Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1885)
- Date
- 1885-01-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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48 edle Gattin setzte Frau Golde ihren höchsten Beruf darin, jede Nahrnngssorge von ihrem Manne fern zu halten, damit er ungestört dem heiligen Thoraftudium obliege. Als nun seine Gesundheit durch unermüdlichen Fleiß und beständiges Nachtwachen erschüttert wurde, so das; er bettlägerig und bald nachher am ganzen Körper gelähmt wurde, da bewährte sich erst recht ihr Scelenadel und ein nnerschütterlichcsGottvcrtrauen. Mnthig und ausdauernd ward sie Jahre lang seine Trösterin und unermüdliche Pflegerin. Stundenlang hielt sie ihm das Scfcr zum Lernen vor, damit er das Theuerste, die Thora nicht vermisse. Als er mm nach mehrjährigem Skcchthnm starb, da ward ihre fast 50jährige Wittwcnzeit ein beständiger Gottesdienst; ihre freie Zeit verwendete sie, nm Kranke zu besuchen und zu pflegen. Selbst arm, sammelte sic für noch Aermerc; rührend war's zu sehen, wie sie in früher Morgenstunde, so oft cs nöthig war, zu armen Kranken ging, um ihnen den sclbstbereitetcn Labctrank zu reichen. Im lebten Jahre, als sie in Folge ihres hohen Alters oft von Ohumachtsaufällen heimgesucht wurde, uutersagte ihr der Arzt das Fasten am Jom-Kipur, sie aber betete z"'y und sprach unter Thrünen: Du hast einst dem Propheten Elia Kraft und Ausdauer verliehen, das; eine Mahlzeit für ihn 40 Tage ansrcichtc, stärke auch mich, auf das; das Wenige, das ich jetzt genieste, für den morgigen Tag hinrciche, damit ich den vielleicht lebten Iom-Kipnr meines Lebens noch nach Vorschrift begehe." Und Gott erhörte ihr Gebet; denn trotz der am Tage wiederholten Vorstellungen des Arztes fastete sieden ganzen Tag. Wenige Wochen nachher begann ihr Körper hinzusiechen; ihr Geist jedoch bewahrte bis znm letzten Augenblicke eine fast jugendliche Frische. Vertrauensvoll sah sie der bevorstehenden Scheidestunde entgegen, welche ihr die Pforten des ewigen Lebens erschloß. Mit dem Wunsche, das; ihre beiden Neffen, Herr David L e w i n, Rabbiner in Il 0 v a, und Herr M 0 r i tz L e lu i n in F r a n kfnr t a. M., für sic „lernen" sollen, entschlummerte sie sanft; im letzten Momente ihre reine Seele Gott empfehlend. n"2"a"2"a R u mänie n. Seit dem Berliner Eongrcst gehört die Dobrntscha znm Königreich Rumäuie». Als diese Provinz noch unter türkischer Herrschaft stand, erfreuten sich die Juden daselbst der gleichen Rechte mit den übrigen Einwohnern. Mit der Einverleibung des Landes in Rumänien hat sich das Schicksal der jüdischen Einwohner sehr verschlimmert und sind sic denselben X Ausnahmsgescbcn wie die Juden im eigentlichen Rumänien ausgesctzt. Vor einigen Monaten wurden 135 Personen aus .Kinstendjiu als Vagabunden ausgetrieben, obgleich sie regelmäßige Beschäftigungen hatten und den Nachweis liefern konnten, daß sie ihre Taxen regelmäßig bezahlt haben. Die Bevölkerung thcilt keineswegs diese judenfeindliche Gesinnung, denn erst in dem letzten Jahre wurden Juden in Toultcha und Kinstenjin in den Stadtrath gegewählt. Frankreich. Paris. Bei dem Kampfe zu Chu (Tonkin) am 10. October winde eine Ambulanz, die von Schwerverwundeten besetzt war, plötzlich vom Feinde, überfallen, und wäre niedergemacht worden, wenn' nicht der Militärarzt Dr. Dreyfuß mit unerschrockener Ruhe und Kaltblütigkeit, seine Leute um die Verwundeten stellend, die Feinde theils verjagt, theils unschädlich gemacht hätte. Dieser Tage wurde er in Anerkennung seiner Tapferkeit zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Das ist ein Vravourftückchen, das die guten Antisemiten nicht wegleugnen können. Und wenn Dr. Dreyfuß stolz darauf ist, Jude zu sein, so hat das Jndenthum Ursache auch auf ihn stolz zn sein. In nuferer Zeit, wo die Vorurthcile gegen unsere Religion stets zu Tage treten, wenn ein Jude eine schlechte Handlung begangen, hat Herr Dreyfuß durch seine Tapferkeit ein doppeltes Verdienst sich erworben, einmal für seine Person und dann für seine Glaubensgenossen, welche dadurch in der öffentlichen Achtung steigen. Ter Generalliente'nant Wolf, welcher unter Ludwig XVIII. diente, dachte, wie „Arch. Jsr." bei dieser Gelegenheit erzählen, nicht so. Er mußte es bitter bedauern. Dieser glaubte nämlich, wenn er sich taufen lassen würde, die Gunst des Königs zu erwerben. Als General Wolf am Sonntag nach seiner Taufe in den Tnilterien erschien, um dem Fürsten die übliche Ehrerbietung 31t erweisen, mußte er stundenlang im Vorzimmer verweilen, bis er vorgelaffen wurde, und als General Wolf dies in respectvoller Weise zu erkennen gab, erhielt er vom Monarchen folgende Antwort: Ich weist das wohl und mit Absicht habe ich Sic so lange warten lassen, um Ihnen damit meine Unzufriedenheit erkennen zu geben. Ich war stolz darauf, unter meinen Generälen einen Israeliten zu haben, und gerade dcßhalb habe ich Sie befördert; all christlichen Generälen fehlt es in meiner Armee nicht.