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Der Israelit · 1885-01-05 · Heft 1 (5.1.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 1 (5.1.1885)
Date
1885-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 und den cingcwandertcn Juden ans Rußland und Rumänien. Im Laufe des Sommers kam cs nämlich öfters vor, das; solche Emigranten nach Europa als sogenannte Paupers zurückgeschickt wurden, obgleich sie den Nachweis hätten liefern können, das; sie im Stande sind, sich zu ernähren; sic konnten sich eben den Beamten gegenüber ans Unkenntniß der engl. Sprache nicht verständlich machen. Diesem Uebclstand ist nunmehr ans oben angegebene Weise abgcholfeu worden. Dieser Agent ist weiter beauftragt, für die vorläufige Unterbringung der Emigranten zu sorgen, ihnen überhaupt in Rath und That beizustehem Nach dem Berichte dieses Agenten sind in den lebten zwei Monaten 1356 Inden und zwar 713 ans Rußland, 345 aus Oesterreich, 260 ans Deutschland, 34 aus Rumänien und 3 aus.Frankreich cingewandcrt, 1 war Amerikaner. Persien. In Teheran wurde von böswilliger Hand Feuer in der großen Synagoge gelegt, die mit allen rvnin noo ein Raub der Flammen wurde. Dieses Beispiel von Unduldsamkeit und Nnchlosigkeit fand in den Nachbarortschaften alsoglcich Nachahmung, und au vielen Plätzen verbrannten rohe Banden am hellen Tage jüdische Bethäuser. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel.") (Fortsetzung.) Die Familie Blochner hatte den Tag in der peinlichsten Lage verbracht. Dienstag waren Alle schon zeitig an; frühen Morgen ansgestanden. Eva war wie an den Vortagen apatisch, es schien, als wenn das Räderwerk ihres geistigen Lebens plötzlich stehen geblieben wäre. Blochner dagegen war von einer fieberhaften Geschäftigkeit. Er verrichtete frühzeitig sein Gebet, und zog sich vollständig, wie zu einer Fußreise, an, setzte den Hut auf, nahm den Stock kn die Hand und sprach mit einem irren, bittern Lächeln: »Ich glaube spätestens um elf wird der Amtsdiener von Neuhof hier angelangt sein .... es sind ja nur einige Wegstunden .... nun wir werden ihm keine Gewalt entgegensetzen, nicht wahr, meine gute arme Eva? Ich habe mich in meinem ganzen Leben, auch in meinen jungen Jahren mit Niemandem gerauft, werde ich nicht jetzt als betagter Mann beginnen!.... Ich werde Dich eine große Strecke begleiten, ich möchte ja gerne mit Dir ziehen .... aber der Amtmann dort würde ja keinen fremden Inden auf der Herrschaft dulden," dann legte er Eva's Kleider in ein Packet zusammen und dabei wiederholte er stets: „Wenn es rmr schon vorüber war', das Erwarten eines Unglücks ist schon die ärgste Onal, da kann schon nichts Aergcres kommen!" Von Zeit zu Zeit ging er an's Fenster und blickte in der Richtung der Straße, auf welcher er die Ankunft des Amtsschreibers erwartete, ging wohl auch vor die Thüre .... Etwa um zehn Uhr kam der Schullehrer des nächsten Dorfes, der in Schönhos geboren, mit Blochner in einem Alter stand und ihn daher von Jugend an kannte. So oft er auch nach Schönhof kam, trat er stets bei Blochner ein, der ihm jedesmal ein Gläschen Liqncur zur Stärkung spendete; Lea that dies auch heute. Dem Schullehrer konnte es nicht anffallen, Blochner und seine Frau verstört, wortlos zn finden .... Lea frng ihn, was ihn zu so ungewohnter Stunde hierhcrführe, und er erwiderte, er halte heute keine Schule, die Buben und Mädel aus den der Grenze näher liegenden Ortschaften wären heute nicht gekommen, und so hätte er einen unerwarteten Ferialtag. Des krummen Dorfschnciders Sohn ans Schönckchen, der einzige, der von auswärts gekommen war, hätte erzählt, in dem Forfthause dort seien viele verwundete russische und österreichische Soldaten nntcrgcbracht worden, viele derselben sind bald nach ihrer Ankunft gestorben. „Wenn die Verbündeten gar so viele Verwundcte und Todte haben," ergänzte der Schullehrer den Bericht des siebenjährigen Schuljungen durch seine eigene Combinationen; „da werden wohl wieder die Verbündeten geschlagen worden sein, die Schlacht verloren haben. Schade um die armen Verwundeten und Tobten, die sich wieder nutzlos geopfert!" Obwohl der Schullehrer seine Worte an Lea richtete, wurden sie doch auch von den beiden alten Leuten gehört. Eva zuckte, wie von dem Strome einer starken, galvanischen Batterie getroffen, zu-

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