Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1885)
- Date
- 1885-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 tc, d. i. nach dem Vortragenden Rathschluß, Vernunft und Uebcrlcgung, verloren (die beide haben den Zahlcnwcrth 70), bemerkt derselbe, daß, wenn der Weinrausch vorüber ist, damit noch - uichtfene andere 70 ihren Einzug hält, sondern ein eins weniger zählt, nämlich pr dessen Zahlcuwerth LWc ^rM -ie verderblichen Wirkungen des HMLWfgLnWeingcnuffes bemessen wurden, läßt sich aus der Bemerkung R. Meirs entnehmen, daß die Frucht vom Baume des Erkcnntuiilcs, die den Tod der Welt gebracht, eine Weintraube gewesen sein soll. Teßhalb trinken sich die Israeliten mit dem Wort D'YO zu, mit den Wunsch anzudcutcn, daß unser Trinken nicht von solchen verderblichen Wirkungen begleitet sei, sondern dem Leben und der Gesundheit förderlich sein soll. Darauf citirte der Vortragende diejenigen Aussprüche, die wieder das Angenehme und Nützliche, die guten Wirkungen des mäßigen Weingcnupcs darlegcn und die Beweise sür die Würdigung der edlen Frucht des Weinstockes bei den Rabbinen enthalten und sagte, daß, alle diese Urthcile in einer Legende im Midrasch sich am kürzesten ausprägen, die für den Geist unserer Weisen und für die Art, wie sie ihre Lehren vortrugen, charakteristisch ist. Als Noah den ersten Weinberg pflanzte, kam Satan zu ihm, um seine Mithilfe anzubicten. Als diese angenommen wurde, brachte er ein Lamm, einen Löwen, ein Schwein und einen Affen, schlachtete dieselben und düngte mit deren Blute den Boden, auf welchem der Wcinftock gepflanzt wurde. Daher gleicht der Trinker beim ersten Becher einem Lamme, beim zweiten einem Löwen, beim dritten einem Schweine und beim vierten einem Affen. Der Vortrag war mit Eitatcn reichlich ansgestattct, die die große Belesenheit des Vortragenden bekundeten. H. Pefth. Vor 14 Tagen stand ein getaufter Antisemit unter der Anklage der Verleumdung vor dem hiesigen Gericht. B. Stern, Sohn des gewesenen Neupestcr Rabbiners, hatte noble Passionen. Bald wurde ihm, wie so vielen andern Assimilantcn der jüdische Name unbequem und er nannte sich Stereny; um nicht als Jude erkannt zu werden, begann er sogar als Antisemit zu schreiben und zu agitiren. Später ließ er sich Laufen; so hat sich der Rabbinersohn von Stufe zu Stufe assimilirt. Vor Kurzem hatte er den Polizcicommissär Zsapo mit einem Stilet überfallen; aber nicht dafür hatte er sich diesmal zu vertheidigcn, sondern weil er in seinem antisemitischen Blatte den Richter Dr.Starkany her Bestechlichkeit beschuldigte. Der Angeklagte konnte keinen Bertheidigcr sindcn, nicht einmal der Judenfresser Jstoczi wollte diesen „Märtyrer des Antisemitismus" vertreten. Stereny wurde zu vier Monaten Gefängniß, 150 fl. Geldstrafe und zum Ersätze.der Proccßkosten vernrthcilt. Der Staatsanwalt, der constatirte, daß der Angeklagte sich hat taufen lassen, bemerkte unter Anderm, daß an einem geborenen Verleumder, wie St. einer zu sein scheine, das Judenthum nichts verloren und das Ehristenthum nichts gewonnen habe. > Pefth. Ter Baukdircktor Max Schönberger ließ am Chanukafcstc 25 jüdische Kinder und vorige Woche 10 christliche Knaben vollständig kleiden. Nenpeft, 15. Dez. Gestern Nachmittag fand hier eine erhebende Ehaunkafeicr statt, verbunden mit Bekleidung armer Schulkinder. Noch vor 3 Uhr, für welche Stunde dieses Fest aubcraumt war, fanden sich die Schüler und Schülerinnen der hiesigen Schulen unter Führung ihrer Neligionslchrcr Herrn Adam Ballo und Herrn Ignatz Popper in dem großen Sitzungssaal des jüdischen Gemeindeamtes ein. Welch buntes Treiben war da zu bemerken, die Kinder der Reichen warteten ungeduldig darauf, die von ihren Lehrern eigens zn diesem Tage mit ihnen eingcübten, jüdischen und patriotischen Lieder vorzutragen, die Kinder der Armen freuten sich schon beim Anblick der Geschenke. Um 3 Uhr erschien der edle, wohlthätigc Herr Hermann Friedmann, Präses der isr. Gemeinde, dessen Initiative die Feier entstammte, ihm folgte der gesammte Vorstand. Zuerst wurde das nriiv-Gebet verrichtet; dann zündete ein Knabe unter lautem Segcnsspruche das nii^n-Licht an, und die übrigen Schulknaben sangen das gut cingeübtc tu: nyo, worauf die Mädchen patriotische Gedichte in der ungarischen Landessprache vortrngen. Nach Absingung des Liedes hielt Herr Lehrer Popper eine der Feier angcpaßte Ansprache an seine Zöglinge, und die 0jährige Schülerin Gisela Fuchs sprach dem Vorstände den Dank der beschenkten Schüler und Schülerinnen ans. Eirca 30 Kinder wurden mit Winterkleidern beschenkt. Hermann Weiß, Lehrer. Ans Crlau wird uns unter dem 16. Dczbr. geschrieben: „Tic hiesige israelitische Gemeinde, welche durch das im Judenthnm herrschende Zerwürfnis; in zwei Lager, nämlich in das der Neologen und Orthodoxen gespalten war, litt im Folge dieses Zerwürfnisses in solchem Maße, daß selbst ihre Humanitären Anstalten hiedurch Schaden nah-