüstet sehen will, zu vereinigen. Milde und Sanftmnth waren seine hervorstechendsten Tugenden, dennoch aber war er strenge und unerbittcrlich, wo es galt das Princip zu wahren und den heiligen Glauben zu beschützen. Darum trällern tvir so sehr um den Verlust dieses Mannes, der in so seltener Weise die Tugenden, die einen Volksführer und Lehrer schmücken sollen, in sich vereinigte. Das Pliblikum war sichtlich gerührt von der ergreifenden und packenden Trauerrede, und mit inniger Trauer wurde das vom Eantor am Schluffe vorgetragene Seelengebet angehört. . H. II. W. Ncupest, 11. Januar. Am 6. d.M. hielt die hiesige Eultusgemeinde eine außerordentliche Generalversammlung ab, um über den Ban eines Tempels zu berathen. Die Gemeinde Neupest ist eine neue Kolonie, denn sie besteht erst seit dem Jahre 1840. Damals wurde sie von dem Brüderpaare Jsak uild Bernat Löwy, deren Söhne heute noch sehr geachtete Bürger der hiesigen Gemeinde sind, gegründet, welche allch bei der Gründung der Gemeinde an ein Gotteshaus nicht vergaßen; das heute noch bestehende ist auf ihre Initiative errichtet worden. Das vor 4 Dezennien erbaute Gotteshaus bietet aber für die auf ca. 550 jüdische Familien angewachscne Gemeinde nicht mehr genügenden Raum. Nach jahrelangem Zögern ist man nun heute zu dem?cftcn Entschlüsse gekommen, mit dem kommenden Frühling den Neubau zu beginnen. Palästina. Vor Kurzem wurde wiederum eine neue jüdische Colonie gegründet, deren Aussichten viel besser als die ihrer Vorgängerinnen sind. Die neue Niederlassung umfaßt an 40 Familien, die meistens aus Rußland stammen. Sie haben ein Eigenthum in Arbel, in der Nähe von Tiberias erworben. Die Colouistcn sind im Besitze von genügenden Geldniitteln, um alle ihre Bedürfnisse zu bestreiten; einige von ihilcil sind verhältnißmüßig wohlhabende Leute zu nennen. Das Land ist besondes fruchtbar und die Männer sind für ihre neue Lebensweise besonders geeignet, und darum ist alle Hoffnung vorhanden, daß die Kolonie blühen werde. Die Delegirten der Ansiedler sind im Begriffe ein in der Nähe von Arbel gelegenes Dorf mit 80 gutgebauten Häusern, vielen Obstgärten und 11 Brunnen von römischkatholischen Kolonisten, die sich am Libanongebirge ansiedeln wollen, zu erwerben. Freitag, 23. Januar, 7. Schebath. Samstag, 24. Januar, 8. Schebath. ns Sabbat-AnSgang 5 Uhr 35 Min. (Mainzer Uhr.)

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