Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-12-30 · Heft 103 (30.12.1884) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 103 (30.12.1884)
Date
1884-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449502--21395-2510979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1693 einmal sagender Höchste im. Staate-: der Kaiser, wolle uns vor seinem- Haffe,- vor seiner Bosheit schützen! .... Nur Eines tröstet mich —es geht uns schon so schlecht — noch schlechter kami's nicht werdend V 1;*:•?; >*. "••)»•••> „Versündige Dich nicht,-Veit!" schrie Eva in heftigem Seelenschmerze auf. „Es kann ja noch arger werden. Ich begreife Dich nicht. Du sprichst nur stets von mir, was liegt an mir, dem alten Weibe? Aber hast Du nicht gehört, was der Kaiser seinem Begleiter befohlen? Das Dragonerregiment Erzherzog Johann soll dem übermächtigen Feinde entgegenrücken .... das ist das Regiment, bei dem unser Sohn dient ...,. . sie sollen kämpfen bis auf den letzten Mann!! — wie kann der Kaiser fordern, daß unser Kind für ihn in den Tod geht — wenn er ihm nicht das Menschenrecht verleiht! Unser Kind," fuhr Eva im tiefsten Mutterschmerze noch von Mutterstolz erfüllt, „ist ein tapferer, pflichttreuer Soldat . . . . wie bei Aspern, wird er auch in dem nächsten Kampfe beim Angriff der Erste sein wollen und vielleicht . . . ." Eva hielt von Schluchzen unterbrochen inne und drückte die Hand an die Augen, als könne sie dadurch das entsetzliche Blld, das ihrem geistigen Auge vorschwebte, zerstören .... „Beit, Du hattest doch recht, wir sind so unglücklich, daß für uns keine Hllfe mehr möglich!" Lea litt gewiß nicht weniger als ihre Pflegeeltern, aber sie fühlte auch das unabweisliche Bedürfniß die zusammenbrechenden, alten Leute aufzurichten, zu trösten. „Vater, Mutter!" sprach sie und schon in dem schönen Klange ihrer tiefen Altstimme, lag etwas Beruhigendes. „Verzweifelt nicht! Wenn uns auch alle Menschen verlassen, wenn uns auch der höchste Mensch seinen Schutz versagt, kann doch noch ein höherer als er — der Allerhöchste, Gott helfen ....... wie? das weiß ich armes, gebeugtes Mädchen fteilich.nicht!", Tl'L Viertes Kapitel. Die großen Hoffungen, welche man an die zahlreiche, wohlgerüstete, böhmische Armee geknüpft hatte,, schienen sich vorläufig nicht erfüllt zu haben.-; ' Die Verbündeten hatten Dresden, dessen Besatzung eine relativ kleine war . (die Taxation derselben schwankt Zwischen.17000—300.00 Mann) rasch zu nehmen geglaubt; aber Napoleon war mit einer an's. Wunderbare, grenzenden.Raschheit mit großer Heeresmacht znm Schutze der sächsischen Hauptstadt erschienene :: Wie eine ersterbende Flamme vor dem Erlöschen .noch einmal, grell aufzuckt-. hatte - ihm das allerletzte Mal. jdas Kriegsglück, das ihm. eine länge Zeit .ein treuer Begleiter gewesen, im hellsten Glanze gestrahlw) r»;% v:;:-.-. Die beiden Armeen, die verbündete und bic französische, hatten mit außerordentlicher Tapferkeit gekämpft. Die österreichische Relation berichtete der Wahrheit gemäß „Die Armee hat an diesem Tag einen Grad von Standhaftigkeit, Unverdrossenheit und auch in den ungünstigsten Lagen einen Muth bewiesen, der ihres alten Ruhmes würdig/ und dasselbe konnte mit gleichem Rechte, auch von den russischen und preußischen Herrestheilen behauptet werden; — allein trotz alledem hatte doch Napoleon den Sieg errungen. V Von der verbündeten Armee waren vor Dresden die russischen Generale Millesimon und Lukow, der österreichische General Andrassi gefallen, eine Kanonenkugel hatte dem General Moreau, der aus Amerika gekommen, um in den Reihen der Verbündeten gegen Napoleon zu kämpfen , beide Füße j weggeschossen, so daß er fünf Tage später starb, der österreichische Feldmarschalllieutenant Meszko war in Kriegsgefangenschaft gerathen, die verbündete Armee hatte an Tobten, Verwundeten und Gefangenen 17000 Mann, überdies 43 Kanone» und 130 Monitionswagen verloren') die Armee mußte den Rückzug antreten. War nun durch diese Nachricht die gesannnte Bevölkerung der umliegenden Dorfschasten in die furchtbarste Aufregung versetzt, so mußte diese bei der unglücklichen Blochner'schen Familie den höchsten Grad erreichen. Zu ihren speciellen Sorgen und Befürchtungen war die große, allgemeine Kalamität' getreten und zu alledem noch die entsetzliche Angst um David, der sein Leben für eine, wie sie annehmen mußten, völlig verlorene Sache einsetzen sollte. Sonntag in den späten Nachmittagsstunden war der herrschaftliche Arzt, der zu dem kranken, reichen Müller in's Gebirge fuhr, durch das Dorf gekommen und hatte dem Dorfrichter, oer ihn um Neuigkeiten frug, erzählt, daß feit dem grauenden Morgen, bei Kulm eine blutige Schlacht aeschlagen werde, und sich die Verbündeten in der Minderzahl befänden. Diese Nachricht wurde ins Laufe, der 's— •; •-* > >17j ••••,-* I) Wir haben bei dieser Ziffer die arithmetische Proportkonalzahl zwischen den dies- und jenseitigen Daten angegeben und glauben so der Wahrheit möglichst nahe gekommen zu sein. Auch die Franzosen hatten große' Verluste. Sie gaben die Zahl ihrer Todten und Verwnndeten auf 4000 an, doch dürste 6OOO die richtige sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.