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Der Israelit · 1885-01-15 · Heft 4 (15.1.1885) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 4 (15.1.1885)
Date
1885-01-15
Page
– (sequence 20)
Language
German
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halben Stunde ab, und man nimmt keinen Brief mehr an." „Von mir werden sie ihn wohl annehmen". sagte der Herzog lächelnd. „Schreibt nur geschwind an Euren Sohn und schlagt meinen Brief ein. Ich will hier so lange warten. Mein Weg führt mich ja an der Post vorbei." Herz Salomon setzte sich hin, schrieb, adrcssirte und siegelte den Brief, den dann der Herzog selbst auf die Post trug. Es war ein harter, übermäßig kalter und langandauernder Winter, der von 1784 auf 85. Für die Familie Salomon doppelt hart. Sie hatte von Kopenhagen keinerlei Nachrichten empfangen. War der Brief des Herzogs rechtzeitig angekommen, hatte er den gewünschten Erfolg gehabt? Am 27. April brachte der Postbote einen schweren Brief, der lange Zeit gebraucht hatte, um von Kopenhagen nach Frankfurt a. d. O. zn gelangen. Jsak schickte seinen Eltern eine ansehnliche Summe; ein Dankbrief an den edlen Herzog lag bei. Das Empfehlungsschreiben war rechtzeitig angekommen und übergeben worden. Dem Einflüsse der Königin war es ein Leichtes gewesen, für Jsak die Berechtigung zu schaffen, seinen Wohnsitz in Kopenhagen zu nehmen. Sein Geschäft blühte; er hatte Aussicht, bald ein wohlhabender Mann zu werden und die Seinen ausreichend zu unterstützen. Herz Salomon hatte nichts Eiligeres zu thun, als sich auf den Weg zu machen, um dem Herzog zu danken und ihm das Schreiben Isaks zu überbringen. In den Straßen fand er die Bevölkerung in großer Aufregung. Die Oder war sehr hoch gestiegen. Die Dämme auf der rechten Seite waren bereits mehrere Male durchbrochen, die Dammvorstadt war unter Wasser gesetzt, die Verbindung mit dem linken Ufer war abgeschnitten, da einige Joche der Brücke, die jene Vorstadt mit der Hauptstadt verband, fortgerissen waren. Man fürchtete das Schlinnnste für die schwerbcdrängten Vorstädter. Herz Salomon eilt an das Ufer des Flusses und sieht, wie Herzog Leopold mit wenigen Schiffern einen Kahn besteigt, um den bedrängten Vorstädtern Hilfe zu bringen. Der wilde Strom ist bereits glücklich durchfahren, als der Kahn am jenseitigen Ufer an eine Weide stößt und umschlägt. Vergebens suchen die Schiffer den Herzog zu retten, der von den Fluthen hinweggespült wird. Erst am 2. Mai fand man seine Leiche. Herz Salomon konnte seinem Wohlthater nicht danken. Die gesammte Menschheit aber bewahrt dem edlen Prinzen ein ehrendes Angedenken. Die Stadt Frankfurt wünschte die Uebcrreste des unvergeßlichen Mannes zu behalten; auf den Wunsch seiner Mutter jedoch wurden sie iur Erbbegräbniffe zn Braunschweig bcigesetzt. Tie Stadt Frankfurt hat dem edlen Fürsten am Ufer der Oder ein Denkmal gesetzt. An jedem 27. April ziehen die Zöglinge der von Herzog Leopold gegründeten und nach ihm benannten Garuisonsschule hinaus, um das Standbild zu bekränzen. — Zur Geschichte des sieLenjähr. Krieges. Wir finden in cincnl alten gliche die nachfolgende Episode verzeichnet, die dem Friedensschlüsse zwischen England und Frankreich. kur; vor Beendigung des siebenjährigen Krieges, vorausging. vielleicht vermögen Kenner der Spccialgcschichte Näheres über die Person des (Glaubensgenossen anzugeben, der au diesem Friedensschlüsse so bervorragcndcn Anthcil genommen. Der Herzog von Belsord wurde im Fahre 1762 als englischer Ambassadeur nach Paris geschickt, um den Frieden zwischen (rnglaud und Frankreich zu schließen. irr hatte daselbst mit dem Herzog von bo iseul zu rhun, der ihm au Talenten aller Art unendlich überlege» war. Die Präliminarartikel des Friedens wurden unterzeichnet und gleich daraus in Paris bekannt. Den solgenden Tag verlangte ein englischer Jude beim Herzoge von Belsord Audienz und erhielt fie. Dieser Mann, der tauge in Ostindien gewesen und von redlichem Patriotismus sür sein Barer!and beseelt war. thcilte dem Botschafter seine Bemerkungen über die Friedensartikel mit, insofern 'sie das Lokale von Ostindien belrasen. Cr bewies ihm, daß man, aus Mangel an geographischen und merkantilischen Kenntnissen, sehr große Fehler dabei begangen hatte, wodurch die englisch-ostindische Compagnie jährlich einige hunderttausend Psund Sterling verlieren, und überdcm ein beständiger Streit zwischen den benachbarten -Kationen unterhalten werden würde. Belsord sah die geschehenen Fehler ein und entschloß sich aus der Stelle, fie wieder gut zu machen, cs koste, was es wolle. Cr verlangte von dem Juden einen schriftlichen Aussatz, die nothigen Abänderungen bclrejscnd. Mit diesem versehen, eilte er nach Versailles und machte dem Herzog von Chaisen l seinen sonderbaren Antrag. Dieser antwortete ihm lächelnd: „Daß er glaube, nicht mir einem Lehrlinge in der Politik, sondern mit einem Minister einer mächtigen Kation zu thun zu haben, der ohne Zweifel die C'iltigkeir gezeichneter Verträge kennen müßte." Auf diesen Vorwurf erwiderte Belsord mit dem Muth und der Freimiilhigkcit eines wahren (Engländers: „Eie haben Recht, daß ich mich in diesem Falle nicht ganz wie ein Minister betrage. Ich habe aus Unwissenheit gefehlt, allein ich will diesen Fehler nicht durch Vcrrälhcrei vergrößern; denn diese Benennung würde mein Betragen verdienen, wenn ich ruhig dabei bliebe. Wählen Sie daher entweder eine Abänderung nach meiner Vorschrift, die ostindischen Angelegenheiten betreffend, oder ich reise noch heute zurück und übergebe meinen Kops der Discretion des englischen Parlaments." Der Friede war Frankreich ganz unentbehrlich, und Choifeul mußte endlich nachgeben. Die Abänderungen wurden gemacht, und der patriotische Jude erhielt von der ostindischen Compagnie eine ansehnliche Pension. Verantwortliche Siedaction: 1)r. Lehmann in Mainz. — Cxpedikion des „Israelit" große Bleiche 4S. Tnick und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz.

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