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Der Israelit · 1885-01-08 · Heft 2 (8.1.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 2 (8.1.1885)
Date
1885-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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vor Lu Dich selbst gesättigt," und Dlochuer fugte hmzu: »Ich war einmal in Soborten bei Teplitz, und da hat der Rabbiner in Schul 3) vor Mariw') Gemore gelernt^) und eine Stelle angeführt, in der c» heißt: Der Mensch darf nicht eher selbst essen, als bis er für das Thier, das in seinem Hanse lebt und sich seine Nahrung nicht selbst verschaffen kann, gesorgt hat"°). „Nun aber," sprach David, nachdem er sein Mahl beendet, „bin ich satt und froh und glücklich: aber, ich muß euere Geduld noch eine kurze Zeit auf die Probe stellen. Ich habe schon lange nicht, wie sich's gehört nach dem Essen das ganze Tischgebet verrichtet, und sehne mich darnach, dies wieder einmal bikwono*) zu thnn." Nachdem dies geschehen begann er: „Ich habe Euch so viel Merkwürdiges und Wunderbares mitzutheilen, daß ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll, und doch ist es nvthwendig, daß ich ausführlich erzähle, da Ihr den Zusammenhang nur dann begreifen werdet. Ich habe Euch schon lange nicht geschrieben, es war uns Soldaten untersagt, Briefe zu schreiben. Es sollte Alles vermieden werden, was über die Stellung der Armee und. der einzelnen Hcerestheite Ausschluß geben konnte. Die Bewegungen unserer gruppen sollten in tiefes Dunkel gehüllt bleiben, denn es war bekannt, daß der Feind ein treffliches Spioirirspstem eingeführt hatte, daß ganz Böhmen von Spähern wimmelte, welche in den verschiedensten Verkleidungen das Land durchzogen und auch die geringsten Anzeichen für ihre Zwecke vortrefflich zu verwerthen wußten. Aus diesem Grunde konnte ich es auch nicht mittheilen, daß ich zum Wachtmeister avancirtc." „Ah! — das haben wir im Freudentaumel der Ucberraschung gar nicht bemerkt," rief Lea, „ich habe nur Dich, nicht Deinen Rockkragen angesehen; — viel Glück!" auch Vater und Mutter riefen Masel tow*) und Alle reichten ihm die Hände. Nachdem David für die Glückwünsche gedankt, fuhr er fort: „Unsere Armee, wohl an 200,000 Mann stark, war in Sachsen eingcbrochen und bei Dresden, das belagert werden sollte, wurde eine große Schlacht geschlagen. Der einzelne Soldat kann sich während des Kampfes und auch nach demselben kein richtiges Bild von demselben machen, es wären daher auch 3) Ter Synagoge. 4) Dem Abendgebet. 5) Talmud vorgctragen. 6) Beraeliuth fol. 40 a. 7) Mit voller Andacht. 8) Gut Glück. mir die näheren Details dieser großen Aktion unbekannt geblieben, wenn ich nicht der Liebling meines Obersten wäre. Ich habe diesem, wie Ihr wißt — er war damals noch Major — bei Aspern das Leben gerettet, und von dein Tage an hat er Niemanden lieber in seiner Nähe als mich und verwendet mich auch zu Dienstleistungen für seine Person, und dadurch erfahre ich ans seinen Gesprächen mit » andern hohen Militärs, genau den Sachverhalt. Die Schlacht bei Dresden ging, trotzdem der vom Generalissimus entworfene Plan ein vortrefflicher und die Armee der Verbündeten mit außerordentlicher Tapferkeit und einer Zähigkeit gekämpft hatte, die eines bessern Erfolges würdig gewesen, verloren, und dazu hatten die verschiedenartigsten Ursachen beigctragcn. Fürst Schwarzenberg war zu der Erwartung berechtigt, Napoleon würde von Blücher, Tente von Dresden festgehalten werden, aber jener war plötzlich mit großer Hceresmacht nach Dresden znrückgekehrt. Barclay de Dolly, der Oberbefehlshaber der russischen Armee, war mit seinen Truppen weit später als er gesollt, am Schlachtfeldc angelangt, uub war hierdurch der günstigste Zeitpunkt zum Angriff der Stadt versäumt worden; bei den österreichischen und preußischen Stnrmkolonnen mattgelte es an Leitern und Ersturmungswerkzeugen; — und am zweiten Tage, an dem es in Strömen regnete, hatte sich für die Verbündeten der Angriff in eine Vertheidignugsschlacht verwandelt. Der russische General Barclay de Tolly, erhält den Befehl zum Angriff, er vollführt ihn aber nicht, den durchweichten Boden vorschützend, der ihm im unglücklichen Falle nicht gestatten würde, seine Artillerie wieder auf die Berge znrückzuführen. Der starke Regen macht das Schießen unmöglich und die österreichische Infanterie muß bloß mit dem Bajonette den mächtigen Anprall der feindlichen Reiterei zurückweisen, und als wäre <m diesem Allen noch nicht genug, trifft von dem russischen General Ostcrmann die Nachricht ein, daß er General Vaudannne nicht habe verhindern können, über die Elbe zu gehen, sich vielmehr vor dessen Uebermacht zurückziehen mußte. Fürst Schwarzenberg mußte den Befehl zum Rückzüge ertheilen und schrieb den einzelnen Armeekorps genau die Straßen vor, welche sie einzuschlagen, die Zielpunkte, die sie zu bestimmter Frist zu erreichen haben. In Folge dessen war unser Regiment zu gegebener Zeit an dem ihm angewiesenen Standpunkte, zwischen Dux und Brüx, angelangt; — allein kaum hatten sich Mannschaft und Pferde von den Strapazen der Schlacht und des Eilmarsches erholt, wurden wir wieder allarmirt. Samstag Nach-

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